Nokia: Comeback mit Android-Tablet N1

Nokia: Comeback mit Android-Tablet N1

Tablet statt Smartphone: Nokia bereitet sich auf das Leben nach Microsoft vor. Das N1 ist der erste Streich.

Der finnische Ex-Handyweltmarktführer Nokia startet ein Comeback mit dem Tablet-PC N1. Ausgerechnet Apples Montagepartner Foxconn soll das Gerät zusammenbauen und vermarkten. Nokia steht mit technischem Rat zur Seite. Microsoft hat die Marke Nokia verbannt.

Espoo. Nichts ist für die Ewigkeit - auch der Name Nokia wird nicht aus dem Alltag verschwinden. Und schon gar nicht aus dem Mobilfunkgeschäft. Während die Handymarke von Microsoft aussortiert wurde, nachdem der US-Konzern die Mobiltelefonsparte übernommen hat, nutzt der finnische Konzern ihn künftig wieder für seine Mobilfunkaktivitäten: Nokia wird ein Android-Tablet auf den Markt bringen. Die Regie überlässt Nokia dabei aber hauptsächlich einem Kooperationspartner. Gut ein halbes Jahr nach dem Verkauf seiner Gerätesparte an Microsoft kehrt Nokia mit einem neuen Tablet-Computer ins Verbrauchergeschäft zurück.

Der finnische Konzern stellte am Dienstag das Modell N1 vor, das mit dem Google-Betriebssystem Android läuft. Sein Display ist mit einer Diagonale von 7,9 Zoll (rund 20 cm) genauso groß wie etwa beim iPad mini von Apple. Das Tablet soll zunächst ab Beginn kommenden Jahres zunächst für 249 Dollar (199 Euro) plus Steuern in China verkauft werden, wie Nokia mitteilte.

Anders als früher stellt Nokia sich diesmal allerdings hauptsächlich den Markennamen sowie sein technisches Know-how in einem Lizenzdeal zur Verfügung. Für Entwicklung, Vermarktung und Service sei der chinesische Produktionspartner zuständig, erklärte Nokia. Nach Informationen des Blogs "GigaOm" ist das der Auftragsfertiger Foxconn, der vor allem als Hersteller von Apple-Geräten bekannt ist. Und noch ein Novum: Nokia setzt auf Googles Betriebssystem Android. Lange Jahre hatte Nokia auf eigene, gleich mehrere Betriebssysteme gesetzt. Als Apple und Google vor gut acht Jahren in den Smartphonemarkt eingestiegen sind, vor allem auch Samsung unaufhaltsam unter anderem mit Googles Betriebssystem Android an die Spitze der Handyhersteller drängte, war es um die Finnen geschehen. Nokia hatte die die Stärke der Newcomer unterschätzt. Und das Smartphone-Geschäft schlichtweg verschlafen. Der einstige Weltmarktührer schien mit Hardware, aber auch mit Anwendungen für die Smartphone-Generation eigentlich recht gut gerüstet sein. Die Vielzahl mehrere Betriebssysteme, unzählige Handymodelle und Fehler im Management führten zum Niedergang.

Bei Microsoft aussortiert

Nokia hatte Ende April den Verkauf seines verlustreichen Smartphone- und Tablet-Geschäfts mit der Marke Lumia an Microsoft abgeschlossen. Der Windows-Konzern vermarktete die Geräte zunächst auch unter dem Nokia-Namen, inzwischen wurde er jedoch zu Gunsten von "Microsoft Lumia" aussortiert.

Nokia war über ein Jahrzehnt unangefochtener Marktführer im Handy-Geschäft. Microsoft galt lange Jahre als Erzfeind der Finnen. Microsoft wurden über ein Jahrzehnt hinweg mehrmals Ambitionen für eine Übernahme des finnischen Telekomausrüsters nachgesagt. Im Februar 2011 wurde in höchster finanzieller Not unter der Leitung des kurz zuvor zum Nokia-CEO bestellten Ex-Microsoft-Managers Stephen Elop eine Partnerschaft mit dem US-Konzern vereinbart. Das Microsoft-Handybetriebssystem wurde auf die Nokia-Handys installiert. Kaum zwei Jahre später war die Übernahme der Gerätesparte mitsamt einiger Lizenzen fix. Microsoft zahlte 3,79 Milliarden Euro für Handysparte und weitere 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen.

Trotz großer Vorschusslorbeeren von Analysten und Experten blieben für Microsoft die Marktanteile der Smartphones und Tablets gering. Die großen Marketing-Anstrengungen haben einmal mehr Microsofts Grenzen im Mobilfunk aufgezeigt. Der US-Konzern versucht bereits seit über 15 Jahren den Anschluss im Mobilfunk als großer Player zu gewinnen. Nokia hat sich mit dem Verkauf der Handysparte konsolidiert und ist seitdem vor allem als Telekom-Netzausrüster und Anbieter der digitalen Karten-Lösung "Here" aktiv.

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