Stephen Elop: Master of Desaster von Nokia mit Microsofts Gnaden

Stephen Elop: Master of Desaster von Nokia mit Microsofts Gnaden

Für die Wirtschaft als Show-Case: Stephen Elop hat mit reicher finanzieller Ausrüstung und Unterstützung von Microsoft und Nokia vorexerziert, wie man ein Flagschiff in nicht einmal fünf Jahren versenkt, sich selbst bereichert und 50.000 hochwertige Jobs vernichtet.

Das einzigartige Scheitern eines Managers ist vollzogen. Endlich. Stephen Elop konnte einst bei Nokia als CEO auf einen Fundus von Innovationen, unglaublich vielen erstklassigen Mitarbeitern und Rückendeckung von viel fremdem Geld vertrauen. Das „Trojanische Pferd“ von Microsoft, patscherter Manager und der Totengräber der einst stolzen Handysparte von Nokia, der selbst 50.000 Nokia-Mitarbeiter gefeuert hat, wurde nun selbst gefeuert – von Microsoft, das ihm einst viel Geld zugeschanzt hat.

Wer am 13. Februar 2011 bei der Pressekonferenz von Nokia in dem schmucken Palais der Reial Acadèmia Catalana de Belles Arts de Sant Jordi in Barcelona die Ausführungen des damals gerade fast vier Monate amtierenden Nokia-Chefs Stephen Elop mitverfolgen durfte, dem dämmerte damals schon, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis der finnische Handy-Primus Nokia von Microsoft geschluckt werden würde. Kaum drei Jahre später war das Feld bestellt: Nokia war Geschichte. Der Handyweltmarktführer von 1998 bis 2011 ging unter und auf in Microsoft.

Microsoft zahlte für die Nokia-Handysparte rund sieben Milliarden Dollar, der stets ungelenk agierende Stephen Elop kehrte heim zu Microsoft und durfte weiterhin an der Handysparte rumwerken. Mit wenig Erfolg. Anders ausgedrückt: Alles, was Nokia einst stark machte, hat Elop vernichtet.

Auch die neue Handysparte von Microsoft, einst vom Ex-CEO Steve Ballmer forciert, ist heute ein Desaster erster Klasse. Alles, was sich Microsoft zum Ziele gesetzt hat, ist nicht eingetroffen. Der Marktanteil der Smartphones dümpelt fast orientierungslos im unteren einstelligen Bereich einfach vor sich hin. Eine Niederlage erster Klasse, denn Microsoft versucht bereits seit dem Jahr 1998 als Handyhersteller zu reüssieren. Und hat dabei eine Pleite nach der anderen gelandet. Die milliardenschwere Nokia-Übernahme konnte die Sehnsucht des Konzerns, in die Spitze der Smartphone-Hersteller vorzustoßen nicht erfüllen.

Was war Elops Leistung?

Nein, er sei kein „Trojanisches Pferd“, hatte Elop schon bald nach Übernahme der Nokia-Geschäfte im September 2010 bekräftigt. Meldungen in diese Richtung wurde auch immer heftig vonseiten Microsoft dementiert. Und die Wortmeldungen und Auftritte Elops waren auch die folgenden Monate bis zum Nokia-Verkauf und zuletzt an Patschertheit und Arroganz kaum mehr zu übertreffen. Legendär war sein internes Mail als inthronisierter Microsoft-Handy-Chef, als er genau vor einem Jahr per Mail verkündet hat - in der Anrede „Hi there“ - so nebenbei noch 12.500 Mitarbeiter zu feuern.

„Nokia, unsere Platform brennt!“, hat der damalige Ex-Microsoft-Manager bald nach seinem Einstieg in die Nokia-Manege geschrien. Wenn das schon der Chef sagte - wen wuntert es, dass Nokia sukzessive auch das Vertrauen der Anleger verlor? Und der Aktienkurs von Nokia einer Achterbahnfahrt gleich rauf und runter rauschte. Und eher Objekt der Zocker wurde, als den Wert des Unternehmen abzubilden.

Der finnische Konzern, 2010 trotz Krise noch randvoll mit Patenten und erstklassigem Knowhow, war ins Hintertreffen geraten und habe laut Elop "große Trends" bei Smartphones verschlafen. Was so nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch war. Nokia hatte bereits vor der Konkurrenz hervorragende Smartphones auf den Markt gebracht. Und einfach nur die Konkurrenz unterschätzt. Und auf drei, statt nur eine Softwareplatform gesetzt.

Ein „mutiger Sprung“ ins kalte Wasser sei notwendig, tönte der erste Nicht-Finne an der Spitze von Nokia zum Einstand bei den erfolgsverwöhnten und durchaus kreativen Finnen. Was Elop unter Mut verstand, war eher ein billiger Abklatsch von strategischen Formeln, als Kreativität und gescheite Neuorientierung. Microsoft hatte seit 1998 schon mehrfach versucht im Handymarkt zu reüssieren und auch immer wieder seine Begehrlichkeiten für eine Übernahme von Nokia anklingen lassen - wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand.

Als Nokia-CEO hatte Elop auch bekannt, dass er Aktionär von Microsoft sei. Und kurz danach hatte er mit Nokia ganz auf das damals bedeutungslose Windows 7 für Smartphones von Microsoft. Obwohl Google damals schon weite Teile der Smartphone-Welt mit seinem Betriebssystem Android unter der Kontrolle hatte. Elop befürchtete, dass der Smartphone-Markt zugunsten von Google und Apple kippen würde.

Das große Geld

Microsoft würde Nokia „viel Geld bezahlen“ dafür, dass Nokia Windows auf seine Smartphones bringt, betonte Elop 2011 in Barcelona, ohne einen Betrag zu nennen. Das richtig große Geld sollte freilich offiziell später folgen, was auch die letzten Zweifler dann wirklich kaum noch überraschen konnte. Im Jahr 2014 hatte Elop mit dem Verkauf der Nokia-Sparte an seinen früheren und wieder neuen Arbeitgeber dann so richtig Kasse gemacht - im doppelten Wortsinn. Für Elop war es ein lohnendes Geschäft, obwohl die Nokia-Geschäfte weiterhin den Bach hinunter gingen.

Dafür dass Elop Nokia an Microsoft verkauft hat, als der einst finnische Handyriese schon am Boden lag, bekam er noch eine stattliche Belohnung. Microsoft versüßte Elops Leistung mit rund 19 Millionen Euro. Und zusätzlich durfte er wieder zurück zu Microsoft. Und dort weiterhin an der glücklosen Handysparte werken.

Unterm Strich bleibt nach fast fünfjährige Elop-Bilanz: 50.000 Nokia-Jobs vernichtet, Nokia verscherbelt für 3,79 Milliarden Euro und legt noch 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen dazu. Elop kassierte alleine für den Nokia-Verkauf 19 Millionen Euro. Und der Marktanteil der Handy-Sparte von Microsoft soll bei 6,8 Prozent liegen. Um es in Worten von Elop zu sagen: Die Platform brennt - noch immer und dieses Mal unter dem Dach von Microsoft. Das Feuer der Mitarbeiter ist erloschen.Und der Master of Desaster und Microsoft haben sich auf eine Trennung geeinigt. Soll heißen: Elop wurde gefeuert.

Nokia Zentrale in Espoo, Finnland

Wirtschaft

Nokias Auferstehung: Finnen beleben Handy-Marke wieder

Technik

Apple knickt ein: Weg frei für iPhone-Entsperrung

Technik

Und Action: GoPro kauft zwei Video-Apps