Wie Israel zu einer der größten Start-up-Nationen der Welt wurde

Wie Israel zu einer der größten Start-up-Nationen der Welt wurde

Tel Aviv: In der hedonistischen Metropole pulsiert der Unternehmergeist.

Israel hat etwa so viele Einwohner wie Österreich, gilt aber international als Brutplatz namhafter Start-ups. Warum das so ist, erklärt ein Experte während seines Besuchs in Wien: Innovation ist hier eine Frage des Überlebens - und des Fachwissens, das teils aus dem militärischen Umfeld stammt.

Im Mai 2016 verkündete Volkswagen, rund 300 Millionen Dollar in den israelischen Uber-Rivalen Gett zu investieren. Waze, ein israelisches Navigationssystem für Smartphones, wurde im Juni 2013 vom US-Konzern Google übernommen. Wix, ein Tool zum kinderleichten Erstellen von Websites, ist seit November 2013 an der US-Börse Nasdaq gelistet – und damit ist das Unternehmen nicht alleine: An der Technologiebörse in New York findet man mehr Unternehmen aus Israel als aus Indien, Japan und Korea zusammengerechnet. In dem Land mit seinen acht Millionen Einwohnern finden sich die weltweit zweitmeisten Start-ups – nach Silicon Valley -, im globalen Vergleich gibt es hier die höchsten F&E-Ausgaben pro Kopf und die meisten Risikokapital-Investitionen pro Einwohner.

„Israel ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch kleine Länder mit Silicon Valley mithalten können“, sagt Eugene Kandel. Er ist CEO der israelischen Organisation Start-up Nation Central, die es sich zum Ziel gesetzt hat, israelische Start-ups miteinander, mit Geldgebern und mit dem Rest der Welt zu vernetzen. Über 5000 Start-ups zählt er inzwischen im israelischen Ökosystem – und bietet auf der Website seiner Organisation eine Möglichkeit, die entsprechende Datenbank zu durchsuchen (Mehr unter diesem Link: http://finder.startupnationcentral.org/). Auf Einladung der israelischen Botschaft sprach er in Wien vor einem kleinen Kreis aus hiesigen Entscheidungsträgern.

Eine Frage des Überlebens

Den Grund für Israels Erfolg nennt Kandel unverblümt: „Wir hätten in dieser Form nicht überlebt, wenn wir nicht diesen Weg eingeschlagen hätten“, sagt er: „Unsere Innovationskultur beruht darauf, dass wir uns seit über 2000 Jahren an stetig wandelnde Rahmenbedingungen anpassen müssen.“ Erwähnenswert wären etwa die beiden in den 1920er Jahren gegründeten Universitäten, die heute zu den besten der Welt zählen. Oder die Tatsache, dass die Metropole Tel Aviv in nur wenigen Jahrzehnten aus dem Boden gestampft wurde.

Auffallend ist in diesem Kontext auch, dass israelische Start-ups besonders stark im Bereich der IT-Sicherheit sind: 20 Prozent der weltweiten Wagniskapital-Investments in Cybersecurity fließen nach Israel. „Wir sind besonders stark in Bereichen, in denen wir selbst Bedarf haben“, sagt Kandel: „Immerhin sind wir eines der am meisten attackierten Länder der Welt.“

Kein Zufall ist es daher auch, dass der Ursprung von Israels heutigem Start-up-Ökosystem in den späten 1980er-Jahren liegt: Damals wurde die Entwicklung des israelischen Kampfflugzeugs I.A.I. Lavi mangels Finanzierbarkeit und aufgrund einer möglichen Export-Konkurrenz zu US-amerikanischen Produkten eingestellt – und mit dieser politischen Entscheidung strömten Arbeitskräfte auf den Markt, die über ein entsprechendes militärisches Background-Wissen verfügten. Ein weiterer Schub für die Szene kam mit dem Verfall der UdSSR: Auch dadurch flossen Wissen und Geld in das Land im Nahen Osten.

Heute, so Kandel, ist die Branche noch immer stark mit dem israelischen Militär verknüpft: Viele Ideen, die später kommerziell verwertet werden, haben ihren Ursprung in der Armee. „Die Gründer werden aber nicht zusätzlich mit Lizenzabgaben oder ähnlichen Zahlungen an das Militär belastet“, sagt Kandel: „Wenn wir das machen würden, dann würden sie schlichtweg in einem anderen Land gründen.“

"Österreichs Start-ups in Israel: Florierender bilateraler Handel". Klicken Sie auf das Bild, um weiter zu lesen.

Top Start-up-Unternehmer 2017: Travis Pittman (TourRadar), Reinhard Nowak (Linemetrics), Andreas Kern (Wikifolio) und Petra Dobrocka (Byrd).

Start-ups

Österreichs beste Start-ups: Das trend-Ranking

Das USound Managment Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi-Clerici und Ferrucio Bottoni (v.l.)

Innovationen aus der Steiermark

Klingt gut: USound - Mikrolautsprecher ganz groß

Das StoreMe-Gründungstrio: Johannes Braith, Ferdinand Dietrich und Christoph Sandraschitz (v.l.)

Start-ups

René Benko steigt bei Start-up StoreMe ein