Technik revolutioniert den Fußball

Technik revolutioniert den Fußball

Tor oder nicht Tor? Eine neue Torlinien-Technologie soll strittige Situationen verhindern. Weitere technische Neuerungen stehen an – nicht alle sind ernst zu nehmen.

Beim Testspiel England gegen Belgien vergangenen Samstag wurde die Technologie der britischen Firma Hawk-Eye zum ersten Mal im großen Stil ausprobiert: Mit deren Hilfe soll in Zukunft einwandfrei entschieden werden können, ob der Ball tatsächlich hinter der Torlinie war oder nicht. England war in kürzerer Fußballgeschichte einer Leidtragender von Fehlentscheidungen: Beim Spiel gegen Deutschland bei der WM 2010 wurde ein Torschuss von Frank Lampard, der von der Stange ins Feld prallte, zu Unrecht nicht anerkannt.

Bei der Hawk-Eye-Technologie, die unter anderem im Tennis mit Erfolg zum Einsatz kommt, messen mehr als ein Dutzend Kameras die genaue Position des Balles. Sobald dieser mit vollem Umfang die Torlinie überquert hat, schlägt das System Alarm – und sendet beispielsweise ein Signal an eine spezielle Uhr, die der Schiedsrichter trägt und zwar innerhalb einer Sekunde nach dem „echten“ Tor.

Anachronismus Nummer eins: Die Schiedsrichter

Bereits seit Jahren wird über solche technologischen Änderungen für den Profifußball diskutiert. Der Hintergrund: Das Business ist immer lukrativer, härter, schneller geworden – und die Schiedsrichter sind oft damit überfordert. Tatsächlich erscheint das System mit einem Schiedsrichter und zwei Linienrichtern (die jeweils in einer Hälfte bleiben müssen) als Anachronismus, wenn man die immense technische Aufrüstung dieses Sports mit Videoanalysen, 3D-Übertragungen, Werbung auf virtuellen Banden und ähnliches bedenkt. Der Fußball-Weltverband FIFA ist Neuerungen gegenüber äußerst zurückhaltend – außer es handelt sich um neue Ideen, wie regierende Präsidenten mittels dubioser Mitgliedsländer ihre Macht erhalten können.

Die Etablierung von zwei weiteren Schiedsrichtern, die neben den Toren platziert werden, brachte wenig bis gar nichts – in strittigen Situationen sind auch diese ratlos bis überfordert. Andere Profisportarten sind da weiter: In Eishockey-Ligen etwa wird das Spiel nach unklaren Torszenen unterbrochen und die Schiedsrichter checken auf Monitoren, ob der Puck tatsächlich hinter der Torlinie war. Allerdings wäre das für den Fußball schwieriger, denn beim Eishockey kann ja die Spielzeit unterbrochen werden, beim Fußball nicht.

Skidata kann Sicherheit erhöhen

Der Vormarsch neuer Technologien ist aber nicht aufzuhalten. So kommen in den Stadien der EURO 2012 in Polen und der Ukraine ausgeklügelte Sicherheitssysteme zum Einsatz, mit denen etwa Hooligans ausgesperrt werden sollen. In vier der acht Stadien hat das Salzburger Unternehmen Skidata , das zur Schweizer Kudelski-Gruppe gehört, seine High-Tech-Drehkreuze mit berührungsloser Ticketkontrolle installiert. Auch ein System mit Gesichtserkennung stünde parat, kommt aber bei der EM noch nicht zum Einsatz – damit können die Gesichter bekannter Störenfriede registriert werden, diese werden erkannt und kommen nicht ins Stadion. Bereits im Einsatz sind in vielen europäischen Stadien ausgeklügelte Videoüberwachungssysteme.

Überwacht werden auch die Spieler genau: Nicht nur bei Spielen, auch in Trainings wird heute jede Bewegung, jeder Pass (und jeder Fehlpass), jeder Schuss, jedes Tackling dazu verwendet, aufschlussreiche Analysen durchzuführen. Die Spieler des FC Bayern München etwa bekommen Brustgurte umgeschnallt; am Spielfeldrand werten Spezialisten alle Daten von Herzfrequenz bis Schnelligkeit aus.

Kampf gegen Rowdies

Ein eher skurriler Beitrag zum Thema kommt übrigens aus Deutschland: Generalbundesanwalt Harald Range hat vor kurzem den Einsatz von Fußfesseln für Fußball-Hooligans angeregt – Fans mit Stadionverbot sollten durch den Einsatz solcher Fesseln daran gehindert werden, zu Matchzeiten ihr Haus zu verlassen.

- Robert Prazak

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