Land der Gründer? Licht und Schatten in Jahresbilanz 2015

Land der Gründer? Licht und Schatten in Jahresbilanz 2015

Die Neugründungen haben hierzulande um 4,8 Prozent auf 29.561 zugelegt. Trotzdem liegt Österreich europaweit auf dem vorletzten Platz. trend.at hat die Gründungszahlen 2015 im Detail.

Christoph Leitl hat Grund zur Freude: „Angesichts der anhaltenden Bedrohungsszenarien und den wirtschaftlichen Unsicherheiten hätte es keinen verwundert, wenn es im vergangenen Jahr einen Rückgang an Gründungen gegeben hätte", sagt der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): "Doch das Gegenteil ist der Fall - die Gründungs-Performance ist so gut wie seit fünf Jahren nicht.“ Laut aktueller Gründerstatistik 2015 wagten 2015 29.561 Neugründer den Sprung in die Selbständigkeit - um 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Nicht mitgerechnet sind dabei selbständige Personenbetreuer - also Pfleger, die ihre Arbeit als Selbständige ausüben -, sowie die sogenannten "Neuen Selbständigen", die als Ein-Personen-Unternehmen ohne Kammermitgliedschaft arbeiten.

Auch die Scheiterquote ist laut Leitl derzeit gering: „Auf einen Sterbefall kommen fast 6 Gründungen,“ sagt er. Das Verhältnis der Unternehmensgründungen zu Insolvenzen hat sich von 4,5 im Jahr 2014 auf 5,7 im Jahr 2015 verbessert. Laut Leitl bestehen drei Jahre nach der Unternehmensgründung noch acht von zehn Betrieben, fünf Jahre nach der Gründung sind es noch immer 68 Prozent.

Europaweit auf dem vorletzten Platz

Durchschnittlich schafft ein neu gegründetes Unternehmen in Österreich 2,4 Arbeitsplätze. Diese Zahl könnte deutlich höher sein, zumal rund 60 Prozent der Kammer-Mitglieder Ein-Personen-Unternehmen sind - also Einzelkämpfer, die keine Mitarbeiter beschäftigen. Laut Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft (JW), ist hier noch Potenzial vorhanden - man müsse dafür das Konzept der Lohnnebenkosten überdenken: "Wenn nur jedes 3. Unternehmen sich durch den Anreiz der Lohnnebenkostenbefreiung entschließt, einen Mitarbeiter einzustellen, sprechen wir hier von einem Potential von rund 100.000 Jobs,“ sagt er.

Kritik an der Zahl der Gründungen kommt von der Agenda Austria: Denn zwar ist die Zahl der Gründungen gestiegen - europaweit belegt Österreich aber den vorletzten Platz, lediglich in Polen werden laut Daten der World Bank noch weniger Unternehmen gegründet. Gründe dafür gibt es laut Agenda Austria viele: "Ein großes Hindernis auf dem Weg zum eigenen Unternehmen bleibt die Gewerbeordnung", heißt es: "Österreichs Bevölkerung wäre auch bei deutlich weniger als den über 80 geschützten Gewerben nicht an Leib und Leben gefährdet."

Außerdem sind laut Agenda Austria für GmbH die Notariats- und Anwaltskosten nach wie vor sehr hoch; der Think Tank schlägt die Einführung von Mini-GmbH nach deutschem Vorbild vor: Für diese ist lediglich ein Kapital von einem Euro nötig. "Denn das in Österreich vorgeschriebene Mindestkapital von 10.000 Euro zieht in der Praxis auch keinen besseren Gläubigerschutz nach sich", heißt es in einer Presseaussendung der Agenda Austria: "Mit den aktuellen Regeln ist Österreich ein schlechter Standort. Schließlich kann eine etwa in Großbritannien viel einfacher gegründete GmbH auch hierzulande operieren."

Die aktuellen Gründungszahlen liegen trend.at im Detail vor. Die Entwicklung nach Branchen, Rechtsformen, Alter und Geschlecht zeigt die folgende interaktive Grafik.

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