Verkaufsstart Apple Watch: Keine Schlangen vor den Geschäften

Verkaufsstart Apple Watch: Keine Schlangen vor den Geschäften
Verkaufsstart Apple Watch: Keine Schlangen vor den Geschäften

Mit der Apple Watch kann man auch in Geschäften bezahlen. Außerdem zählt sie Schritte und misst den Puls.

Die langen Schlangen von wartenden Apple-Fans verlagerten sich zum Verkaufsstart der Apple Watch diesmal ins Internet - um die Gefahr peinlicher Bilder vorab auszuschließen. Marktforscher glauben, dass die Smartwatch einen besseren Start hinlegt als das iPad. Und somit auch den Verkauf des iPhones beflügelt.

Lange Schlangen vor den Geschäften? Diesmal nicht: Während bei den Verkaufsstarts neuer iPhone- und iPad-Modelle Bilder von wartenden Apple-Fans um die Welt gehen, verlagerte der Konzern den Startschuss der neuen Apple Watch diesmal ins Internet. Ab 24.4. wird die smarte Armbanduhr in ausgewählten Märkten erhältlich sein, vorbestellt wurde sie aber bereits zwei Wochen vorher im Internet. Österreich wurde nicht für die Premiere des neuen Kultobjekts in spe erkoren; wer aber schon jetzt eine Apple-Uhr haben will, der kann sie in Deutschland bestellen und an eine dortige Adresse liefern lassen.

Branchenbeobachter vermuten, dass Apple den Verkaufsstart ins Internet verlegt hat, um die Gefahr peinlicher Bilder zu vermeiden. Denn schlangestehende Fans im Regen gehören beim iPad und iPhone bereits zum PR-Standardrepertoire des Konzerns – die gänzlich neue Produktkategorie der Smartwatch ist für Apple aber eine große Unbekannte. Stünden weniger Menschen vor den Geschäften als bei den etablierten Produkten, dann wäre dies eine Blamage.

Für den Konzern geht es dabei um viel: Die Apple Watch ist die erste neue Produktkategorie, die unter der Aufsicht von CEO Tim Cook und nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs entstanden ist. Zugleich braucht Apple einen neuen Produktlebenszyklus mit frischem Glanz – denn das Smartphone verliert an Schwung.

Cashcow iPhone

Marktforscher gehen davon aus, dass sich das Wachstum des Smartphone-Marktes verlangsamen wird – was schlechte Nachrichten für Apple sein werden, zumal das iPhone knapp 60 Prozent des Umsatzes 2014 ausmacht. Der Marktforscher IDC erwartet, dass der Absatz des iPhones im Jahr 2018 nur noch 4,8 Prozent wachsen wird – nach 25,6 Prozent im Jahr 2014. Der Konzern braucht also ein neues Produkt. Und das soll die Apple Watch sein.

Die Konkurrenz ist zum Marktstart allerdings bereits groß; angefangen von Apples Erzfeind Samsung mit etlichen unterschiedlichen Modellen über Mitbewerber wie Huawei, Lenovo, LG und Sony bis hin zum Start-up Pebble, das seine Uhr über die Crowdfunding-Plattform kickstarter.com finanzierte. „Nicht all diese Produkte werden die Entwicklung des Marktes überleben“, schreiben Analysten des Finanz-Informationsdienstes Bloomberg, „und es gibt keine Garantie, dass Apples Design gegenüber der Konkurrenz bevorzugt wird.“

Denn die Liste der Kritikpunkte an Apples Produkt ist lang. Der Akku etwa hält lediglich 18 Stunden, während die Pebble auf Grund des stromsparenden Displays mehrere Tage durchhält. Zugleich wird der hohe Preis der Apple-Uhr kritisiert: Die Pebble gibt es ab 99 Euro, die günstigste Apple Watch erst ab 349 Euro – zugleich ist das billigste Apple-Modell jenes, das die meisten Vorbestellungen verzeichnet: Bisher griffen 85 Prozent der Käufer zu der günstigsten Variante.

Preiseliste Smartwatches
Modell Basispreis (Dollar)
Apple Watch Sport 349
Apple Watch 549
Apple Watch Edition 10.000
Samsung Gear S 349,99
Samsung Gear 2 299,99
LG G Watch R 299
Motorola Moto 360 249,99
Pebble Steel 199
Pebble 99
Quelle: Bloomberg

Zugleich erwarten die Marktforscher von IDC, dass die Apple Watch heuer 22 Millionen Mal zu einem Durchschnittspreis von 430,51 Dollar verkauft wird – und somit 9,5 Milliarden Dollar in die Kassen des wertvollsten Unternehmens der Welt spült. Auch glauben die Marktforscher, dass der Konzern aus Cupertino noch heuer die Marktführerschaft bei Smartwatches an sich reißen wird – mit einem Marktanteil von 65,1 Prozent.

Insgesamt sollen heuer 33,8 Millionen „Smart Wearables“ – also Kleidungsstücke mit integrierter Technologie – verkauft werden, nach 4,6 Millionen im Vorjahr. Das klingt nach einer beeindruckenden Steigerung, ist aber in Wahrheit noch ein recht mickriger Markt.

Zum Vergleich: 2014 wurden 230 Millionen Tablets, 308,6 Millionen PCs und 1,3 Milliarden Smartphones verkauft. Vom ersten iPad wanderten 2010 übrigens 17,8 Millionen Stück über die Ladentheke – eine Zahl, die ein wenig an der hochgesteckten Prognose von 22 Millionen Apple Watches zweifeln lässt.

Geht Apples Plan aber auf, so ist dies nicht nur eine gute Nachricht für die Apple Watch, sondern auch für das iPhone – denn die smarte Uhr funktioniert nur in Verbindung mit jüngeren Versionen von Apples Smartphone. Wenn sich die neue Apple Watch also zum Hit entwickelt, dann zementiert dies auch die Loyalität der Fans gegenüber der Cash Cow des Unternehmens, dem iPhone. Und das wäre ein ziemlich raffinierter Schachzug.

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