KnowledgeCheckR: KI für Wissenstransfer aus Österreich

Der von einem Spin-off der TU Graz entwickelte KnowledgeCheckR ermöglicht personalisierten Wissensttransfer mittels KI für Schulungen und Prüfungen und wird auch im Onlinerecruiting eingesetzt.

Thema: Künstliche Intelligenz (KI)
KnowledgeCheckR, die KI-Wissens-Software aus Graz im Einsatz

KnowledgeCheckR, die KI-Wissens-Software aus Graz im Einsatz

Die berüchtigte Kurve des Vergessens hat schon so manche Ambition hoffnungsvoller Prüflinge - ob vor der Maturakommission, beim Führerschein oder vielen anderen Anlässen - zunichte gemacht. Ein wachsames Auge im Hintergrund, das den Lernfortschritt und Wissensstand inklusive des nur vermeintlich gewussten Stoffs im Blick behält, hätte wohl die eine oder andere dieser Prüfungen zu einem positiveren Ausgang geführt. Nun denn, in Zeiten von KI kann da geholfen werden. Eine Lösung kommt aus Österreich: KnowledgeCheckR heißt ein KI-basiertes System zur Erstellung, Verwaltung, Verteilung und Überprüfung von Wissen. Neben dieser Definition handelt es sich dabei aus Sicht angehender Prüflinge vor allem um eine wirksame und anregende Lernhilfe.

Entwickelt wurde die Software, die von Unternehmen, Bildungs- und anderen öffentlichen Einrichtungen bereits in der Praxis für die Wissensvermittlung sowie Zertifizierungen beziehungsweise Prüfungen eingesetzt wird und sich in der Pandemie auch als wirksames Instrument im Onlinerecruiting von Mitarbeitern erwiesen hat, von SelectionArts, einem in der steirischen Landeshauptstadt ansässigen Spinoff der Technischen Universität Graz, namentlich der dortigen Forschungsgruppe Applied Software Engineering and Artificial Intelligence unter Leitung von Professor Alexander Felfernig.

Dessen einstiger Doktorand Martin Stettinger ist CTO von SelectionArts und eine Art Mastermind hinter KnowledgeCheckR. Er erklärt einige der Möglichkeiten des Systems zur Personalisierung und Individualisierung von Lerninhalten: "In der Vorbereitung erkennt es etwa Wissenslücken oder Schwächen und erinnert vor dem Prüfungstermin gezielt an die Wiederholung dieser Inhalte. Es kann auch so eingestellt werden, dass es informiert, ob andere Prüfungsteilnehmer mehr Zeit in die Vorbereitung investiert haben und damit zu einem Motivationsinstrument werden." Challenges und Bestenlisten auf Basis von Vorbereitungsfragen können zudem Gamification-Elemente ins Spiel bringen - und bei internen Ausbildungen vom Arbeitgeber auch mit Incentives verknüpft werden.

Compliance Checks und Microlearning

Nicht nur in dieser Hinsicht ist das System hochgradig konfigurierbar und somit an die jeweiligen Ausbildungs- und Qualifikationsziele anpassbar, es ermöglicht auch die passende und bedarfsgerechte Kombination verschiedener Formen der Wissensvermittlung: Inhalte auf Basis von Bildern, Videos, Dokumenten oder Formeln, Kontroll- und Verständnisfragen, Compliance Checks (etwa für vorgeschriebene Brandschutz-, DSGVO- oder Erste-Hilfe-Schulungen) ermöglichen eine abwechslungsreiche, zielgerichtete Prüfungsvorbereitung und Dokumentation. Mit diesem Mix wird mittels Microlearning und Just-in-Time-Information der Kurve des Vergessens entgegengewirkt, ein Flow-Erlebnis beim Lernen generiert und das Engagement der Teilnehmer entsprechend hoch gehalten.

Konfigurierbar und anpassbar ist auch das integrierte Prüfungsmodul. Damit können Prüfungen stressfrei im gewohnten System und örtlich unabhängig abgehalten werden - etwa die vom Kärntner Gemeinde-Servicezentrum (GSZ) durchgeführten Datensicherheitsschulungen samt Zertifizierungen, die Bedienstete von Kärntner Gemeinden vor Ort absolvieren können, bevor sie vom Homeoffice aus arbeiten dürfen. "Seit dem Hackerangriff im Land ist man in Sachen IT-Sicherheit und Phishing hellhörig", erklärt GSZ-Geschäftsführer Michael Sternig den Hintergrund. Er hatte das Tool in der Pandemie für die Onlinerekrutierung eingesetzt, nun arbeitet es auch im laufenden Betrieb. Effekt bisher: 100.000 eingesparte Fahrkilometer auf Kärntner Straßen.

"Die Prüfungsaufsicht erfolgt KI-basiert, wobei unterschiedlich scharfe Einstellungen gewählt werden können", erklärt Stettinger. Analysiert wird dafür das Benutzerverhalten, wobei das System bei Schummelverdacht nicht direkt eingreift, sondern Hinweise oder Bilder an den Administrator liefert, der diese beurteilt und letztlich über Konsequenzen zu befinden hat. "Für Prüfungen in Hörsälen, wie sie etwa bereits an der TU Graz mit KnowledgeCheckR durchgeführt wurden, kann man die Aufsicht genau auf das Level einer Aufsichtsperson vor Ort einstellen", so Stettinger.

Geprüft und zertifiziert sind auch das Fach-sowie Sicherheitswissen von Servicetechnikern und Ingenieuren, die für den Photovoltaik-Dienstleister ENcome europaweit und mittlerweile sogar in Australien Solaranlagen im Wert von etwa 2,5 Milliarden Euro und Nennleistung 1,5 Gigawatt vor Ort warten und instandhalten sowie zentral überwachen. "KnowledgeCheckR kommt bei uns in vielen Bereichen zum Einsatz", berichtet Markus Dirnbacher, Managing Director UK bei ENcome, und betont - neben der dezentralen Schulung und Zertifizierung per App - den Aspekt der Arbeitgeberattraktivität: "Wir sind ein stark wachsendes Unternehmen. Ein Ausbildungs- und Entwicklungssystem hilft dabei, die besten Talente für uns zu sichern."


Artikel aus trend. PREMIUM vom 7. Dezember 2022

Start-up Waterdrop: Mit Tennisprofi Djokovic auf Erfolgskurs [PORTRÄT]

Das Wiener Start-up Waterdrop ist mit zuckerfreien Brausewürfeln …

Die Sieger im trend Start-up Ranking 2022: Planradar-Gründer Clemens Hammerl, Sander van de Rijdt, Domagoj Dolinsek, Ibrahim Imam, Constantin Köck (v. l.)
Österreichs beste Start-ups des Jahres 2022 [RANKING]

Das große trend-Ranking der innovativsten Gründer Österreichs des Jahres …

Speedinvest CEO Oliver Holle
Start-up Investor Speedinvest holt 500 Mio. € von Investoren

Der österreichische Start-up-Investor Speedinvest hat in einer neuen …

Start-up Investor und Business Angel Hansi Hansmann
"Das goldene Zeitalter der Start-ups beginnt erst" [INTERVIEW]

Der erfolgreiche Business Angel Hansi Hansmann im trend-Interview über …