Hermann Hauser: "Ohne Leidenschaft geht es nicht"

Hermann Hauser, IT-Pionier und Investor

Hermann Hauser, IT-Pionier und Investor

Der in Wien geborene Unternehmer Hermann Hauser gehört als Gründer des Computerherstellers Acron und des Mikroprozessor-Herstellers ARM zu den Pionieren der IT-Branche. Schon seit den frühen 1990er Jahren ist er als Business Angel und Venture-Capitalist aktiv, seit 2015 auch in Österreich. Die Beteiligung an „kompany“ ist bereits Hausers 14. Start-Up-Investment in Österreich. trend.at sprach mit Hauser über die Hintergründe seiner Beteiligungen.

Herr Hauser, Sie sind seit vielen Jahren als Business Angel und Venture Capitalist aktiv. In Österreich aber erst seit knapp zwei Jahren. Gibt es dafür einen Grund?
Hermann Hauser: In Österreich mussten erst eine Start-up Kultur und ein entsprechendes Ökosystem entwickelt werden. Österreich war beim Risikokapital lange das Schlusslicht in Europa. Es dauert Jahre, um ein Ökosystem aufzubauen, das Start-ups unterstützt. Da gehören Unternehmen, Geldgeber, Anwälte, Steuerberater und mehr dazu. Jetzt gibt es dieses Umfeld, und daher sind wir auch mit dem I.E.C.T., dem Institute für Entrepreneurship Cambridge – Tirol aktiv geworden. Es ist unser Ziel damit, Unternehmer und Start-ups zu nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg zu führen.

Sie haben bislang unter anderem in die Start-ups Zoomsquare, Bikemap und Anyline investiert und nun auch an Kompany. Was muss ein Unternehmen bieten, damit Sie sich dafür interessieren investieren?
Hauser: Wir haben hier bisher in 14 Unternehmen investiert und wir suchen weitere Unternehmen, an denen wir uns beteiligen können. Für mich gibt es dabei drei Hauptkriterien. Da wäre zunächst sie Größe und die Wachstumsstärke des Marktes. Als zweites die Qualität des Teams: Es muss einen Star geben, eine außergewöhnliche Person, die weitere herausragende Mitarbeiter anzieht und an das Unternehmen bindet. Der dritte Faktor ist die Technologie: Sie muss einen relevanten USP haben. Wir sehen uns auch als Technologie-Investor. Besonders interessant finde ich Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Wenn Sie von der Größe des Marktes sprechen: Viele Start-Ups träumen von einem exponentiellen Wachstum, dem berühmten Hockey-Stick.
Hauser: Das ist der Idealfall. Dahinter müssen eine Idee und ein Businessmodell stehen, die diesen Hockey-Stick ermöglicht. Bei ARM hatten wir das mit unserem Lizenzmodell gefunden. Das war unser großer Vorteil. Damit konnten wir zum Milliarden-Unternehmen werden.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie sich an einem Start-up beteiligen?
Hauser: Leider gibt es da keinen Prozess, der sich methodisch in Algorithmen fassen ließe. Es wäre gut, wenn das so wäre. Letztlich richtet sich aber vieles nach dem Bauchgefühl. Man kann nur hoffen, dass man die richtigen Entscheidungen trifft. Und es gehört auch eine ordentliche Portion Glück dazu. Die Grundlehre eines Venture-Kapitalgebers ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung: Es gibt immer die Möglichkeit, dass ein Fall eintritt oder nicht. Ich habe in meinem Leben schon in über hundert Unternehmen investiert. Viele sind danebengegangen, aber fünf wurden zu Milliarden-Unternehmen.


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Hermann Hauser und seine Beteiligungen bei österreichischen Start-ups

Und sind Sie mit der Entwicklung der österreichischen Unternehmen, in die Sie bisher investiert haben zufrieden?
Hauser: Es gibt einige Ups und Downs. Einige laufen ganz gut, andere haben auch Schwierigkeiten. Aber bislang sind noch alle am Leben.

Wie messen und kontrollieren Sie den Erfolg?
Hauser: Meine Cousins Johannes und Josef Hauser sind Geschäftsführer im I.E.C.T. und Johannes geht immer in den Vorstand der Unternehmen, damit wir wissen, wie es den Firmen geht. Wir investieren außerdem auch nie alleine in Firmen, sondern immer gemeinsam mit weiteren Co-Investoren. Die müssen dann auch so wie wir bereit, den Unternehmen zur Seite zu stehen, wenn es einmal nicht so gut läuft. Deshalb ist für uns auch das Ökosystem so wichtig.

Wie lange prüfen, beziehungsweise überlegen Sie, ehe Sie eine Entscheidung treffen?
Hauser: Der gesamte Prozess dauert sicher vier Wochen, und dann vergeht in etwa noch einmal so viel Zeit bis zum Abschluss, in Summe also ungefähr acht Wochen.

Es gibt TV-Shows, in denen sich Investoren schon nach nur zwei, drei Minuten langen Pitches an Start-ups beteiligen.

Hauser: Ja, das stimmt. In der Wirklichkeit passiert das aber nicht so. Bei den TV-Shows sind eben die Einschaltquoten am wichtigsten. Da geht es darum, dass möglichst spektakuläre Dinge passieren. Ich bin aber trotzdem ein Freund dieser Sendungen, „Dragon’s Den“ oder „2 Minuten, 2 Millionen“. Auch wenn die Shows nicht wirklich viel mit der Realität zu tun haben sind sie wichtig für die Erziehung der Gesellschaft. Sie bringen die Leute dazu, sich mit Start-ups, dem Investieren und auch mit dem Thema Crowdinvesting zu beschäftigen.

Sie haben erwähnt, dass ein Unternehmen, in das Sie investieren immer einen Star haben muss. Was macht denn so einen Star aus?
Hauser: Ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass ich die 5-Star-Wizards von denen unterscheiden kann, die glauben, sie seien 5-Star-Wizards. Sie haben einen überdurchschnittlichen Intellekt und die Energie, aus ihren Ideen auch etwas zu machen. Und Leidenschaft. Die braucht man, denn bei einem Projekt geht immer wieder etwas schief. Man braucht als Unternehmer, und besonders als Start-up-Unternehmer viel Leidenschaft, um auch die Durststrecken zu überstehen. Um es auch zu schaffen, wenn man leidet.

 v.l.n.r.: Philipp Braunsberger (CFO Eversports), Emanuel Steininger (VP of Engineering Eversports), Vincent van den Tol (CPO Fitmanager), Maarten Borgers (CEO Fitmanager), Hanno Lippitsch (CEO Eversports), Stefan Feirer (CPO), Thomas Fritz (CTO)

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