"Wir haben nicht genug hochqualifizierte Start-ups"

Business Angel Hansi Hansmann

Business Angel Hansi Hansmann

Business Angel Hansi Hansmann ist in dutzenden Start-ups investiert und hat mehrere große Exits erzielt. Dennoch hält er die österreichische Start-up-Szene für unterentwickelt - mangels politischen Willens.

trend: Zeigen die millionenschweren Verkäufe von Runtastic an Adidas und zuletzt MySugr an Roche, dass die österreichische Start-up-Szene erwachsen geworden ist?
Hansmann: Es zeigt zumindest, dass die Investments, die vor sieben, acht Jahren getätigt wurden, nun erste Früchte hervorbringen. Der große Schub an Finanzierungen begann ja erst 2012 und 2013. Und da ein Startup einige Zeit braucht, um sich zu entwickeln, werden wir erst in den Jahren 2020 und 2021 - hoffentlich - eine größere Anzahl von Exits erleben.

trend: Warum hinkt Österreich anderen Ländern hinterher?
Hansmann: Weil wir in Österreich bei allem spät dran sind. Wir schauen erst mal, wo die anderen gut sind, und schaffen dann erst langsam die politischen Voraussetzungen. Und in der Zwischenzeit versuchen private Initiativen, den Markt ohne großartige Unterstützung von oben mühsam aufzubereiten.

trend: Auch eine Mentalitätssache?
Hansmann: Ganz sicher. Wir in Europa - und noch mehr in Österreich - überlegen hundertmal, ob wir irgendwo ein Geld investieren, und meiden das Risiko, wo es geht. Deswegen wird sich Österreich auch besonders schwer tun, je ein Unicorn hervorzubringen, also ein Start-up mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar.

trend: Ist die Qualität unserer jungen Start-ups auf internationalem Niveau?
Hansmann: Die durchschnittliche Qualität ja, aber es hat auch mit der Quantität zu tun. Wir haben in Österreich vielleicht 1.000 Start-ups und freuen uns über die große Zahl. Aber nur im Londoner Stadtteil Shoreditch gibt es 25.000 Start-ups und über 100.000 Co-Working- Plätze. Alleine aufgrund der schieren Menge ist die Chance viel größer, dass daraus mehr erfolgreiche Unternehmen hervorgehen als in Österreich.


Es hat nur ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung das Zeug dazu, zu guten Gründern zu werden.

trend: Welche Rahmenbedingungen müssen sich dazu ändern?
Hansmann: Zunächst einmal jene der Bildung. Kinder sollten sich schon früh und spielerisch mit dem Coden, also der Programmierung von Software, auseinandersetzen, den richtigen Umgang mit digitalen Medien lernen und die Chance bekommen, zu einer Unternehmerpersönlichkeit heranzureifen. Nur so werden wir mittelfristig genügend Personal haben, um mit der alles erfassenden Digitalisierung umgehen zu können. Englisch als "zweite Muttersprache" wäre auch hilfreich.

trend: Bis da erste Ergebnisse zu spüren wären, dauert es. Was können wir jetzt ändern?
Hansmann: Wir sollten in großer Anzahl Entwickler und Programmierer aus dem Nicht-EU-Raum holen und ihnen hier den roten Teppich ausrollen. Das gilt genauso für die Start-up-Szene: Es geht immer nur um österreichische Gründer. Doch es hat nun einmal nur ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung das Zeug dazu, zu guten Gründern zu werden. Daher haben wir nicht genügend hochqualitative Start-ups. Umso dringender sollte die Politik Geld in die Hand nehmen und ausländische Innovatoren mit offenen Armen empfangen. Das kann für eine Volkswirtschaft zur Überlebensfrage werden.

trend: Dazu gibt es ja mit der Rot-Weiß-Rot-Karte erste Ansätze...
Hansmann: Alle Versuche in die Richtung - wie etwa auch das sogenannte Start-up-Paket der letzten Bundesregierung - sind gerade mal halbherzig umgesetzte Minimal-Lösungen. Es fehlt der eindeutige politische Wille. Ich wünsche mir sicher keinen Staatssekretär für digitale Angelegenheiten. Digitalisierung, Innovation und auch das Start-up-Thema müssen eine ganz wesentliche Rolle in den Köpfen von Kanzler, Vizekanzler und der gesamten Regierung einnehmen - denn das sind die wesentlichen Themen der nächsten fünf Jahre.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 47/2017 entnommen.

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