Surface 2 im FORMAT-Test

Surface 2 im FORMAT-Test

Surface 2" gelingt diese Mischung, wenngleich mit Abstrichen.

Während am Dienstag Apples Marketing-Chef Phil Schiller in Cupertino das iPad Air vorstellte, und zwölf Stunden weiter östlich, in Abu Dhabi, Nokia den 10-Zoll-Tablet Lumia 2520 präsentierte, begann Microsoft die zweite Generation seiner Surface-Tablets auszuliefern. Zwei Modelle mit unterschiedlichen Speicher-Ausstattungen stehen zur Auswahl: der dünnere Surface 2, mit ARM-Prozessor und dem Betriebssystem Windows RT 8.1 ist ab 429 Euro erhältlich; die klobigere Variante Surface Pro 2, mit Intels kraftvoller Haswell-CPU kostet zwischen 879 und 1779 Euro und ist als Laptop-Ersatz positioniert. Format konnte im Vorfeld das Einstiegsmodell des Surface 2, mit 32 GB Solid State Drive, testen.

Hochwertige Verarbeitung

Surface 2 ist um vier Gramm leichter (675 Gramm) und kaum merklich schlanker (8,9 Millimeter anstatt 9,4) als das Vorgängermodell. Doch das neu designte Gehäuse liegt besser in der Hand und wirkt hochwertig verarbeitet, widerstandsfähig und “aus einem Guss”. Wie auch die erste Version wird das Chassis des Surface 2 mittels Spritzgussverfahren hergestellt, beim neuen Modell konnten die Wände etwas dünner gefertigt werden. Das Gehäuse ist erneut aus VaporMg, einer Magnesiumlegierung, auf der Fingerabdrücke kaum aufscheinen und die relativ unempfindlich gegenüber Kratzern ist. Die matte Oberfläche des nur in Silber erhältlichen Geräts wirkt zurückhaltend elegant. Unverändert sind indes die Anschlüsse und Regler an der Außenseite: jeweils links und rechts oben sind kleine Lautsprechergrille, eingebaut, darunter finden sich links der Lautstärkenregler und Kopfhöreranschluss. Auf der rechten Seite sind ein Bildschirm-Ausgang, ein USB- und Stromanschluss unterbracht. Etwas versteckt unter dem Klappständer befindet sich eine MicroSDXC-Schnittstelle. Angesichts ihrer Größe liefern die Lautsprecher einen eindrucksvollen Sound. Im Test war bei der Wiedergabe mancher Videos auf Hulu und Netflix allerdings ein leichtes Klirren hörbar.

Klappständer mit neuem 55-Grad-Winkel

Als willkommene Neuerung lässt sich der eingebaute Klappständer in zwei Positionen anstatt bisher nur einer fixieren. Was nach einem vernachlässigbaren Detail klingt, ist in der Praxis äußerst nützlich. Damit gelingt nun, was mit einem als Hybrid zwischen Tablet und Laptop positionierten Modell ohnehin möglich sein sollte: das Gerät tatsächlich am “lap” zu benutzen. Dank des flacheren Winkels (55 Grad) fällt der Surface 2 dabei nicht bei jeder kleinen Bewegung um. Das charakteristische Klick-Geräusch des Klappständers, das Microsoft zu mehreren Werbespots anregte, fehlt auch beim Surface 2 nicht. Unverändert is auch, dass sich die Klappe nur von der linken Seite des Geräts ausklappen lässt, was für Rechtshänder etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Höhere Bildschirmauflösung, brillante Farben

