Samsungs Spitzenposition wird von Apple bedroht

Samsungs Spitzenposition wird von Apple bedroht

Produktvielfalt alleine reicht nicht. Nokia kann ein Lied davon singen.

Die Mobilfunksparte von Samsung büßt 64 Prozent beim Gewinn ein. Nach Angaben von Analysten hat Apple zumnidest mit den Koreanern gleichgezogen. Samsung will mit neuem Smartphone seinen Absatz anschieben.

Seoul. Erleidet Samsung das Nokia-Schicksal - nach Jahren an der Spitze nun abgelöst zu werden? Der Smartphone-Gigant Samsung spürt auf jeden Fall den Atem des US-Konzerns Apple im Nacken. Der am Donnerstag vorgelegte Vierteljahresbericht der Südkoreaner deutet darauf hin, dass sie spürbar Marktanteile an den Verfolger aus den USA verloren haben. Nach Einschätzung mancher Experten hat der iPhone-Hersteller aufgeschlossen oder Samsung sogar bereits überholt.

Apple hatte am Mittwoch vorgelegt und die Erwartungen weit übertroffen: Dem Konzern gelang mit 18 Mrd. Dollar (15,9 Mrd. Euro) der höchste Quartalsgewinn eines Unternehmens überhaupt. Zudem verkaufte er 74,5 Millionen iPhones - so viele wie nie zuvor. Ein direkter Vergleich mit Samsungs Absatz ist vorerst nicht möglich, da das Unternehmen selbst keine konkreten Zahlen präsentiert. Es gab aber bekannt, dass die Smartphone- und Tablet-Auslieferungen gesunken seien.

Die Gewinne in der Sparte mobile Geräte gehen nun bereits seit fünf Quartalen zurück, zuletzt um 64 Prozent auf umgerechnet 1,6 Mrd. Euro. Der Bereich trug 2014 nur 58 Prozent zum Betriebsgewinn bei, 2013 waren es noch 70 Prozent. Das Wasser graben Samsung nicht nur chinesische Günstiganbieter wie Xiaomi ab, sondern dank erfolgreicher Produkteinführungen auch der amerikanische Hauptkonkurrent. "Apples neue Modelle iPhone 6 und 6 Plus sind sehr populär in China, den USA und Europa", sagte Neil Mawston von der Marktforschungsfirma Strategy Analytics. "Apple hat mit Samsung gleichgezogen und schickt sich an, erstmals seit dem vierten Quartal 2011 wieder der verkaufsstärkste Smartphone-Hersteller der Welt zu werden." Das Analysehaus Counterpoint geht sogar davon aus, dass es der US-Konzern im Schlussquartal 2014 wieder auf den ersten Platz geschafft hat.

Auch Samsungs Hoffnungen ruhen auf neuen Modellen. Sie sollen dazu führen, dass der Absatz im laufenden Vierteljahr wieder anzieht. Einen Schub verspricht sich das Unternehmen von der nächsten Version des Aushängeschilds Galaxy S6, das im März auf den Markt kommen dürfte. Analyst Warran Lau von der Finanzgruppe Maybank attestierte Samsung zwar Fortschritte bei Design, Bauqualität und Ausstattung, gab aber zu bedenken: "Die Frage ist jetzt, ob das genug ist."

Sollte der Konzern seiner Mobil-Sparte nicht frisches Leben einhauchen können, erwarten Analysten für 2015 einen abermaligen Gewinnrückgang. Im vergangenen Jahr rutschte das Ergebnis auf umgerechnet 20,3 Mrd. Euro ab, nach einem Rekordwert von 29,9 Mrd. Euro 2013. Einen Lichtblick liefert allerdings das Chipgeschäft, das mit 2,2 Mrd. Euro seinen höchsten Quartalsgewinn seit mehr als vier Jahren erzielte.

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