Börse Know-how: Traden wie die Profis

Börse Know-how: Traden wie die Profis

Birgit Kuras, Chefin der Wiener Börse, sieht trotz des schwierigen Starts 2016 gute Chancen für heimische Aktien.

Wer die wichtigsten Kennzahlen und Regeln kennt, hat an der Börse mehr Chancen auf Gewinne: Bewertungen, Dividendenrenditen, Chartanalysen und mehr.

Um an der Börse wirklich zum Zug zu kommen, sollte man über eine Vielzahl von Tricks, Regeln und Kennzahlen Bescheid wissen. Und über ein gutes Gespür verfügen. Denn der Aktienmarkt wird natürlich zu einem guten Teil aus rationalen Entscheidungen getrieben, aber vieles an der Börse ist auch reine Psychologie. Oder wie kann man sich sonst eine Börsenweisheit wie "Wenn die Röcke der Damen steigen, steigen auch die Kurse" erklären?

Bewertung

Wie teuer oder preiswert eine Aktie ist, kann man am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erkennen. Dabei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum erzielten oder erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt. Beträgt der Kurs einer Aktie beispielsweise 50 Euro und der Gewinn je Aktie vier Euro, dann ergibt sich aus der Division durch vier ein KGV von 12,5.

Je niedriger der KGV-Wert ist, desto günstiger ist die Aktie. Man muss aber auch das KGV mit dem durchschnittlichen KGV aller an der jeweiligen Börse gehandelten Titel vergleichen. Das durchschnittliche KGV der ATX-Aktien für 2015 liegt bei 17,3. Man sollte aber auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Branche betrachten, um festzustellen, ob eine Aktie vergleichsweise teuer oder billig ist.

Dividendenrendite

Die Dividende ist eine Ausschüttung von Teilen des Gewinns an die Aktionäre. Die Dividendenrendite gibt wiederum den prozentuellen Anteil des ausgeschütteten Gewinns am jeweiligen Kurs der Aktie an. Manche Aktien, etwa jene der Österreichischen Post AG, haben eine sehr hohe Dividendenrendite (6,14 Prozent). Die Aktie bringt also allein dadurch mehr als ein Sparbuch.

Chartanalyse

Ein Chart zeigt die Kursentwicklung einer Aktie in der Vergangenheit an. Daraus können Rückschlüsse auf künftige Preisbewegungen gezogen werden. Bei der Chartanalyse wird davon ausgegangen, dass die Kursentwicklung gewissen Trends folgt und von der Erreichung bestimmter kritischer Werte abhängt. So wissen Profianalysten beispielsweise, bei welchen Kursen große Investmentfonds automatisch Aktien kaufen oder verkaufen. Sieht man etwa, dass sich ein Aktienkurs einem Verkaufssignal nähert, kann es sinnvoll sein, rasch seine Aktien des Unternehmens zu verkaufen. Denn durchbricht der Kurs diese Marke, verkauft eine Vielzahl der Marktteilnehmer, und der Kurs stürzt noch tiefer ab.

Unternehmen prüfen

Wer eine Aktie kauft, beteiligt sich an einem Unternehmen. Man sollte deshalb nicht nur die für den Aktienmarkt wichtigen Kennzahlen wie KGV oder die Dividendenrendite analysieren, sondern auch die Zukunftsaussichten oder die Marktposition. Hat die Branche Zukunft?

Positive Beispiele dafür wären etwa Unternehmen aus der Robotik oder der Umwelttechnologie. Und: Wie hoch sind die Margen, die verdient werden? Gibt es eine Alleinstellung? Plant das Management Einsparungen? Gibt es aktionärsfreundliche Maßnahmen wie Aktienrückkaufprogramme?

Alle diese Informationen sind in guter Finanzberichterstattung zu finden. Genauso wie die Erklärung, dass die Minirock-Regel sich zwar hartnäckig unter Börsianern hält, aber Nonsens ist.