startup300 - Die Start-up-Schmiede aus Linz

startup300 - Die Start-up-Schmiede aus Linz

Der startup300-Vorstand: Christian Forsterleitner (factory300-CEO), Bernhard Lehner (startup300-Vorstand), Michaela Lindinger (think300-CEO) sowie Michael Eisler (startup300-Vorstand).

Risikokapital, Netzwerke, Büros und Innovationssupport: Wie 142 Investoren mit der STARTUP300 AG eine digitale Produktionskette aufbauen und nun auch noch ein Tech-Festival und einen internationalen Campus betreiben.

Wo schon lange keine Zigaretten mehr vom Band rollen und nur mehr vor den Werkstoren geraucht wird, sollen bald Digitalisierungsprodukte vom Band laufen. Die Tabakfabrik in Linz läuft auf Hochtouren. Angeworfen hat die Produktion ein Business-Angel-Kollektiv, das sich vor zwei Jahren unter der Marke startup300 zusammenschloss und mehr will, als nur gemeinsam seine Millionen - vielfach mit Exits in der Digitalwirtschaft verdient - in neue Start-ups zu investieren. Einer der 142 Investoren (siehe Grafik, unten) und gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrats der startup300 AG ist Super-Angel Hansi Hansmann: "Mir gefällt es, dass sich hier Strukturen bilden, um die herum ein ganzes Ökosystem gebaut wird."

Von Büroflächen, Innovationsberatung, Finanzierung bis hin zu Veranstaltungen wollen die Business Angels alles aus einer Hand anbieten - und sind diesem Ziel Ende Mai mit zwei großen Coups ein entscheidendes Stück näher gekommen: Zum einen sichert eine strategische Kooperation mit dem italienischen Digital-Campus-Konzept Talent Garden einen zweiten Standort in Wien und gleichzeitig Zugriff auf die 23 Standorte, die die Mailänder bereits in Europa betreiben. Noch heuer wird in Wien 9 auf 5.000 Quadratmetern der erste Talent Garden im deutschsprachigen Raum eröffnet.

Wie beim Fitnessclub können die Mitglieder die Campus-Angebote wechselseitig nutzen: Ausbildung, Büroarbeitsplätze und ein internationales Netzwerk: "Mit Talent Garden können wir nicht nur Wien als Standort entwickeln, sondern mittelfristig auch in Graz, Salzburg und Innsbruck Infrastruktur aufbauen", sagt startup300-Vorstand Michael Eisler.

Ebenfalls Ende Mai in die startup300-Gemeinschaft integriert wurde die JFDI GmbH, die eines der wichtigsten Startup-Festivals Europas aufgebaut hat: das Pioneers. Wer sich als Solist - umgeben von mittlerweile zahllosen Digitalkonferenzen - schwertut, profitabel zu werden, ist perfekter Support Act im Orchester: "Der Vorteil des Pioneers ist, dass es nicht mehr ein allein stehendes Festival ist, sondern eingebunden in etwas Größeres, wo der ganze Deal Flow gut verwendet werden kann", freut sich Hansmann. startup300 hat damit eine "Hausmesse" von internationalem Format und mit der Pioneers-Datenbank, gefüllt mit 17.000 Datensätzen, ein wertvolles Adressbuch für das Zusammenbringen von Start-ups, Unternehmen und Investoren.

Das Netzwerk

Die Aktionäre bringen Erfahrung aus mehr als 250 Start-ups und mehr als eine halbe Milliarde Euro Exitvolumen ein. Aktuell hält die AG Beteiligungen an rund vier Dutzend Start-ups. An der Österreich-Tochter der italienischen Talent Garden ist startup300 mit 10,3 Prozent beteiligt.

CHRISTIAN FORSTERLEITNER , factory300-CEO Der vormalige Linzer Vizebürgermeister wechselte 2017 in die Digitalwirtschaft und entwickelt u. a. den Standort "Tabakfabrik".

BERNHARD LEHNER , startup300-Vorstand Gründete i5invest mit, war bei Start-ups wie 123people, Runtastic und wikifolio dabei.

MICHAEL EISLER , startup300-Vorstand Verkaufte seine erste Softwarefirma erfolgreich 2012, war mit Wappwolf weniger erfolgreich, danach für Talenthouse in L.A.

MICHAELA LINDINGER , think300-CEO Bringt u. a. zehn Jahre Digitalberatungserfahrung in der Industrie als Accenture-Senior-Managerin mit.

Gebündelt mit der Innovationswerkstatt think300, dem Risikokapitalfonds capital300 und der factory300 entsteht somit eine durchgängige Produktionskette für die junge Digitalwirtschaft. Ideen und Geld dienen dabei als primäre Produktionsmittel, am Ende kommen neue Geschäftsmodelle und Unternehmen heraus.

Strada del Start-up

Wie das funktioniert, davon ist in der Tabakfabrik bereits einiges zu besichtigen: Während Bautischler und Maler dabei sind, die eindrucksvolle Produktionsstraße aus den frühen 30er-Jahren zu funktionellen Kleinbüros - der Strada del Start-up - umzubauen, wird im Entree bereits in offener Büroatmosphäre gearbeitet: Hier dockt das operative Führungsquartett der startup300 AG die Notebooks an: Bernhard Lehner, Michael Eisler sowie Christian Forsterleitner und Michaela Lindinger.

