Österreichs Unternehmen unterschätzen Gefahr durch Hacker

Österreichs Unternehmen unterschätzen Gefahr durch Hacker

Nur rund die Hälfte der Unternehmen des ATX Prime widmen sich in ihren Geschäftsberichten auch dem Thema IT-Sicherheit. Für Experten ein Fehler.

Mindestens drei Milliarden € - so hoch ist der Schaden durch Wirtschaftsspionage in Österreich, andere Schätzungen liegen sogar bei bis zu zehn Milliarden. Wer sich jetzt einen dubiosen Kerl vorstellt, der um Mitternacht in verwaiste Büros schleicht und mit einer Kamera Pläne und Tabellen fotografiert, hat wohl zu viele Agentenfilme gesehen. Der Großteil der Fälle passiert über Cyberattacken, also über Angriffe auf das jeweilige IT-System des Unternehmens. Hacker dringen von außen in das Netz ein und holen sich wichtige Daten.

Wenig Schutz vor Attacken durch Hacker

Grund genug für Unternehmen, ihre IT-Systeme zu schützen? „Das Problem wird totgeschwiegen“, konstatiert Michael Römer, Partner bei A. T. Kearney. 95 Prozent aller Unternehmenssysteme seien unsicher, heißt es in einer Untersuchung dieses Beratungsunternehmens. Maximal 750 Millionen € pro Jahr würden österreichische Firmen für Cybersecurity ausgeben, also für den Schutz ihrer Netze gegen Attacken. Viel zu wenig, um wirklich effektiv geschützt zu sein, moniert Römer. Denn die Methoden der Angreifer werden immer ausgefeilter, klassische Virenscanner oder Firewalls seien da meistens machtlos.

Organisation muss umgebaut werden

Aber nicht nur entsprechende Hard- und Software braucht es, um die offenbar steigende Bedrohung durch Cyberattacken abzuwehren. Das Thema erfordert nach Ansicht der A. T. Kearney-Analyse auch organisatorische Umsetzung – so sollten die Sicherheitsverantwortlichen nicht einfach Teil der IT-Abteilung bzw. Sachbearbeiter sein, sondern im Unternehmen an zentralerer Stelle tätig sein – etwa parallel zum Revisionswesen. Ja, der Sicherheitsverantwortliche sollte „auf Augenhöhe“ mit dem CIO sein – eine Forderung, die wohl in der Praxis nicht ganz einfach umzusetzen sein dürfte.

ATX Prime-Unternehmen tun wenig fürs Vertrauen

Die A. T. Kearney-Spezialisten haben sich auch die Geschäftsberichte der 40 Unternehmen des ATX Prime angesehen – und werten das als weiteren Beweis, wie sehr österreichische Firmen das Thema IT-Sicherheit vernachlässigen: Nur 21 dieser 40 Unternehmen widmen sich in den Berichten der IT-Sicherheit; nur jeder zehnte Bericht schafft es laut Boris Piwinger, IT-Experte bei Kearney, Sicherheit in Bezug auf das Thema aufzubauen. Dabei stellen etwa Kunden- und Entwicklungsdaten einen beträchtlichen Teil des Unternehmensvermögens dar – damit sollte nicht fahrlässig umgegangen werden.

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