Clubhouse Audio: "Etwas geschaffen, das es noch nicht gab"

Der Hype um die Smartphone-App Clubhouse zieht immer weitere Kreise. Was Joko Winterscheidt und Wirecard mit der Audioplattform zu tun haben, wie der Promifaktor zieht und auch ungebetene Gäste die Party crashen.

Die Social Audio Plattform Clubhouse - das nächste "Big Thing" für Smartphones.

Die Social Audio Plattform Clubhouse - das nächste "Big Thing" für Smartphones.

Clubhouse - die App

Clubhouse ist eine Social Audio Plattform, mit deren Hilfe sich Benutzer in geschlossenen Räumen miteinander unterhalten können. Die App ist bisher nur für iOS in einer Testphase und auf Einladung verfügbar: joinclubhouse.com

Clubhouse Voice wurde 2020 von Paul Davison (Ex-Pinterest) und Seth Rohan (Ex-Google) gegründet. Im Frühjahr stieg direkt der bekannte VC Andreessen Horowitz mit zwölf Millionen Dollar ein, und damit Andrew Chen, der schon Uber auf Wachstum trimmte. Im Sommer 2020 kam mit Kortschak Investments ein weiterer US-VC dazu. Ende Dezember 2020 hatte die Plattform 600.000 Nutzer Taxiert wird die App mittlerweile auf 100 Millionen Euro.

Begonnen hat der Hype in der D-A-CH-Region in der Digitalszene: Als Joko Winterscheidt auf Clubhouse ein Format startete, wurde die App über diese Szene hinaus bekannter, erreicht derzeit immer mehr den Mainstream. Im Jänner (19.1.2021) war Clubhouse in Deutschland die App mit den meisten Downloads an einem Tag.


„Die Clubhouse-Leute wundern sich wahrscheinlich gerade selbst“

Elias Vides, Moonbase

Elias Vides, Moonbase

Der Tiroler Social-Media-Experte Elias Vides über Clubhouse, die App der Stunde.

trend: Live-Radio, das nicht jeder hören kann: Ist das die Essenz von Clubhouse?
Elias Vides: Ja, das ist ein guter Vergleich. Der Unterschied zum Radio ist in erster Linie die Moderation. Räume können zwar auch moderiert werden, jedoch ist die eigentliche Diskussion weniger vorbereitet und eher spontan. Vor allem, wenn Teilnehmer oder eben bekannte Personen in den Raum „reindroppen“. Dadurch nimmt Clubhouse den Schleier weg von vorbereiteten Statements. Es ermöglicht also viel mehr Behind-the-scenes-Einblicke und ist viel authentischer, und wirkt damit auch ehrlicher. Die Sprecher haben nicht die Möglichkeit sich vorzubereiten. Denn auch aus dem Publikum können Fragen auftauchen. Somit sind kontroverse Diskussionen möglich, die es so eigentlich noch nie auf sozialen Netzwerken gab.

Künstliche Verknappung als Vermarktungsprinzip und viel Zeit im Lockdown pushen das Ganze. Die Einladungen werden zu begehrten digitalen Trophäen.
Der Lockdown hat den Machern sicher in die Karten gespielt, weil die First-Mover-Community es gewohnt war, sich auf Messen oder Events auszutauschen. In den letzten Tagen konnte es schon einmal passieren, dass plötzlich über 5000 Personen in einem Raum waren. Erst waren es wenige, jedoch wurde die App innerhalb weniger Tage so gehypt, dass sehr zügig unzählige Entscheider auf der Plattform unterwegs sind. Vor allem die Qualität der Follower ist gigantisch. Du sprichst zwar nicht zu hunderttausenden Menschen wie man das von anderen Social-Media-Plattformen kennt, aber teilweise zu den 500 Topentscheidern aus Österreich und Deutschland, auf die es ankommt. Mit ein bisschen Glück ist im nächsten Raum Florian Gschwandtner oder zum Beispiel Philipp Westermeyer (Anm. bekannter Podcaster, OMR.com) dein Gast.

