T-Mobile CEO Andreas Bierwirth: "Wir haben geschlafen!"

T-Mobile CEO Andreas Bierwirth: "Wir haben geschlafen!"

Andreas Bierwirth, Chef von T-Mobile in Österreich, über die Gefahr, dass wir in der digitalen Revolution den Anschluss verlieren, weil wir Angst vor Veränderung haben.

FORMAT: Herr Bierwirth, die Frage zur Urlaubszeit: Wie oft schalten Sie Ihr Handy ab?
Andreas Bierwirth: Ich versuche, es zumindest in der Nacht auf Flugmodus zu schalten. Ganz abschalten geht nicht. Weil mein Wecker ist ja auch im Handy.

FORMAT: So macht es wohl der Großteil der Österreicher. Wäre ich Kundin bei Ihnen, wüssten Sie deshalb alles von mir: Wo ich mich bewege, mit wem ich wie lange spreche, welche E-Mails ich schreibe?
Bierwirth: In der Tat, ich weiß das - nicht ich persönlich, aber unsere Rechner wissen das. Ich kann allerdings aus gesetzlichen Gründen nichts damit anfangen. Wer durchaus etwas mit diesen Daten anfängt, sind sogenannte Over-the-top-Dienste, also etwa WhatsApp, Facebook & Co. Mit dem Eintreten in solche Dienste stimmen Sie zu, sich selbst gläsern zu machen: Ihre Geodaten, Bewegungsprotokolle, Ihre Fotos, mit wem Sie sprechen oder schreiben. Selbst was Sie sprechen, wird registriert und von Rechnern verarbeitet - und etwa für Marketingzwecke verwendet.

FORMAT: Als österreichisches Unternehmen dürfen Sie nichts mit den Kundendaten anfangen, aber WhatsApp, das am selben Handy direkt daneben verfügbar ist und denselben Service bietet, darf das schon?
Bierwirth: Das ist richtig. In den USA gehen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen alle in die Richtung, die Verwendung von Big Data zu ermöglichen. Wir hier in Europa hingegen haben einen sehr engen Verbraucherschutz.

FORMAT: Wenn wir SMS schreiben, sichert das Arbeitsplätze bei Telekom-Unternehmen wie T-Mobile. Wo entstehen Arbeitsplätze, wenn wir alle WhatsApp benützen?
Bierwirth: In der Tat hat WhatsApp in meiner Branche eine neue Kommunikationstechnologie eingeführt. Die Kritik dabei an uns selbst ist: Wir haben geschlafen. Bei WhatsApp kann man Fotos und Videos versenden, das ging bei uns nicht so gut. Das hat WhatsApp erkannt und mit nur 50 Mitarbeitern in der Nähe von Palo Alto zehn Prozent der Umsätze der globalen Industrie disruptiert. Diese Umsätze sind weg. Das sind Effekte, die mit der digitalen Transformation entstehen.

Lesen Sie das ganze Interview mit T-Mobile CEO Andreas Bierwirth in der FORMAT-Ausgabe Nr. 33-34/2015
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