Ein Highlight des Surface 2 ist der Bildschirm. Mit 1920 x 1080 Pixel liefert er echte HD-Auflösung mit 1080p. Die Vorversion musste noch mit bescheidenen 1366 x 768 Pixel auskommen. Die Größe des Displays ist mit 10,6 Zoll ebenso gleich geblieben wie das Seitenverhältnis von 16:9. Ebenfalls nicht neu: die tadellose Reaktion auf Berührungen und das reflexionsarme Bild. Zwar gibt es Geräte, die pro Flächeneinheit noch mehr Pixel unterbringen – Googles Nexus 10 etwa (2560 x 1600 Pixel bei 10 Zoll) oder Apples Retina-Display (2048 x 1536 Pixel beim 9,7-Zoll großen iPad Air). Doch angesichts des hohen Kontrasts, der leuchtenden Farben und des großen Einsichtwinkels zeigt das Display keinerlei Schwächen. Außerdem sorgen die mit ClearType gerenderten Schriften für ein gewohnt präzises und ruhiges Schriftbild.

Schnellere Prozessoren, gute Akkulaufzeit

Was im Vergleich zum Surface RT sofort auffällt: die Geschwindigkeit. Während beim Vorgängermodell das Starten mancher Apps so lange dauert, dass man meint daneben getippt zu haben, gibt es beim Surface 2 kaum Verzögerungen. Das Booten dauert 17 Sekunden, von der Eingabe des Passworts bis zur Aufreihung der Kacheln von Windows RT 8.1 vergehen gerade einmal vier Sekunden. Der ARM-Prozessor Tegra 4 mit vier Kernen, der Grafikprozessor mit 72 Kernen und 2 GB RAM sind den meisten Multitasking-Aufgaben gewachsen. Ins Schwitzen kommt der Surface 2 nur sehr selten: wenn etwa ein Video Seite an Seite mit einer aufwändigen Website läuft, kann es mitunter ruckeln. Der Akku hält bei intensiver Nutzung (Video, Multitasking) gute sieben Stunden lang.

Bessere Videos bei schwachem Licht

Ebenfalls ein Upgrade hat Microsoft den beiden Kameras verpasst. Die Webcam an der Vorderseite schießt nun Fotos mit 3,5 Megapixel, mit der Qualität eines etwas größeren Sensors. Der Unterschied wird vor allem bei Videos in schlechtem Licht deutlich. Insgesamt wirkt etwa eine Videokonferenz mit Skype besser ausgeleuchtet. Videoaufnahmen sind mit bis zu 1080p HD möglich. Die Kamera an der Rückseite löst Fotos mit fünf Megapixel auf, ein souveräner Wert für Tablets. Im Vergleich: die Frontkamera des neuen iPad Air schießt Fotos mit 1,2 Megapixel, die rückwärtige Kamera mit fünf Megapixel; die Kamera an der Rückseite von Nokias Lumia 2520-Tablet hat 6,7 Megapixel, gegenüber zwei Megapixel an der Vorderseite.

1a Tastatur, kniffliges Touchpad

Die mit dem Testgerät ausgelieferte Tastatur Type Cover 2 verfügt über “richtige” Tasten und ein kleines Touchpad, das aus demselben samtig-rauen Material wie das tastenlose Touch Cover 2 gefertigt ist. Wie der Name verrät, dienen die Tastaturen auch als Schutz des Bildschirms. Befestigt wird das Keyboard über eine magnetische Schnittstelle; beim Verbinden ist ein lautes Klicken hörbar. Der Tablet muss nicht exakt über der Schnittstelle positioniert werden: einmal in der Nähe, erledigt der starke Magnet den Rest. Neu am Type Cover 2 ist eine Hintergrundbeleuchtung, die auch beim Touch Cover 2 verfügbar ist. Diese ist nur in Betrieb, wenn tatsächlich auch getippt wird.

Die Tastatur ist leichtgängig, gibt beim Tippen ein angenehmes Klick-Feedback und bedarf, etwa nach Verwendung einer MacBook Air-Tastatur, keiner Eingewöhnung. Das Touchpad hingegen verlangt dem Benutzer etwas Übung ab. Dieses ist nicht nur kleiner als bei Laptops, auch verleiht das raue Material dazu, zu stark aufzudrücken, was wiederum in ruckeligen Mausbewegungen endet. Der Wermutstropfen: Type und Touch Cover 2, die jeweils in Schwarz, Hellblau, Rosa und Violett erhältlich sind, werden separat verkauft, um satte 129,99 bzw. 119,99 Euro.