Zwischen großen Holztischen und Riesenbildschirmen für Meetings hängen nicht zufällig Helme und Schilder, die an die antike Kampftruppe der Spartaner erinnern sollen bzw. an die Comicverfilmung "300", die vielen Millennials vermutlich präsenter ist. Die Botschaft der Linzer Spartaner ist klar: Strategie geht vor Mannstärke. Keine Furcht vor den Persern, respektive Silicon Valley.

Co-Vorstand Bernhard Lehner über die Genese: "Mit der Fabrik war eine fantastische Location da. Diese aber nur für Coworking zu nutzen, wäre langweilig und wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. So haben wir sukzessive Inhalte reingegeben." Seit der Eröffnung im Juni 2017 geht es Schlag auf Schlag. Erster Coup: Der Linzer Vizebürgermeister Christian Forsterleitner kommt als Geschäftsführer der factory300 an Bord und koordiniert als eine Art oberster Community- und Contententwickler den weiteren Ausbau und das Bespielen der Fabrik.

Die Stadt Linz investiert 25 Millionen Euro in den Um-und Ausbau der denkmalgeschützten Immobilie von Peter Behrens (nicht in die factory300 GmbH). Forsterleitner: "Dieser Standort wird das digitale Herzstück von Linz. Hier arbeiten alte und digitale Industrie zusammen." Ab 2019 werden beide gemeinsam an der digitalen Werkbank stehen. Dann wird in der Grand Garage ein sogenannter Makerspace mit 3D-Druckern und Lasercuttern errichtet, wo Prototypen und Kleinstserien gebaut werden.

Push-up für die Old Economy

Für Corporates aus Österreich und dem süddeutschen Raum bietet die think300 - ebenfalls in der Tabakfabrik - Innovationstraining an. think300-Geschäftsführerin Michaela Lindinger erklärt den Zugang: "Immer mehr Unternehmen erkennen richtigerweise, dass sie die digitale Transformation mit den eigenen Leuten gestalten müssen." Dafür hat die erfahrene Digitalberaterin spezielle Formate entwickelt, die so klingende Namen tragen wie "Wake up call", "Future in a month" oder "Sezierkurs". Das reicht von ersten Einblicken in die Start-up-Denke bis hin zu konkreter Innovationsarbeit. "Wir machen keine Design-Thinking-Workshops und lassen die Motivation der Teilnehmer danach verpuffen. Meist haben wir acht bis zwölf Mitarbeiter aus den Unternehmen hier, mit denen wir über Monate hinweg arbeiten."

Voestalpine, RLB Oberösterreich und andere der alten Wirtschaft nutzen diese Formate schon gezielt. Die digitale Blutauffrischung mit Start-ups kommt dann über das Netzwerk der Spartaner, und die haben ihr Radar ziemlich scharf gestellt - schon auf die ganz Jungen. "Zutritt zum Coworking-Bereich und Events in der factory300 geben wir bereits HTL-Schülern und Studenten um einen monatlichen Unkostenbeitrag von zehn Euro", erzählt Co-Vorstand Michael Eisler, "so lernt man sich kennen und kann informell andocken."

Gründer, die Partner aus der Industrie suchen, sind ebenso willkommen wie Unternehmen, die ihre tradierten Geschäftsmodelle hinterfragen wollen. Und wer noch nicht so weit ist, kann bei Internet, Strom und Kaffee zum fairen Preis einfach arbeiten und dabei Kontakte knüpfen.

Natürlich beteiligen sich die Investoren der startup300 auch selbst an Start-ups, konkret an fast vier Dutzend junger Digitalgründungen, unter anderen an rublys, Pixelrunner, Refurbed oder techbold. Sollten diese gut wachsen und später Anschlussfinanzierungen im größeren Ausmaß benötigen, stehen die Chancen gut, auch das im eigenen Haus hinzubekommen. Denn seit der Risikokapitalfonds capital300 letztes Jahr aus der Taufe gehoben wurde, nimmt sich der Geldtopf ganz und gar nicht spartanisch aus: Er ist mit mehr als 30 Millionen Euro gefüllt.

Großes und kleines Geld

Und für alle, die es eine Nummer kleiner geben müssen, läuft gerade eine Crowdinvesting-Kampagne über Conda (auch eine startup300-Beteiligung), die 1,5 Millionen Euro für die weitere Expansion einsammeln soll und mit einer zehnjährigen Laufzeit eine jährliche Verzinsung von mindestens 6,5 Prozent verspricht. Die Eintrittsbarriere wird mit 1.000 Euro bewusst niedrig gehalten. "Da geht es nicht nur um Leute, die 50.000 Euro investieren können", sagt Hansmann, "es geht auch darum, sichtbar und bekannter zu werden." Mittelfristig, wenn das Geschäftsmodell der startup300 AG im großen Stil aufgehen sollte, werden auch die Kleininvestoren davon profitieren. Wenn alles klappt, ist sogar ein Börsengang nicht ausgeschlossen.

Dass man sich mit Mitbewerbern wie dem Wiener Hub weXelerate in die Quere kommt, glauben die Spartaner nicht. Für Hansmann ist die Sache klar: "Entweder werden beide Angebote sehr groß oder es wird weitere andere Mitspieler geben." Platz für große und kleine Digitalfabriken gibt es jedenfalls genug: "Jede österreichische Firma, auch größere KMU, muss sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Es gibt Hunderte Firmen, die das noch vor sich haben."


Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 22/2018 vom 1. Juni 2018 entnommen.

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