Mobilfunker fordern Breitbandmilliarde und neue Frequenzen

Mobilfunker fordern Breitbandmilliarde und neue Frequenzen

Die Rechnung ist einfach: Eine Milliarde Euro wollen die drei Mobilfunker als Förderung vom Finanzminister zurück haben. Ansonsten drohen "weiße Flecken", geringere Netzgeschwindigkeit und weitere Tariferhöhungen. Neue Frequenzen sollen ab 2017 mit der Digitalen Dividende II versteigert werden.

Wien. Versprochen ist versprochen - darauf pochen die heimischen Mobilfunker über die gemeinsame Interessensvereinigung Forum Mobilkommunikation (FMK). Sie erhöhen den Druck auf Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP), sich zur Auszahlung der Breitbandmilliarde zu bekennen und die Zahlung freizugeben. "Kommt die Förderung nicht, wird es zu Engpässen kommen", warnt Rüdiger Köster, Präsident vom Forum Mobilkommunikation (FMK) und Technikchef bei Österreich zweitgrößtem Mobilfunker T-Mobile.

Sollte das Geld nicht fließen oder die "Breitbandmilliarde" gestutzt werden, drohen die Mobilfunker mit einem verzögerten Ausbau der Netze. Dort wo es noch Lücken mit der Abdeckung gibt, würde der Ausbau mit schnellem Breitband - via Mobilfunk oder Festnetz - sich weiter verzögern - vor allem auch in dünn besiedelten Regionen. In erschlossenen Gebieten könnte es sogar zu Enpässen kommen.

Köster droht gar mit weiteren Tariferhöhungen: "Wenn ein Gut knapp wird, dann wird es sich verteuern." Der LTE-Ausbau sei im Gange und soll bis 2017 großteils abgeschlossen sein. Die Branche hat LTE bereits genutzt, um höhere Tarife anzusetzen.

Die "Breibandmilliarde" entspricht der Hälfte des Versteigerungserlöses aus der Frequenzauktion. Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) hatte erst Anfang der Woche bekräftigt an der "Breitbandmilliarden" festzuhalten. Bis 2020 soll nach Vorgabe des Infrastrukturministeriums (BMVIT-Breitbandstrategie) Österreich flächendeckende mit hochwertigem Breitband-Internet versorgt sein.

Die heimische Mobilfunkbranche klagt seit Jahren über massive Umsatzrückgänge. Im Vorjahr wurde unterm Strich ein Minus beim Umsatz von 5,92 Prozent auf 4,23 Milliarden Euro erzielt. Die Erlöse gingen gar um 14,9 Prozent auf 1,12 Milliarde Euro zurück.

Digitale Dividende II
Der massive Anstieg beim Datenvolumen infolge neuer Datendienste - unter anderem boomt Video - werde außerdem neue, zusätzliche Frequenzen erfordern. "Das Datenvolumen steigt jährlich um rund 60 Prozent", sagt FMK-Chef Köster. Der in den US äußerst erfolgreiche Videodienst Netflix startet demnächst auch in Österreich. Die Mobilfunker rechnen damit nochmals mit einem massiven Anstieg des Datenaufkommens. Ab 2017 könnten die 700-Megahertz-Frequenzen neu zugeteilt werden. "Einen konkreten Zeitplan zum Vergabeverfahren der "Digitalen Dividende II" gibt es noch nicht, sagt Köster im Gespräch mit Format.at.

Nach der teuren Auktion im Vorjahr, steigen die Mobilfunker beim Preis bereits für die neue Auktion freilich auf die Bremse. Regulatorische Vorgaben, so FMK-Präsident Köster, drückten der Mobilfunkbranche zusätzlich auf den Profit. Gleichzeitig sind die Mobilfunker aufgrund der restriktiven Vorgaben beim Ausbau der neuen Netze in der Pflicht. So soll eine flächendeckende Breitbandversorgung bis 2020 erfolgen.

500 Millionen Euro müssen die drei Netzbetreiber A1, T-Mobile und Hutchison Drei Austria ("3") alleine für die neue LTE-Mobilfunktechnologie bis 2017 investieren - neben den üblichen Netzinvestitionen in dreistelliger Millionenhöhe pro Mobilfunker. Dass die Mobilfunker aufgrund jahrelange Kampfpreise (etwa Null-Euro-Handy, massive Tarifsenkungen) auch ein Teil die Umsatz- und Profitrückgänge sich selbst zuzuschreiben habe, will sich die Branche nicht anheften.

Mehr Freiräume, mehr Kooperation
Vielmehr sieht der FMK-Chef regulatorischen Vorgaben als Daumenschraube. Köster fordert weitergehende Erleichterungen bei den Rahmenbedingungen. Die drei Mobilfunker wollen die Kooperation bei der gemeinsamen Nutzung von Funkstandorten intensivieren. Ebenso sollen die Vorgaben des Telekom-Regulators beim nationalen Roaming zugunsten der Netzbetreiber mehr Freiräume und somit auch mehr Rechtssicherheit bringen, so Köster.

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