Andocken statt anstecken: Easelink erfindet E-Auto-Ladesystem neu

Easelink - Gründer und CEO Hermann Stockinger

Easelink - Gründer und CEO Hermann Stockinger

Das Grazer Start-up Easelink hat sich zum Ziel gesetzt, das Aufladen von Elektroautos zu revolutionieren. Mit dem von dem Unternehmen entwickelten Matrix Charging werden E-Autos ein System vollautomatisch und ohne Ladekabel aufgeladen. Nun wurde erstmals ein BMW mit dieser Technologie ausgestattet.

Die Ladezone, eine Problemzone. Warum, fragte sich der 30-jährige Grazer Techniker Hermann Stockinger, muss man eigentlich in einer digitalisierten Welt noch mit Kabeln hantieren, um ein Elektroauto aufladen zu können? Im schlimmsten Fall sogar den Kofferraum ausräumen, um daraus ein Ladekabel hervorzukramen, es quer über den Gehsteig ziehen, um ein Auto zum Laden anzustecken, es aufzuladen und das Kabel nach getaner Ladung wieder zu verstauen. Wirklich komfortabel ist das nicht, schon gar nicht, wenn das Kabel vor beim Laden nass und schmutzig wird. Von "zeitgemäß" ganz zu schweigen.

Stockinger beschloss, das zu ändern. Er gründete das Start-up Easelink, das sich die Verbindung von E-Fahrzeugen mit dem Stromkreislauf auf neue Beine stellen sollte. Nach zwei Jahren des Tüftelns und Testens war das „Matrix-Charging“ fertig. Stockinger erklärt das Prinzip: „Ein Konnektor fährt zu Beginn des Ladevorgangs vollautomatisch vom Unterboden des Fahrzeugs hervor und verbindet sich so mit dem Stromkreis.“

Aufladen ohne Anstecken: Das von Easelink entwickelte Matrix Charging macht's möglich.

Aufladen ohne Anstecken: Das von Easelink entwickelte Matrix Charging macht's möglich.

Die Stromzufuhr wird über robuste, parkplatzseitige Lade-Pads ermöglicht. Metallische Kontaktflächen in Form von Bienenwaben sorgen flexibel – unabhängig vom genauen Parkpunkt – für die Verbindung zwischen Konnektor und Pad. Der Vorteil dabei: Der Ladevorgang läuft für den Nutzer unbemerkt – automatisch und ohne Ladesäule, und vor allem ohne Kabelsalat ab. Der direkte Kontakt zwischen Konnektor und Pad sorgt für eine sogenannte konduktive Energieübertragung und für höchste Ladeleistungen von bis zu 50 kW (DC) bzw. 22 kW (AC). Damit ist „Matrix Charging“ um ein Vielfaches leistungsfähiger als Ladesysteme auf Basis von elektromagnetischer Induktion.

Eine Idee für die ganze Welt

Eine besondere Herausforderung für das Unternehmen war die direkt mit der Gründung verbundene Internationalisierung. „Schon vom ersten Tag an, haben wir international gedacht und global agiert. Für uns war klar: Nur so können wir unser Ziel, zum weltweiten Standard für das Laden von E-Fahrzeugen zu avancieren, erreichen“, sagt Stockinger. Umgesetzt wurde diese Internationalisierungsstrategie mit einer mittlerweile eigenen Dependance in Asien und unzähligen weltweiten Messeauftritten – von der IAA in Deutschland bis zur Beijing Automotive Show.

Angedockt: "Matrix Charging" im Einsatz

Angedockt: "Matrix Charging" im Einsatz

Der erste Kooperationspartner kam mit Premium-Hersteller WEY, einer Tochter von „Great Wall Motors“, aus China. WEY hat für ein Konzept-Fahrzeug die steirischen Lade-Technik an Bord genommen. Wellen hat Easelink nun aber auf der „eMove360“, der Mobilitätsmesse in München, geschlagen. Erstmals wurde ein BMW mit der vollautomatisierten Ladelösung für E-Fahrzeuge ausgestattet – und zwar im i3-Modell.

Der Funke springt über

Auf der Fachmesse für Elektromobilität & Autonomes Fahren hat zudem eine hochkarätige Experten-Jury unter zahlreichen Einreichungen aus aller Welt das steirische Unternehmen als Award-Finalisten in der Kategorie „Charging & Energy“ nominiert. „Diese Nominierung und Präsenz im Rahmen dieser Leitmesse ist Bestätigung und Herausforderung für die Zukunft gleichermaßen: Schon heute kooperieren wir mit zahlreichen Automobilherstellern und streben an, mit Matrix Charging den internationalen Standard für das Laden von E-Fahrzeugen zu setzen. Damit wollen wir einen wesentlichen Beitrag leisten, um den Einsatz von Elektromobilität weltweit zu ermöglichen“, sag Easelink-Gründer Stockinger.

Hinzu kommt, dass Pad und Konnektor im Vergleich zu bestehenden und in Zukunft am Markt zu erwartenden Technologien eklatant günstiger sind. Stockinger: „Mit Matrix Charging erreichen wir Massentauglichkeit, denn unsere Technologie ist in allen Automobilsegmenten anwendbar.“

Puzzlestein für E-Mobilität

Stockinger sieht Easelink als weiteren Puzzlestein in Richtung E-Mobilität, denn obwohl Elektroautos sauberer, leiser und im Betrieb günstiger sind als Diesel oder Benziner und sie obendrein zum Zeitgeist passen sind sie bislang noch nicht in der breiten Masse angekommen.

Mit dem weiteren Ausbau der Ladestationen-Infrastruktur, der steigenden Kapazität von Akkus mit Schnell-Ladefunktion, begleitet von sinkenden Preisen für Batterien und einem breiteren Angebot von Elektroautos soll Easlink zur Mobilitätswende beitragen. Stockinger ist sich sicher, dass das gelingen wird: "Unsere Technologie kann schließlich in jedes beliebige Fahrzeug und auf jede Parkfläche weltweit serienmäßig integriert werden."

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