Roaming: Achtung vor den Kostenfallen

Roaming: Achtung vor den Kostenfallen

Horrende Rechnungen nach Auslandsaufenthalten kommen seltener vor, seitdem die EU die Mobilfunker beim Roaming einbremst. Aufpassen sollte man trotzdem.

Die ganze europäische Wirtschaft kennt keine Grenzen mehr. Die ganze Wirtschaft? Nein! Eine Branche leistet verzweifelt Widerstand gegen die Idee eines vereinten Europas: Die Mobilfunker wehren sich mit Händen und Füßen gegen das grenzüberschreitende Telefonieren.

Kein Wunder: Roaming ist für sie ein wichtiger Umsatzbringer. Darunter versteht man die Weiterleitung von Telefonaten ins Ausland. Die größten Anbieter wie Vodafone, Orange und Deutsche Telekom, die in Europa flächendeckend vertreten sind, lassen sich auch von ambitionierten EU-Politikern nicht von den dahinter liegenden, gefinkelten Gebührenmodellen abbringen.

Seit Jahren kämpft die EU gegen die teils horrenden Roaminggebühren; vor kurzem wurden neue Obergrenzen eingeführt: So dürfen Anrufe ins EU-Ausland ab 1. Juli höchstens 29 Cent (ohne Mehrwertsteuer) kosten, das Versenden von SMS höchstens elf Cent. 2013 und 2014 werden dann jeweils ab 1. Juli die Preisobergrenzen weiter gesenkt: Siehe dazu unsere Tabelle zu den neuen Bestimmungen: Preisobergrenzen für Roaming in der EU

So weit, so gut. Trotzdem können bei Telefonaten ganz schöne Summen zusammenkommen. Die wichtigsten Tipps:

1. Anrufen lassen
Die Unterschiede zwischen ausgehenden und eingehenden Anrufen ist noch immer beachtlich, daher ist es empfehlenswert, sich lieber anrufen zu lassen. Der Empfang von SMS ist überhaupt kostenlos.

2. Achtung auf Spezialtarife
Viele Anbieter haben spezielle Tarife im Angebot, die günstige Telefonate in bestimmte Länder versprechen – doch diese können teurer kommen, da zum Teil Verbindungsgebühren anfallen und sich die Mobilfunkunternehmen auch nicht an die EU-Obergrenzen halten müssen. Auf Antrag müssen die Tarife aber umgestellt werden. Hier sind nach Ansicht von Experten aber einige heikle Rechtsfälle zu befürchten.

3. Datenchaos
Für Datenverkehr gibt es im Moment überhaupt keine Obergrenzen, ab 1. Juli darf ein MB maximal 70 Cent kosten. Was das im Fall der Fälle bedeuten kann, wird vielfach übersehen: Wer mit eingeschaltetem Daten-Roaming durch den Urlaubsort spaziert und sich etwa von Google Maps leiten lässt, kommt locker auf mehrere hundert MB Datenvolumen. Immerhi gilt in der EU nun ein Limit von maximal 60 €, dann wird die Verbindung unterbrochen. Trotzdem: Besser Datenroaming ganz abschalten und (hoffentlich kostenloses) Wlan im Hotel nutzen.

4. UMTS-Hotspots benutzen
Wer auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen nicht aufs mobile Internet verzichten will und gleich mehrere Geräte damit versorgen will, sollte zu UMTS-Routern mit integrierten Hotspots greifen, wie es sie etwa von Huawei gibt. In diese wird eine SIM-Karte gesteckt, die man im Ausland bei dortigen Anbietern erwirbt und die eine Internet-Flatrate hat. Dann wird dieser UMTS-Router zum Hotspot, auf den via Wlan gleich mehrere Geräte zugreifen können.

5. Außerhalb der EU wird´s teuer…
….und zwar richtig teuer. In der Türkei beispielsweise lassen sich mangels bereits erfolgtem Beitritt dieses Landes keine Obergrenzen einführen: Dort macht das stundenlange Telefonieren mit Großeltern oder das Herunterladen großer Dateien richtig Sorgen. Zu Recht.

- Robert Prazak

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