"Wearables" noch nicht reif für den Massenmarkt

"Wearables" noch nicht reif für den Massenmarkt

Dies ist angesichts der weiterhin hohen Preise, des klobigen Aussehens und technischer Beschränkungen wie geringer Akku-Laufzeiten zumindest die Meinung vieler Marktanalysten und Technologiekenner.

Auch auf der Branchenmesse CES in Las Vegas konnten die Anbieter mit ihren neuesten Produkten nicht überzeugen. "Damit die 'Wearables' tatsächlich einen Hype kreieren, müssen sie eine wirkliche Lösung bieten. Etwas, was man vorher noch nicht tun konnte", sagt Mike Bell, der bei Intel für die Entwicklung neuer tragbarer Geräte zuständig ist.

Wegen des langsam abflauenden Booms von Smartphones und Tablets sucht die Technologiebranche händeringend nach neuen Produkten, die die Nachfragelücke füllen und Umsätze generieren können. Nach einem Plus von 39 Prozent im vergangenen Jahr rechnen die Marktbeobachter von IDC bis 2017 beim Smartphone-Absatz im Schnitt nur noch mit Zuwächsen von 18 Prozent. Bei den Tablets soll sich der Aufschlag im laufenden Jahr auf 22 Prozent belaufen, nach 54 Prozent 2013.

Geräte wie die Datenbrille von Google, die Armbanduhren Galaxy Gear von Samsung und Toq von Qualcomm treffen derzeit durchaus auf Interesse. Doch obwohl viele Konsumenten gern einen Blick riskieren und die mit Technik hochgerüsteten Geräte spannend finden, haben sie keine Kaufabsicht. In den zwei Monaten nach Markteinführung des Galaxy Gear wanderte die Uhr Schätzungen zufolge lediglich 800.000 Mal über die Ladentische.

"Alle Geräte sehen gleich aus"

Es scheint auch an der Unterscheidbarkeit zu mangeln. Analyst Stacy Rasgon vom Marktforscher Bernstein fotografierte auf der CES alle tragbaren Kleincomputer, die ihm unter die Linse kamen. "Ich habe 20 verschiedene Fotos, aber wenn ich sie mir anschaue, weiß ich nicht von welchem Anbieter sie kommen. Sie sehen alle gleich aus", findet er. "Die Konzerne testen einfach ganz viel, um zu schauen, was am ehesten beim Kunden hängenbleibt."

Bisher funktionieren die meisten Geräte als Ergänzung zum Smartphone. Man kann mit ihnen Nachrichten lesen oder sich verabreden. Am ehesten erfüllen noch die Fitness-Armbänder von Jawbone, Nike und Fitbit einen eigenen Zweck. Diese helfen beispielsweise Sportlern bei der Aufzeichnung ihrer Leistungen, der Messung des Kalorienverbrauchs und des Schlafverhaltens.

Viele der Hersteller zeigen sich trotzdem optimistisch: "Neue Dinge benötigen Zeit, bis sie sich durchsetzen", sagt etwa Simon Randall von der Firma OMG. Sein Unternehmen steht hinter der Mini-Kamera Autographer, die man sich ans T-Shirt klemmt und die von sich aus Fotos macht. Doch auch die Anbieter wissen um die Herausforderungen. Raj Talluri, der beim Chipkonzern Qualcomm für die Prozessor-Entwicklung zuständig ist, gibt zu, dass noch viel Arbeit beim Energieverbrauch nötig ist. "Die Kunden wollen ihre 'Wearables' nicht jeden Tag aufladen. Sie wollen sie für Wochen tragen."

Auf der CES sorgten dann auch nicht die großen Elektronik-Konzerne wie Samsung und Google für Überraschungen, sondern eher die kleinen Anbieter. So stellte das Pariser Unternehmen Netatmo ein Armband vor, das mit Hilfe eines Sensors die Zahl der Sonnenstunden misst, denen man ausgesetzt war und daran erinnert, sich zeitnah mit Sonnenmilch einzucremen. Ob damit der große Wurf gelingt, ist fraglich. Diesen traut das Gros der Beobachter eher wieder Apple zu. Technologie-Analystin Carolina Milanesi vom Marktforscher Katar Worldpanel sagt: "2014 wird als Jahr der Versuche in die Geschichte eingehen. Und viele Hersteller werden einfach abwarten, was Apple nun macht." Die Gerüchte, dass der iPhone- und iPad-Konzern bald eine eigene Armbanduhr auf den Markt bringt, reißen jedenfalls seit Jahren nicht ab.

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