Pro & Kontra: Die Fronten in der Google-Debatte

Pro & Kontra: Die Fronten in der Google-Debatte

Deutschland will von Google mehr Geld für die Verleger. Bald auch in Österreich?

Bild: KURIER/Marcel Gonzalez-Ortiz Ein Gesetz, das allen schadet

Markus Kienberger, Chef von Google Österreich, will keine Eingriffe ins Internet und eine öffentliche Debatte.

Die Temperatur steigt. Nicht unbedingt wenn man aus dem Fenster blickt. Eher wenn es um die Reibungshitze in Sachen Leistungsschutzrecht geht. Nach langen Diskussionen und mehreren Gesetzesentwürfen in Deutschland ist das Thema nun auch nach Österreich geschwappt. Wir sind zwar nicht in jener Fieberstufe, die unsere „Verteidige dein Netz“-Kampagne (google.de/deinnetz) in Deutschland auslöste. Aber das Thema polarisiert auch bei uns. Was bisher eine nur in Medienkreisen geführte Diskussion war, wurde öffentlich – zu Recht. Denn das von manchen Verlegern geforderte Leistungsschutzrecht betrifft nicht nur Google, sondern alle Nutzer. Es ist ein Gesetz zum Schaden aller. Das Internet lebt davon, dass Milliarden von Menschen und Unternehmen sich verbinden und Informationen austauschen. Kernstück sind Links, Zitate und kurze Textelemente. Wenn es sich um redaktionelle Inhalte handelt, zumal von Verlagen freiwillig zur Nutzung hochgeladen, sollen diese künftig lizenzpflichtig werden. Deren Nutzung im Internet würde für jeden Anwender zum Risiko. Das träfe Blogger, Medien, Start-ups und jede Firma mit eigener Website – und letztlich jeden Nutzer, der dann nicht mehr das findet, wonach er sucht. Wie auch immer man die Wirkung eines Leistungsschutzrechtes begrenzen mag: Es wäre ein unverständlicher Eingriff in die Architektur des Internets, der dem Wirtschaftsstandort Österreich schweren Schaden zufügen würde. Ohne nachvollziehbaren Grund: Schon jetzt kann sich jeder Verlag durch eine einfache Programmierzeile aus der Google-Suche herausnehmen – dafür braucht es kein Gesetz. Auch profitieren Verlage erheblich von Suchmaschinen: Allein durch Google wurden 2011 mehr als 7 Milliarden Dollar an Werbepartner ausgeschüttet, darunter viele Verlage. Pro Minute werden 100.000 Klicks auf Verlagsseiten weitergeleitet, die diese für Werbung und Verkauf nutzen können. Das Leistungsschutzrecht schützt niemanden und schadet allen – privaten und kommerziellen Nutzern, den Verlagen und der Wirtschaft.

Bild: Beigestellt Leistung muss sich lohnen

Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes österreichischer Zeitungen, will neue Spielregeln und mehr Geld.

Der Sachverhalt ist denkbar simpel: Zeitungen erstellen unter Aufwendung beträchtlicher finanzieller Ressourcen Reportagen, Hintergrund-Storys, Kommentare, Interviews und vieles mehr. US-Suchmaschinen wie Google verdienen sich mit den Suchanfragen nach diesen Inhalten eine goldene Nase, während die Content-Produzenten durch die Finger schauen. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage würde sicherstellen, dass Zeitungen einen fairen Anteil an der Verwertung ihrer Inhalte durch Dritte bekommen würden. Google, der Suchmaschinenbetreiber, über den in Österreich 95 Prozent aller Suchanfragen laufen und der geschätzte 140 Millionen Euro am heimischen Online-Werbemarkt einnimmt, will das verhindern. Wer sich nicht den Spielregeln des Quasi- Monopolisten unterwirft, der fliegt raus. Das wurde den französischen Zeitungen angedroht, wenn sie weiterhin einen gerechten Teil an der Verwertung ihrer Inhalte fordern würden. Denn das erste Argument der Leistungsschutzrecht- Gegner lautet meist: Zeitungen könnten ihre Inhalte ja mittels des veralteten Verschlüsselungssystems Robots.txt für die Google-Suchalgorithmen sperren. Das Problem dabei ist jedoch, dass sich die Verlage damit quasi selbst aus dem Web aussperren würden, denn ihr Content kann dann zwar von Google nicht gefunden werden, aber auch von sonst niemandem mehr. In Deutschland wirft der Suchmaschinenbetreiber mittels flächendeckender Kampagne Totschlagargumente in den Ring: Das Leistungsschutzrecht sei eine Gefahr für das Internet und bedrohe die Informationsfreiheit. Das ist natürlich kompletter Humbug. Für den privaten Nutzer ändert sich nichts. Er kann weiter Presseartikel zitieren, verlinken und kopieren. Jedoch wollen wir von jenen, die unsere Inhalte gewerblich nutzen, einen fairen Anteil. Mit dem Leistungsschutzrecht würde der Gesetzgeber sicherstellen, dass sich journalistische und verlegerische Leistung auch im Web lohnen.

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