Erste Bank Österreich-Chef Uher: Start-ups in Österreich halten

Erste Bank Österreich-Chef Uher: Start-ups in Österreich halten

Viele Start-ups werden im Rahmen eines "Exit" an große Konzerne verkauft. Das ist schlecht, weil dadurch Wertschöpfung und Arbeitsplätze verloren gehen, sagt Erste Bank Österreich-Chef Thomas Uher: Er will die Start-ups in Österreich halten.

Viele Start-ups werden an große internationale Konzerne verkauft. Das sei schlecht, denn dadurch gehen auch Arbeitsplätze und Wertschöpfung verloren. Umso wichtiger wäre es, dass diese Firmen in Österreich bleiben und die Entscheidungen auch in Österreich getroffen werden, sagte Erste Bank Österreich-Chef Thomas Uher am Rande des Forum Alpbach.

Viele erfolgreiche Unternehmer würden gerade dann, "wenn es richtig spannend wird", ihre Unternehmen an große internationale Konzerne ins Ausland verkaufen, bedauert Uher: "Da fehlen uns noch die Instrumente wie Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften oder Mittelphasen-Private-Equity." Ein Beispiel sei Runtastic: "Wenn wir diese halten wollen, brauchen wir einen stärker ausgeprägten Kapitalmarkt und weitere Instrumente." Daran werde auch schon intensiv gearbeitet. "Ich hoffe, dass im Herbst beim Reformpaket nochmals ein Durchbruch erzielt wird", so Uher. Dabei gehe es etwa um Steuerfreibeträge.

Gründerzentren: Ein Gründer pro Tag

Die Erste Bank betreibt laut Uher seit über 15 Jahren Gründerzentren in allen Landeshauptstädten. Den Gründern gehe es nicht primär um die Finanzierung, sondern um Beratung, um sich im Förderdschungel zurechtzufinden. "Da sind wir an sich nicht schlecht unterwegs", sagte Uher: "Wir beraten und finanzieren in der Woche fünf Gründer, also einen pro Tag."

Dazu kämen jetzt die Start-ups, die zwar auch Gründer seien, aber aufgrund ihres Innovationscharakters und der Nähe zu Digitalem einen noch höheren Beratungsbedarf hätten. Oft seien es gänzlich neue Geschäftsmodelle. Dazu sei jetzt auch das Start-up-Paket der Bundesregierung gekommen, das ein guter Schritt in die richtige Richtung sei. Nun gebe es noch mehr Förderungen und zusätzlich einen Anreiz für Privatinvestoren, "was uns ja in vielen Bereichen fehlt".

Bankenfinanzieruzng statt Exit?

Die Finanzierung eines Start-ups setze sich aus Förderungen, privaten Beteiligungen und Bankenfinanzierungen zusammen. "In dieser ersten und zweiten Gründungsphase wird uns viel gelingen", sagt Uher.

Für die Bankenfinanzierung selbst brauche es keinen Exit: "Eine Finanzierung wird abgezahlt und die nächste wird gemacht." Wo es um Betriebsmittelfinanzierungen gehe, werde dauerhaft finanziert. "Umso wichtiger ist es uns, dass diese Firmen in Österreich bleiben. Wir wollen dauerhaft Geschäftspartner bleiben."

"Die EZB verbreitet Angst"

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei falsch und bringe gar nichts, meint Uher. Die damit verbundenen Hoffnungen seien auch großteils nicht eingetreten. Die Leute geben weder mehr Geld aus, noch werde mehr investiert. "Die EZB verbreitet damit Angst und Krisenstimmung und wundert sich dann, dass die Unternehmen keinen Optimismus haben," so Uher. Auch die Staaten würden die Chance, das Geld, das sie sich ersparen, in Strukturreformen zu stecken, nicht nutzen. Nur das Ziel, den Euro niedrig zu halten, sei teilweise erreicht worden.

Das größte Problem mit den Niedrigzinsen hätten die Kunden, weil sich sparen nicht mehr rechne, das Vermögen werde durch die Inflation aufgezehrt. Deshalb müsse man die Kunden jetzt auch in risikoreichere Anlageformen führen, wie Wertpapierfonds und Immobilien. Diese Instrumente müssten allen zur Verfügung gestellt werden, nicht nur den Reichen. "Jeder muss die Möglichkeit haben, sein Geld nicht zu verlieren", so Uher.

Gleichzeitig müsse das Kreditvolumen viel mehr gesteigert werden, um den Nettozinsertrag als Bank halten zu können. Das sei bisher ganz gut gelungen. Beim Personal habe man zwar einen leichten Rückgang, aber nicht dramatisch. "Wenn sie mehr Kunden haben je Mitarbeiter, ist das auch eine Rationalisierung."

Sehr viel werde in neue und große Filialen investiert und die Öffnungszeiten verlängert. "In Quadratmetern und offenen Stunden ist das Angebot jetzt größer als vor fünf Jahren", so Uher. Einige Filialen werden aber auch zugesperrt.

"George" - das digitale Aushängeschild der Erste Group

Sehr viel werde auch in die digitale Welt investiert, etwa in "George", die Online-Banking-App der Erste Bank. "Unsere IT-Investitionen haben sich in den vergangenen vier Jahren vervierfacht", so Uher. Die Hälfte davon sei aber in regulatorische Themen geflossen. Beim Ausbau der digitalen Strategie werde nie ein Ende erreicht werden, weil die Entwicklungen weiter gingen. Man habe permanent Veränderungen. "George" sei besser als alles, was die anderen Anbieter haben, es sei extrem kombinierend. Dahinter stehe eine eigene Mannschaft. Alle zwei Wochen gebe es neue Releases.

Zum Thema FinTechs meinte Uher, diese werden versuchen, das Bankengeschäft zu filetieren und sich auf einzelne Bereiche zu setzen. "Wir glauben, dass wir die Innovation selber vorantreiben, und wenn wir innovativ sind, wir unsere Position halten und verteidigen können". Für die FinTechs müssten aber auch die gleichen Regeln gelten.

Es gebe viele disruptive Technologien. Die große Herausforderung sei, die eigenen Lösungen genau so gut zu machen, wie die der FinTechs. "Gleichzeitig müssen wir den Kunden sagen, du hast das hohe Vertrauen einer großen Bank". Viele Menschen würden lieber ein Konto bei einer Filiale haben, damit sie - wenn was passiert - nicht in einer Hotline landen.

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