Der letzte Klick: Online-Bestattungen von mymoria

Der letzte Klick: Online-Bestattungen von mymoria

mymoria-Gründer Peter Kautz und Björn Wolff (v.l.) wollen mit ihrem Start-up bei der Jenseits-Planung mithelfen.

Ein Start-up, das Begräbnisse online organisiert: Wie die deutsche mymoria die österreichische Bestatterbranche digitalisieren will.

Sie haben Fuhrparks inspiziert, Kühlvorrichtungen gecheckt und mit den Mitarbeitern gesprochen. Seit Mitte 2018 sind sie auf Österreich-Tour, die Vertriebsmitarbeiter von mymoria. Sie haben Bestatter besucht und einige davon bereits unter Vertrag genommen.

An die Öffentlichkeit wagen sich die Gründer aber erst dieser Tage, denn die Formalitäten in Wien haben etwas länger gedauert: „Darauf wollten wir natürlich warten,“ sagt mymoria-Mitgründer und Geschäftsführer Björn Wolff dem trend. Wo, wenn nicht in Wien, der Stadt der „scheenen Leich“ sollte ein digitaler Pompfüneberer sein Geschäft starten?

Gefunden hatten sich Wolff und Peter Kautz bereits 2015 in Berlin, mit dem Ziel, das Geschäft um die letzte Ehre in die Gegenwart zu holen – zu digitalisieren und transparenter zu machen – mit allen Dienstleistungen als One-Stop-Shop-Lösung auf einer Plattform.

mymoria ist aber nicht das Uber der Bestatter: „Unsere Arbeitsteilung ist 50:50,“ sagt Wolff. „Die Abholung und Überführung macht natürlich unser lokaler Partner vor Ort.“ Mit 15 österreichischen Bestattern (Wien, Innsbruck, Salzburg, Linz und Graz) hat das Start-up Verträge abgeschlossen. „Wir stellen den Partnern frei, ob sie im eigenen Namen oder unter unserer Marke arbeiten wollen. Weiter als 30 bis 40 Kilometer ist aber keiner entfernt.“ Über die mymoria-Website können nach Angabe der Adresse und einigen Parametern Angebote eingeholt werden, die von der Bestattungsart bis hin zum Blumenschmuck reichen. Zudem stehen telefonisch rund um Bestattungsfachkräfte zur Verfügung.

Und wer bekommt den Job, wenn mehrere Bestatter in Frage kommen? Müssen sich die Bestatter gegenseitig unterbieten? „Nein, das geht nicht nach Preis, sondern nach einer Vielzahl von Faktoren, die unser System miteinander kombiniert um für jeden Fall den besten Partner zu ermitteln. Die Entfernung zum Sterbeort spielt natürlich auch eine Rolle.“

Das Business wächst natürlich

Die Margen sind laut Wolff nicht so groß, das Geschäftsmodell aber vielversprechend und mit einer Reihe von Dienstleistungen immer weiter ausbaubar: „Heute planen gerade einmal zwei bis fünf Prozent eine Bestattung online. Da liegt riesiges Potenzial darin,“ sagt Wolff. Und ganz ohne pietätlos zu sein: Der Markt skaliert auf natürliche Weise. „Bis 2050 sind wir noch in den Jahrgängen der Babyboomer. Es gibt jedes Jahr mehr Sterbefälle.“

Verstärkt wird das Geschäft durch gesellschaftliche Entwicklungen wie die erhöhte Mobilität: Immer öfter sind Begräbnisse aus der Ferne zu organisieren, oder alternative Bestattungsarten wie Wasser- oder Baumbestattung gefragt. So sehen das offenbar auch die Investoren. In drei Runden wurde Kapital in siebenstelliger Höhe eingeworben und im März 2018 stieg die Dieter von Holtzbrinck Ventures mit einem Millionenbetrag ein. In Berlin arbeiten mittlerweile 40 fixe und freie Mitarbeiter für mymoria.

Mit Dumpingpreisen in den Markt zu gehen, ist laut Wolff aber nicht das Ziel: „Wir machen das Angebot übersichtlich und transparent. Ob es pompös oder günstig wird, entscheidet allein der Kunde.“ Über ein bisschen mehr Transparenz wird sich auch die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde freuen, die erst Allerheiligen 2018 wieder monierte, dass gerade einmal 3,5 Prozent der rund 500 heimischen Bestatter online überhaupt eine Preisliste anbietet.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 4/2019 vom 25. Jänner 2019 entnommen.

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