Paradebeispiel für Realitätsverweigerung: BlackBerry

Paradebeispiel für Realitätsverweigerung: BlackBerry

Der kanadische BlackBerry-Hersteller RIM hat auf die richtigen Fragen bisher nur falsche Antworten gehabt.

Zwei Schlüsselerlebnisse in Sachen BlackBerry – pardon, RIM: Bei einer Pressekonferenz im Vorjahr in Wien präsentierte ein Vertreter der deutschen Niederlassung die jüngsten Modelle. Allerdings überwiegte bei der Präsentation der Konjunktiv: Es würde bald ein neues System geben. Es könnte theoretisch auf so und so viele Apps zugegriffen werden. BlackBerry würde bald wieder stark wachsen. Auf kritische Fragen reagierte er entnervt: Nein, das könnte er nicht sagen. Nein, das würde er nicht wissen.

iPhone ist einfach einfacher

Zweites Erlebnis, vor einigen Monaten in einem Kaffeehaus: Der Gesprächspartner beantwortet mit seinem BlackBerry einige Mails – er tippt rasch und sicher auf den Tasten des Smartphones. Einer der letzten BlackBerry-Getreuen, denke ich mir. Da erzählt mir der Herr, dass er in Kürze auf ein iPhone umsteigen werde. Seine Kinder haben ihm gezeigt, wie einfach es zu bedienen ist, wie leicht man damit aufs Internet zugreifen kann, welche Apps es gibt – und Mails kann man darauf natürlich auch lesen.

Die jüngsten Schreckensmeldungen des BlackBerry-Herstellers RIM (Umsatz eingebrochen, Verlustzahlen, 5000 Jobs werden abgebaut, Teile des Unternehmens sollen verkauft werden) kommen ja nicht wirklich überraschend. Überraschend ist, wie rasant es nun bergab geht und wie sehr sich das BlackBerry-Management noch immer gegen die Wahrheit sträubt. So wie der sympathische, aber heillos überforderte Manager bei der erwähnten Präsentation in Wien die Tatsachen ausblendete, genauso hält sich das gesamte Unternehmen krampfhaft an die glorreiche Vergangenheit geklammert. Das waren halt noch Zeiten, als kein Manager auf dieses Technik-Spielzeug verzichten konnte. Aber die Geschmäcker ändern sich rascher als es der Marketingabteilung lieb sein kann.

Es beginnt beim Namen

Einige Fragen hätten sich die BlackBerry-Verantwortlichen längst stellen sollen. Es beginnt bei der einfachsten aller Fragen: Weshalb in aller Welt hat das Unternehmen einen solch dämlichen Namen, wo es doch jedermann nur als BlackBerry kennt? Oft sind es ja gerade die einfachen Fragen, auf die das Management keine oder nur komplizierte Antworten kennt: Weshalb gibt es nicht längst ein neues Betriebssystem? Oder wenn das nicht kommt: Weshalb stellt man nicht auf Android um? Wo bleibt die einheitliche Produktlinie? Weshalb betont man seit Monaten den Fokus auf Geschäftskunden, wo die doch längst die gleichen Anforderungen an Mobilgeräte haben wie die so genannten Konsumenten? Wann kommt endlich eine kluge Kooperation mit einem großen Internet-Konzern?

BlackBerry ist nicht am Ende, denn der Name hat noch eine gewisse Strahlkraft. RIM aber ist, fürchte ich, nicht mehr zu retten.

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