BÖRSESPIEL: Traden wie die Profis

BÖRSESPIEL: Traden wie die Profis

Christoph Boschan. Der neue CEO der Wiener Börse propagiert heimische Aktien. Seit Jahresbeginn hat der ATX um acht Prozent zugelegt.

Wer die wichtigsten Kennzahlen und Regeln kennt, hat an der Börse mehr Chancen auf Gewinne.

Unter den professionellen Tradern gibt es ganz unterschiedliche Typen: Das Motto von Warren Buffett lautet beispielsweise: „Kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäft du verstehst.“ Ganz anders agiert wiederum Leo Willert.

Der Österreicher hat ein Computerprogramm entwickelt, das unter dem Namen ARTS für die heimische Fondsgesellschaft C-Quadrat aber auch für die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank je nach dem Anlageziel automatisch die passenden Aktien auswählt. Doch bei beiden Wegen der Aktienauswahl werden die wesentlichsten Kennzahlen von Wertpapieren herangezogen.

Bewertung. Wie teuer oder preiswert eine Aktie ist, kann man am Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) beurteilen. Dabei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum erzielten oder erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt. Beträgt der Kurs einer Aktie beispielsweise 50 Euro und der Gewinn je Aktie vier Euro, dann ergibt sich aus der Division durch vier ein KGV von 12,5. Je niedriger das KGV ist, umso preiswerter ist die Aktie. Man sollte aber das KGV einer Aktie auch mit jenem der anderen Titel der selben Branche vergleichen, um festzustellen, ob ein Unternehmen günstig bewertet ist.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist eine weitere wichtige Kennzahl zur Bewertung. Dabei wird der aktuelle Aktienkurs durch den Buchwert eines Titels dividiert. Den Buchwert erhält man, wenn man alle immateriellen Vermögenswerte, die Sach- und Finanzanlagen addiert. Das KBV sollte höher als eins sein. Bei einem KBV unter eins könnte man theoretisch das Unternehmen für weniger Geld kaufen, als es laut Bilanz wert ist.

Dividendenrendite. Die Dividende ist eine Ausschüttung von Teilen des Gewinns an die Aktionäre. Die Dividendenrendite gibt wiederum den prozentuellen Anteil des ausgeschütteten Gewinns am jeweiligen Kurs der Aktie an. Die Österreichische Post beispielsweise hat eine sehr hohe Dividendenrendite von 6,2 Prozent. Damit erhält man alleine durch die Ausschüttung eine deutlich höhere Verzinsung als auf einem Sparbuch.

Chartanalyse. Ein Chart zeigt die Kursentwicklung einer Aktie in der Vergangenheit an. „Chartisten“ ziehen daraus Rückschlüsse auf künftige Bewegungen. Sie gehen davon aus, dass die Kursentwicklung gewissen Trends folgt und von der Erreichung bestimmter kritischer Werte abhängt. So wissen Profianalysten beispielsweise, bei welchen Kursen große Investmentfonds automatisch Aktien kaufen oder verkaufen und dadurch die Kursentwicklung beeinflussen.

Ergebniszahlen. Nicht zuletzt müssen natürlich die Kennzahlen eines Unternehmen passen. EBITDA und EBIT geben Auskunft über die Ertragskraft eines Betriebs. Das EBITDA gibt den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen an, das EBIT den Gewinn vor Steuern und Zinsen. Wichtig zur Beurteilung eines Unternehmens ist auch die Eigenkapitalrendite. Sie gibt an, wie rentabel das Eigenkapital eines Betriebs eingesetzt ist.