Taga: "Neue Chancen für ein gutes Dutzend Mobilfunkanbieter in Österreich"

Taga: "Neue Chancen für ein gutes Dutzend Mobilfunkanbieter in Österreich"

Im Dutzend billige? ADL-Telekom-Experte Karim Taga sieht Chancen für viele neue Player im Mobilfunk.

Technologie-Experte Karim Taga vom Beratungsunternehmen Arthur D. Little sieht für das Jahr 2015 ein großes Potenzial für neue Mobilfunkunternehmen – nicht für klassische Netzbetreiber, sondern für Virtuelle Netzbetreiber. Auf Mobilfunkanbieter ohne Festnetz kommen hingegen schwierige Zeiten. Und "All-in-One-Pakete" schnürt, gehört neben Nischenanbietern die Zukunft.

Wien. „Jedes Unternehmen, das mit Kunden und somit über Daten verfügt, muss sich digitalisieren“, sagt Karim Taga, Geschäftsführer vom Technologieberatungsunternehmen Arthur D. Little Austria. Für bisher branchenfremde Unternehmen stellt der Mobilfunk im doppelten Sinn eine neue Chance dar. Vereinfacht gesagt: Jedes Unternehmen kann als Mobilfunkanbieter tätig werden.

Infolge des neuen Digitalisierungsschub werden auch neue Mobilfunkanbieter in Österreich auf den Markt drängen, sagt Taga. Neben den Absichten von UPC, Mass Response, Ventocom oder Tele2, die - wie berichtet - ihren Markteintritt angekündigt haben, werden auch andere Unternehmen Mobilfunkpakete schnüren. Banken, Versicherungen, Post, Reiseunternehmen, Infrastrukturanbieter aber auch Lotteriegesellschaften und Verlage zählen laut Taga zu den Kandidaten. „In Österreich gibt es genug Potenzial für neue Mobilfunkanbieter“, sagt Taga. Als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) werden diese Unternehmen die die Infrastruktur von Netzbetreibern zur Miete nutzen und eigene Mobilfunkpakete anbieten.

Und dabei gehe es nicht in erster Linie nur um den Mobilfunk. Vielmehr geht um den Rohstoff „Daten“ und den Ausbau der Kundenbeziehungen. Via Smartphone oder Tablet-PC können diese Unternehmen näher zu ihrem Kunden rücken, bekräftigt Taga. „Es gibt keine bessere Möglichkeit mit dem Kunden so eng in Kontakt zu treten.“ Das Credo der nahen Zukunft lautet daher „mobile first“. Für "mindestens ein gutes Dutzend neuer Anbieter" sieht Taga neue Chancen. „Jeder, der eine Marke hat, kann diesen neuen Zugang wählen.“

In Tschechien sind binnen der vergangenen zwei Jahre 16 Unternehmen mit Mobilfunkpaketen als MVNO gestartet Das Konzept ist nicht neu. MVNOs gibt es in Österreich seit über zehn Jahren. Red Bull Mobile, Eety, Yesss, S-Budget Mobile (von Spar) oder Lycamobile sind bereits als Nischenanbieter im Markt.
Taga differenziert die Entwicklung drei MVNO-Phasen. In der ersten Marktphase verkauften MVNO hauptsächlich als Prepaid-Anbieter billige Telefonminuten und SMS. In der zweiten Phase der MVNO wurden dann noch Datenpakete hinzugefügt, wie es etwa Red Bull Mobile macht. Die dritte Phase startet ab dem Jahr 2015. Die neuen Anbieter werden mit Mobilfunkpaketen ihre Kundenbeziehungen verstärken, so Taga. Mit Smartphone oder Tablet-PC würden die MVNO neue Kundenschichten erreichen und gleichsam auch den Zugang etwa zu Webshops der Anbieter legen.

Der Zweier-Weg

Prominenter Neustarter im Mobilfunk ist Internet-, Festnetz und TV-Anbieter UPC. Höchstwahrscheinlich zum Jahreswechsel wird UPC Mobilfunkdienste auf den Markt bringen. UPC nutzt dabei das Netz von Drei und wird künftig die gesamte Wertschöpfung aus einer Hand anbieten. Tele2 folgt im Sommer nach. Ventocom von Ex-Orange Austria und Telering-Chef Michael Krammer will als MVNO unter der Marke „HOT“ ab Jahresbeginn Telefondienste via Hofer verkaufen.

Dass neue MVNO beim Kunden ankommen, zeigt sich an der Marktsituation im benachbarten Tschechien. 16 MVNO sind binnen der vergangenen 18 Monate an den Start gegangen. Darunter auch Sazkamobil, die Mobilfunktochter der ehemals staatlichen Lotteriegesellschaft unter der Leitung Robert Chvatal. Er war von März 2007 bis August 2012 Chef von T-Mobile Austria. Die Lotto-Tochter hat binnen eines halben Jahres rund 120.000 Kunden gewonnen – um 20.000 mehr als geplant.

Die Preissteigerungen um rund 20 Prozent der drei Netzbetreiber binnen etwas mehr als zwei Jahren haben die Chancen für neue Anbieter verbessert, die als MVNO starten wollen. Und außerdem wurde Hutchison Drei Austria (Drei) bei der Übernahme von Orange Austria von der Regulierungsbehörde die Auflage erteilt, bis zu 16 virtuellen Netzbetreibern sein Netz zur Verfügung zu stellen.

Vier Dienste aus einer Hand

Auf „stand-alone“-Netzbetreiber kommen laut ADL-Austria-Chef Taga indes schwierige Zeiten. “Mobilfunk alleine wird künftig nicht reichen“, sagt Taga. „Klassische Mobilfunkanbieter werden selbst ins Festnetz investieren müssen oder zukaufen.“ Nur wer „All-in-One-Pakete“ schnüren kann – also Mobilfunk, Festnetz, Internet und TV-Dienste aus einer Hand – wird auch künftig erfolgreich sein können. Andernfalls würden Mobilfunker zu Redimensionierung gezwungen, was einen massiven Stellenabbau zur Folge hätte. „Der Markt für reine Mobilfunkunternehmen wird enger“, betont Taga. „Nur Netzbetreiber zu sein, wird langfristig nicht funktionieren. UPC und Tele2 werden neben der Telekom Austria als neue „All-in-One-Anbieter“ jedenfalls den Markt beleben.
Konkret von der neuen Entwicklung sind die beiden Mobilfunker T-Mobile und Hutchison Drei Austria.

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