Lunchit: Auswärtsspiel für die Kantine

Lunchit: Auswärtsspiel für die Kantine

Die Münchner Firma Lunchit digitalisiert die Essensmarken. Ein Geschäftsmodell, das Angestellten, Unternehmen und Gastronomie gleichermaßen „schmeckt“, außer dem analogen Mitbewerb.

Groß denken und Geschäftsmodelle rasch über den lokalen Markt hinaus exportieren – dieser Strategie versuchen viele Gründer zu folgen. Überraschend ist, dass der kleine rot-weiß-rote Markt manchmal gleich groß ist wie der deutsche. Lunchit-Mitgründer Ralph Meyer erklärt, warum das in seinem Fall so ist: „In Österreich bekommen 600.000 bis 700.000 Angestellte Essengutscheine von ihrem Arbeitgeber. In Deutschland sind es nur genauso viele. Ein interessantes Phänomen,“ sagt er und reicht ein Kompliment nach: „Österreich ist ein kulinarisches Kulturland. In vielen Gegenden Deutschlands gibt es gar keine Essenskultur, schon gar nicht im unternehmerischen Kontext. Das gemeinsame Mittagessen auswärts mit Kollegen wird in Österreich richtig gepflegt.“ Wer seinen Mitarbeitern keine Kantine bieten kann oder will, teilt Bons aus – das war der Startpunkt für die Entwicklung der Lunchit-Plattform, die tatsächlich aber mehr ist als ein digitalisierter Essensgutschein.

Keine Einschränkung bei der Restaurantwahl

Wie Lunchit funktioniert: Begünstigte Mitarbeiter installieren die App und scannen ihre Rechnungen ab, laden sie hoch und bekommen im Folgemonat die Kosten (bis zu 4,40 Euro pro Arbeitstag) mit ihrem Lohn direkt ausbezahlt. Die Mitarbeiter sind in ihrer Lokalwahl nicht eingeschränkt, sie können überall konsumieren. Mitgründer Meyer: „Unser Modell schmeckt auch den Gastronomen, die für herkömmliche Systeme fünf Prozent Provision abgeben mussten. Das müssen sie bei uns nicht.“ Für die Abwicklung bezahlt beim Lunchit-Modell der Arbeitgeber: pro Nutzer zwischen 6,90 und 9,90 pro Monat (gestaffelt nach Mitarbeiteranzahl). Dafür gibt es die komplette Abwicklung, Speicherung und Verwaltung der Belege.

Das Lunchit-Gründerteam Florian Gottschaller (li.) und Ralph Meyer.

Das Lunchit-Gründerteam Florian Gottschaller (li.) und Ralph Meyer.

Philipp Kaufmann von der gleichnamigen Linzer Firmengruppe hat Lunchit seit einem Jahr im Einsatz: „Die Abwicklung ist perfekt. Wir bekommen die Datensätze und brauchen die nur mehr an die Lohnverrechnung übermitteln.“ Bis zur Einführung des Lunchit-System war auch die Kaufmann-Gruppe am Bonschneiden. Kaufmann: „Wenn man einmal gesehen hat, wie einfach es sein kann, erscheint einem der administrative Aufwand von früher einfach absurd.“ Für Kaufmann hat das Lunchit-System noch einen weiteren Vorteil. Nicht nur die Mitarbeiter am Linzer Standort profitieren davon, sondern auch jene in kleineren Niederlassungen in den anderen Bundesländern.

Die Installation der Lunchit-Lösung auf Kundenseite geht ziemlich schnell und ist je nach Firmengröße „eine Angelegenheit von Stunden“, sagt Mitgründer Meyer. Die App, die die Mitarbeiter sehen, wird mit dem Kundenlogo gebrandet. Einziger Wermutstropfen, aus steuerrechtlichen Gründen müssen die Begünstigten von steuerfreien Mitarbeiter-Vorteilen lohnsteuerpflichtig sein, d.h. es gilt für Angestellte und Arbeiter jedoch nicht für freie Dienstnehmer.

Seit gut einem Jahr gibt es die Lunchit-App nun auch in Österreich, die offizielle Genehmigung des Finanzministeriums hat sie auch und wird von über 50 Unternehmen angeboten. Darunter sind Speditionen, Banken, aber auch Kleinfirmen wie Patscheider Sport in Serfaus, die sie seit letztem Sommer im Einsatz haben. Helmut Dollnig, zuständig für IT- und Personalagenden, ist angetan: „Wir hatten früher ein System mit Chips, die mussten die teilnehmenden Restaurants allerdings akzeptieren. Unsere Mitarbeiterzahl verdoppelt sich in der Hauptsaison und in der Nebensaison haben viele Lokale zu. Mit Lunchit sind wir diesbezüglich in keinster Weise eingeschränkt. Die Mitarbeiter gehen einfach dorthin wo sie wollen und wer offen hat und die sind echt begeistert von dem System.“

Custom-Lösungen für Unternehmen: Die Kaufmann-Gruppe und Patscheider Sport bieten die App Mitarbeitern an.

Hinter Lunchit steht die 2014 von Florian Gottschaller und Ralph Meyer gegründete Spendit AG, die am Münchner Standort 40 Mitarbeiter beschäftigt und den nächsten Auslandsmarkt ins Visier nimmt. Laut Meyer sind Frankreich, Italien, Brasilien oder Mexiko denkbar. Wo die Reise mittelfristig für Lunchit hingehen soll, beschreibt Meyer so: „Wir wollen den ganzen Prozess rund um das Mittagessen digitalisieren, von der Reservierung bis zur Bezahlung. Künftig könnten wir den Nutzern etwa empfehlen, wo es voll ist, was gerade angesagt ist und vieles mehr.“

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