EY-Studie: Studie: Österreichische Start-up-Szene stagniert

EY-Studie: Studie: Österreichische Start-up-Szene stagniert

Nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens EY hat Paris die Start-up-Hochburg Berlin überholt. London bleibt unangefochten Nr. 1. Europäische Start-up-Finanzierungen stiegen im ersten Halbjahr um 62 Prozent. In Österreich fehlen die Ideen für große Finanzierungen.

Frankfurt/Wien. Europäische Jungunternehmen haben sich im ersten Halbjahr 16,9 Mrd. Euro von Investoren geholt, um 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Diesem Trend folgt die österreichische Start-up-Szene nur halbherzig: Während die Anzahl der Finanzierungsrunden von 25 auf 36 gestiegen ist, ging das Volumen gleichzeitig von 103 Mio. Euro auf rund 90 Mio. Euro zurück, zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY.

Unangefochtene Nr. 1 in Europa bleibt London mit 5,7 Mrd. Euro - trotz der Unsicherheiten um den Brexit. Auch bei der Zahl der Deals lag die britische Hauptstadt mit 323 klar vorne.

Paris hat laut der am Montag veröffentlichten Studie die Gründer-Metropole Berlin abgehängt. Im ersten Halbjahr 2019 warben Start-ups aus der französischen Hauptstadt 2,2 Mrd. Euro von Investoren ein. Damit zogen sie an Wachstumsfirmen aus Berlin vorbei, die 2,0 Mrd. Euro einsammelten. Bei der Zahl der Finanzierungsrunden hatte Paris mit 230 die Nase noch deutlicher vor Berlin (129). Im Gesamtjahr 2018 hatte sich Berlin noch knapp vor Paris behauptet.

Die Chefsache des Präsidenten

Die starke Unterstützung für Start-ups in Frankreich zeige Wirkung, sagte EY-Partner Peter Lennartz am Montag. "Die französische Politik hat den Start-up-Sektor zur Chefsache erklärt". Präsident Emmanuel Macron verfolge das Ziel, Frankreich zum führenden Start-up-Standort Europas zu machen, indem bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut würden und der Staat Investoren und Gründer zusammenbringe.

"Jeder dritte Euro an Risikokapital, der im ersten Halbjahr in Europa investiert wurde, floss an ein Londoner Start-up", sagt Thomas Gabriel, Partner und Leiter der Start-up-Initiative bei EY Österreich. "Das Brexit-Chaos scheint der starken Entwicklung der Londoner Start-up-Szene kaum etwas anhaben zu können. Insgesamt 16 Finanzierungsrunden oberhalb der 50-Millionen-Euro-Marke wurden in der britischen Hauptstadt allein im ersten Halbjahr gezählt - Berlin und Paris kommen jeweils auf neun Transaktionen in dieser Größenordnung."

Die beiden größten Finanzierungen im bisherigen Jahresverlauf ging somit auch in Großbritannien über die Bühne: Das Internet-Satelliten-Start-Up-Unternehmen OneWeb erhielt 1,1 Milliarden Euro. Das Finanzdienstleistungsunternehmen Greensill Capital UK Ltd kommt mit einer Finanzierung von über 700 Millionen Euro auf Rang drei. Die zweitgrößte Transaktion war die 885-Millionen-Euro Finanzierung für den schwedische Batteriehersteller Northvolt, an der sich unter anderen Volkswagen und BMW beteiligten.

Das zweischneidige Schwert in Österreich

Die österreichische Start-up-Szene habe im europäischen Vergleich immer noch Aufholbedarf, meint Gabriel. "Die Entwicklung der österreichischen Start-up-Szene in den letzten Jahren ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sehen wir eine steigende Anzahl an Finanzierungsrunden, immer mehr heimische Jungunternehmen erhalten frisches Kapital. Auf der anderen Seite sehen wir aber einen klaren Trend zu immer kleinteiligeren Finanzierungen. Es fehlen hierzulande nach wie vor die ganz großen Ideen für die ganz großen Finanzierungsrunden."

Das zeige auch der europaweite Vergleich: Beim Finanzierungsvolumen liegt Österreich nur auf Rang 17. Die Top-10-Deals in Österreich hatten im ersten Halbjahr ein Durchschnittsvolumen von rund acht Millionen Euro - die Schweiz liegt bei 41 Millionen Euro, Deutschland bei 151 Millionen Euro.

Am meisten Geld sammelte in Österreich im ersten Halbjahr Hookipa Biotech mit 33 Mio. Euro ein, gefolgt vom Marketingdaten-Start-up Adverity mit 11 Mio. Euro. Der Mikrolautsprecher-Hersteller Usound holte sich 9 Mio. Euro von Investoren, das MedTech-Startup SteadySense rund 6 Mio. Euro und das Fintech Bsurance rund 4 Mio. Euro.

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