Trauen Sie sich eine Prognose abzugeben, wo Clubhouse in einem Jahr stehen wird?
Ich trau mich schon, ob es stimmt ist eine andere Frage. Wir haben jetzt einen krassen Hype. Ein Hype charakterisiert sich aber dadurch, dass er wieder abflacht. So ist es auch bei Clubhouse eher eine Frage des „wann“. Ich denke in drei bis sechs Wochen wird sich das im deutschsprachigen Raum wieder etwas beruhigen. Aufgrund des überdurchschnittlichen Erfolges in der D-A-CH-Region ist die vermutlich gerade im Fokus. Dann nehmen sich die App-Entwickler aber sicher auch andere Länder vor. In einem Jahr wird sich dieser Trend eingespielt haben, sodass wahrscheinlich vor allem bekannte Podcaster, Moderatoren oder Promis auf Clubhouse aktiv sein werden. Die diesbezügliche Einstiegsbarriere, um auf die Stage zu kommen, wird wahrscheinlich höher werden. Gut beraten ist der, der sich jetzt schon eine Community aufbaut und relevante Inhalte kommuniziert. Denn es wird sich halten, was Substanz hat, also Leute, die heute schon interessante Formate haben.


Mit diesem rasanten Wachstum hat wohl niemand gerechnet.

Was könnte über den Erfolg entscheiden? Darüber, ob das einfach die neueste Sau ist, die durchs digitale Dorf getrieben wird, oder langfristig Bestand hat.
Wie sich das Thema langfristig entwickelt, hat in erster Linie damit zu tun, ob die Plattform es jetzt schafft, nachhaltig Substanz in Bezug auf Content Formate und regelmäßige Nutzer aufzubauen. Die Clubhouse-Leute sitzen wahrscheinlich selber im Meetingraum und wundern sich, was gerade in der D-A-CH-Region passiert. Mit diesem rasanten Wachstum hat wohl niemand gerechnet. Auch Corona hat den Entwicklern in die Hände gespielt, denn würde es all die Events im echten Leben geben, wäre das Interesse vielleicht auch ein anderes. Vieles ist jedoch nicht planbar. Durch die ständige visuelle Reizüberflutung haben sie wahrscheinlich gerade durch all die Zoom-Calls und Digital-Events so viel Zuspruch erhalten. Schließlich haben sie mit der ersten Drop-in-Audio-App etwas geschaffen, was es so noch nicht gab.

Wie wichtig ist der Celebrity-Faktor, also dass sich Zuhörer so fühlen können als wären sie mit den Promis auf einer Party.
Der ist von Anfang an schon wichtig gewesen, damit die Leute „joinen“ beziehungsweise daran überhaupt teilnehmen. Wenn man einen Raum betritt, sieht man, wer die Moderatoren und auch Gäste sind. Holt man dann als Host noch bekannte Gesichter in den Speaker-Bereich, sehen das ja auch all deren Follower. Das wird sich also noch mehr durchsetzen. Denn so konnte man sich auch zu Beginn Follower generieren. Das spannende daran ist, dass aus den verschiedensten Branchen, Bereichen und Ländern Promis daran teilnehmen. User können erstmals mit einem Joko Winterscheidt oder Thomas Gottschalk live und ungeschnitten diskutieren und sich austauschen. Ich denke, so etwas gab es noch nicht. Ich war zum Beispiel auch letztens in einem Raum zum Thema Wirecard-Ausschuss. Der Experte hat darin über Hintergrundinformationen gesprochen, die ich vielleicht so als Privatperson nie erfahren hätte.

Es gibt auch Kritik von Datenschützern, aber auch inhaltlicher Natur, dass in unmoderierten und unkuratierten Gesprächssituationen Leute die Party crashen: Redner aus dem extrem rechten Milieu sich tummeln oder auch sexuelle Belästigung stattfindet. Muss das eine Beta einfach aushalten?
Generell sind solche Themen schwer auf der technischen Ebene zu moderieren. Wie soll eine KI entscheiden, was eine rechte Meinung ist und was nicht? Das soll natürlich keine Ausrede sein. Soziale Plattformen und das Internet bieten leider auch unvermeidlich Platz für Hate Speech oder ähnliches. So lange die App-Betreiber dieses Problem nicht lösen können, liegt es wahrscheinlich an den Nutzern diese Räume zu melden. Auch datenschutzrechtlich liegt die App in der EU in einem Graubereich. Denn User haben bei der Anmeldung Zugriff auf ihr Adressbuch, also ihre Kontakte, gewährt. Ich bin gespannt, was wir diesbezüglich noch hören werden. Es wäre sicher gut, wenn sie ihre Datenschutzrichtlinien noch einmal überarbeiten und präzisieren.


Zur Person

Elias Vides. Der 1996 geborene Tiroler ist Experte für neue Medien und Kommunikation und macht mit seiner Social-First-Agentur Moonbase Kampagnen für u.a. für Amazon, Mercedes AMG, Gymshark.

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