Nebulöse Markenwelten

Nebulöse Markenwelten

Branding bleibt für die Wirtschaft unverzichtbar. Nicht immer ist klar, was eigentlich dahintersteckt.

Bitte lesen Sie sich folgende Textpassagen in aller Ruhe und gerne auch mehrmals durch:

Textbeispiel 1

“Im täglichen Ozean der Möglichkeiten, sind Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Beziehung wichtige Anker bei Kaufentscheidungen. Starke Marken leben von einer konsistenten und widerspruchsfreien Erlebniskette in der Markenwahrnehmung.“

Textbeispiel 2

“Der wesentliche Hebel für das Vertrauen in das Markenversprechen ist die enorme Kundenorientierung. Marke entsteht hier sozusagen von Angesicht zu Angesicht.“

Textbeispiel 3

“Die Einbringung von Marken in „Brand- und IP-Companies“ schafft viele Vorteile: unter anderem die Bündelung und Verwaltung von Marken- und verbundenen Rechten, die Nutzung von Synergien, sowie Zusatz- und Lizenzeinnahmen und leisten dadurch einen Beitrag zur Bonitätsverbesserung.“

Gut, geschafft. Jetzt sagen Sie mir bitte, was damit gemeint ist. Richtig, es geht um Markenwerte, um Branding und insgesamt um Marketing. Aber weshalb in aller Welt verstecken sich die Markenexperten immer hinter solchem Kauderwelsch? Vielleicht weil Branding zwar ein Trendthema ist, sich aber kaum mit konkreten Zahlen festmachen lässt? Aktuelle Markenstudien zum Beispiel sind ja auch im Graubereich zwischen Marketing, Sponsoring und Expertentum angesiedelt. Es fragt ja eh keiner nach, was dahinter steckt.

Jüngster Trend im Geschäftsfeld der obskuren Branding-Analysen: Green Brands. Vor kurzem wurden beispielsweise die „Best Global Green Brands 2012“ vorgestellt. An erster Stelle: Toyota, gefolgt von Johnson & Johnson, Honda, Volkswagen und HP. Also drei Autofirmen unter den Top Fünf. Bei aller Liebe für die „grünen“ Bemühungen der drei Konzerne um Elektroautos, Senkung des Treibstoffverbrauchs, etc. – wie bitte kann ein Automobilhersteller ein „Green Brand“ sein. Das wäre ungefähr so als würde Nordkorea zu den „„Liberty Brands 2012“ und Griechenland zu den „Future Brands 2020“ gezählt werden.

Aber am Branding kommt niemand vorbei, nicht einmal Österreich: Hierzulande läuft ja bekanntlich das Projekt „Marke Österreich“ , bei dem das Image des Landes auch jenseits von Skifahrern und Mozartkugeln verbessert werden soll. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner wird gemeinsam mit dem englischen Berater Simon Anholt dieses „Nation Branding“ vorantreiben. Mit im Team ist übrigens auch Krone-Herausgeber Christoph Dichand - der wird darauf achten müssen, dass er nicht unbewusst Werbung für die Konkurrenz betreibt: „Österreich“ ist ja nicht nur ein Land, sondern auch eine Zeitung. Und damit wissen wir auch ohne Marketing-Geschwafel: Gutes Branding ist nicht umsonst. Zumindest nicht immer.

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