Fitapp: Diese Grazer wollen Runtastic den Rang ablaufen

Fitapp: Diese Grazer wollen Runtastic den Rang ablaufen

Zwei Steirer wollen mit ihrer "Fitapp" am Markt der Fitness-Apps mitmischen. Doch was tut man, wenn Nike, Runtastic, Endomondo und Runkeeper sich den Markt bereits aufgeteilt haben? Die Antwort: Man setzt auf Brasilien.

Fragt man in Österreich nach dem erfolgreichsten Start-up der vergangenen Jahre, dann fällt stets der gleiche Name: Runtastic aus Oberösterreich. Im vergangenen Jahr war die Entwicklerfirma der gleichnamigen Sport-App für 220 Millionen Euro vom börsennotierten deutschen Adidas-Konzern gekauft worden, was in der Branche als Vorzeige-Exit gilt – kein Wunder also, dass die Idee Nachahmer findet.

Fitapp“ heißt das Grazer Start-up, dessen gleichnamiges Fitness-Programm seit Herbst 2014 online ist und inzwischen über eine Million Downloads generieren konnte. Gründer Daniel Wohlmuth hatte zuvor als Software-Entwickler bei Up to Eleven gearbeitet, welches von Martin und Jürgen Pansy (bekannt durch ihre in den 1990ern erfolgreichen Website sms.at) geführt wird.

Seit einem halben Jahr widmet sich Wohlmuth nun Fulltime der Fitness-App. Als Einzelunternehmer macht er damit zuletzt einen Umsatz, der „mit einem guten Software-Entwickler-Gehalt vergleichbar ist“. Will heißen: Ein mittlerer vierstelliger Betrag pro Monat. Das Geld wird mit Werbung und einer werbefreien Premium-Version der App eingenommen, welche einmalig fünf Euro kostet.

Steirische Synergien

Im nächsten Schritt hat Wohlmuth nun gemeinsam mit Thomas Mühlbacher, dem Anzeigen- und Internetleiter der Landwirt Agrarmedien GmbH, eine GmbH gegründet. Die Stammeinlagen von 35.000 Euro wurden für die GmbH eingezahlt, Wohlmuth hält eine Mehrheit von zwei Drittel am neuen Unternehmen.

Zwar handelt es sich bei der Beteiligung um Thomas Mühlbachers privates Investment. Trotzdem geht er davon aus, dass Synergien genutzt werden – etwa bei der Entwicklung der Apps. Zu den Landwirt Agrarmedien gehören die Website landwirt.com und eine gleichnamige App. Eine inhaltliche Integration von Fitapp in landwirt.com ist laut Wohlmuth nicht vorgesehen.

Fitness macht blau

Installiert man Fitapp, so fällt die starke Ähnlichkeit mit anderen Apps auf: Auch hier blinkt ein GPS-Punkt auf einer Landkarte, ein Zähler zeigt Laufzeit und gelaufene Meter an – und die dominierende Farbe ist blau, genauso wie bei der Vorbild-App Runtastic. Hätte man hier nicht etwas kreativer sein können? Laut Wohlmuth gab es wenig Auswahl: Hätte er sich für Grün statt Blau entschieden, dann wäre ihm Ähnlichkeit mit Endomondo, einer anderen Fitness-App, vorgeworfen worden. „Alle Fitness-Apps sehen sich ähnlich“, sagt er: „Man kann das Rad nicht neu erfinden“.

Außerdem sei sein Blau etwas heller als jenes von Runtastic – womit „die Schlankheit der App betont werden soll“. Tatsächlich gibt es in Fitapp derzeit deutlich weniger Funktionen als bei der Konkurrenz: Sportarten wie „Wandern“ können zum Beispiel nicht ausgewählt werden. Im Gegenzug, so Wohlmuth, sammelt Fitapp aber auch sehr wenig Daten vom Nutzer: Lediglich GPS, die Internetverbindung und bei Bedarf das Facebook-Konto werden angezapft.

Vamos a la Fitness

Wohlmuth will das Produkt nicht als Lauf-, sondern als Fitness-App positionieren, die durch ein digitales Protokoll beim Abnehmen und Fitwerden helfen soll. Auch spielerische Elemente wie Bestenlisten soll es geben. Damit stehen die Grazer allerdings in Konkurrenz zu den ganz Großen: Die Apple Watch und Googles App Google Fit zählen die Schritte ihrer Nutzer und vermitteln ihm so einen Überblick über seine Alltags-Fitness. Die Fitnessbänder von Jawbone interagieren mit einer App, die neben Sport und gegangenen Schritten auch Gewicht und Essgewohnheiten analysiert; Konkurrent Fitbit vernetzt sich gleich mit dutzenden Apps, die Funktionen dieser Art bieten.

Als geographische Märkte hat Wohlmuth sich Spanien, Portugal und Lateinamerika ausgesucht – dafür hat er die App auf Spanisch und Portugiesisch übersetzen lassen. „Die meisten Downloads kommen derzeit aus Brasilien“ sagt der Grazer. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass der mitteleuropäische Markt schon von Runtastic und Endomondo bedient wird, während US-Sportler beim Fitnesstraining auf Nike+ und Runkeeper setzen – letztgenannter hat 45 Millionen Nutzer und wurde diese Woche vom Sportartikelhersteller Asics gekauft. Runtastic ist wie eingangs erwähnt inzwischen Teil des Adidas-Konzerns, und Endomondo wurde im Februar 2015 vom Sportartikelhersteller Under Armout übernommen.

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