Weiterhin karge App-Auswahl

Der Hinweis auf das Betriebssystem Windows RT ist am Surface 2 nur noch etwas versteckt unter dem Klappständer zu finden, doch die Nachteile bestehen weiterhin. Während Surface Pro 2 auch mit traditionellen Desktop-Apps umgehen kann, ist die Auswahl beim Surface 2 auf den Store beschränkt und dessen Sortiment wird Android- und iOS-Benutzer weiterhin enttäuschen. Einige beliebte Apps wie Facebook, Dropbox oder Fitbit sind inzwischen zwar verfügbar. Doch ebenso viele Apps, die das Tablet-Erlebnis ausmachen, fehlen nach wie vor. Es scheint, dass Android und iOS weiterhin die coolen neuen Apps ausfassen, während Microsoft am Aufholen ist.

Doch Windows hat auch seine Vorteile. Dass sich zwei Apps nebeneinander benutzen lassen, ist eine der besten Funktionen der neuen Version RT 8.1. Vor allem aus Sicht eines iOS-Benutzers wirkt das Feature höchst befreiend. Wen es stört, dass Windows RT 8.1 weiterhin wie zwei Betriebssysteme aussieht – Office-Anwendungen bestehen weiterhin auf einem Windows-7-Ambiente – kann den Bruch nun über die farbliche Anpassung der Hintergrundbilder abfangen. Nachteil des dualen GUIs: die Office-Suite ist nicht für den Touchscreen optimiert. Die Benutzung über den Bildschirm ist zwar nicht unmöglich, jedenfalls aber knifflig.

Fazit

Microsoft tritt mit dem ehrgeizigen Anspruch an, ein echtes Hybrid-Erlebnis zu liefern: ein Tablet, der bei Bedarf zum ausgewachsenen PC wird. Mit Surface 2 gelingt diese Mischung, wenngleich mit Abstrichen. Unerlässlich war, dass Microsoft beim Surface 2 die Hardware-Probleme des Vorgängermodells Surface RT löst – und dies ist gelungen: der Prozessor arbeitet zackig, der Bildschirm bekam eine bessere Auflösung verpasst und der Klappständer lässt sich in zwei Positionen fixieren.

Wer noch keinen Tablet besitzt, sollte sich sein Wunsch-Anwendungsszenario genau überlegen. Wer stets gerne die neuesten Apps ausprobiert, für den ist Windows (noch) keine Option. Weitere Windows RT-Tablets, wie das Lumia 2520, könnten die Software-Entwicklung für die Plattform vorantreiben und die Situation mittelfristig verbessern. Wer hingegen vor allem surfen und Videos anschauen möchte und Wert auf eine Windows-typische Office-Umgebung legt, ist mit dem Surface 2 gut bedient.

Nicht zuletzt ist der Formfaktor entscheidend. Das Benutzererlebnis am Tablet hängt eng mit dem Design des Geräts zusammen – Apples Erfolg kommt nicht von ungefähr. Der Surface 2 ist zwar dünner und leichter als die Pro-Version, doch es gibt schlankere Geräte am Markt. Konkurrenz dürfte Microsoft schließlich im eigenen Haus bekommen: das Lumia 2520 unterstützt neben LTE auch Nahfeldkommunikation (NFC). Beides fehlt beim Surface 2, zumindest vorerst noch.

Vorteile :

- hochwertige Verarbeitung
- schnellere CPU
- scharfer Bildschirm mit brillianten Farben
- passable Akkulaufzeit
- Office-Suite vorinstalliert

Nachteile :

- beschränkte App-Auswahl
- Architektur unterstützt keine x86-Software
- Tastatur nicht im Preis inbegriffen
- Lautsprecher klirren manchmal

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