Mobile Payment: Apple & Co gegen Banken und Telkos

Mobile Payment: Apple & Co gegen Banken und Telkos
Mobile Payment: Apple & Co gegen Banken und Telkos

Zur Kasse: Smartphones und Uhren ersetzen Geldbörsel und Plastikggeld. Und die IT-Konzerne drängen bei Finanzgeschäften in die erste Reihe.

Banken bekommen neue Konkurrenz: Die Generation Y wendet sich von klassischen Banken ab. Neue Finanzdienstleister haben mehr zu bieten. Für Telekom-Anbieter wird es Zeit, ihre Strategien neu zu justieren. Allein oder in Kooperation mit Banken.

Wer braucht künftig noch eine Bank? Für die Generation Y, die ab 1990 geborenen Millennials ist der sogenannte „Bankbeamte“ mit seiner etablierten Bank oder Sparkasse eher ein Auslaufmodell. Laut Beratungsunternehmen Arthur D. Little (ADL) können sich 33 Prozent der Millennials vorstellen künftig auf Banken oder Sparkassen zu verzichten. Für 73 Prozent der Befragten sind künftig neue Finanzdienstleister, die aus der Startup-Szene kommen, die bevorzugte Adresse für Finanzgeschäfte.

Ein Dauerbrenner seit Jahren ist das Thema Mobile Payment, das schon über zehn Jahre auch beim Mobile World Congress auf der Agenda steht, der kommende Woche in Barcelona auf der Agenda steht. Und noch immer in vielen Ländern quasi einen Dornröschen-Schlaf hält oder einfach nicht aus den Startlöchern kommt. Präsentiert wurden auf der Handy-Show immer wieder Lösungen. Nokia hat Mobile Payment noch als Weltmarktführer präsentiert – also lange bevor die Handydivision der Finnen von Microsoft geschluckt wurde

Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2008 mit großem Trommelwirbel Mobile Payment beworben. Der große Durchbruch? Fehlanzeige! Plastikgeld, Cash, die Banküberweisung und Lastschrift haben für Kunden noch immer Vorrang. Und Mobilfunkbetreiber haben in den vergangenen Jahren das Thema bestenfalls auf die „Warteliste“ genommen. Oder wie in Österreich passiert: Die Banklizenzen, die von den Netzbetreibern vor über ein Jahrzehnt gelöst wurden, um Inkassogeschäfte im Mobile Business selbst abwickeln zu dürfen, wurden wieder retourniert. Mit sogenannten Local Based Services (LBS) wollten die Betreiber an das große Geld. Der Terminus LBS ist Anachronismus, wie die Ambitionen der Telkos auch via Handy Zahlungen abzuwickeln.

Die App-Economy setzt aber zunehmend die Telekom-Branche unter Druck. Telkos sind dabei fast nur noch Zaungäste und hauptsächlich nur Leitungsanbieter. Andere machen nun das Geschäft. Apple, Google, Samsung, unzählige kleine Anbieter, aber auch Einzelhandelskonzerne greifen neben unzähligen Startup- oder kleinen Software-Companys zum Geldbörsel ihrer Kunden. Smartphone mit Apps statt Cahs oder Plastikgeld heißt die Devise. Weltweit hundert Unternehmen bieten bereits Mobile-Payment-Dienste an, die Großteils von Kreditkartenunternehmen unterstützt werden.

Telkos zurück an den Start

Arthur D. Little sieht Handlungsbedarf für die Finanzbrache, aber auch für die Telekomanbieter. Im Beraterjargon heißt das „Konvergenz von Banken und Telekom“. Spätestens seit Apple Pay im Vorjahr präsentiert wurde, scheint auf einmal in den beiden Branchen Eile geboten. In über 220.000 Geschäften ist Apple Pay verfügbar. Pro 100 Dollar Umsatz soll Apple von der Bank, die für die Verrechnung zuständig ist, 15 Cent mitschneiden.

Mittlerweile sollen sich weit über eine Millionen iPhone-Nutzer den Zahlungsdienst zumindest freigeschaltet haben. Auch Google Wallet, seit 2011 Online, soll weiter ausgebaut werden. Der Zahlungsdienst CurrentC, der von großen Einzelhändlern wie Walmart und Target als Gegenstück im Herbst 2014 gestartet ist, erfreut sich trotz Hacker-Attacke noch vor seinem Marktstart in den USA großer Beliebtheit.

Abkehr von der Bank

Die neuen Zahlungsdienste sind nur ein Teil und der Anfang für das Bankgeschäft der Zukunft, wenn man den Prognosen glauben darf. Und es geht um Daten, die Kunden freiwillig großen Unternehmen zur Verfügung stellen. Und damit um ein Milliarden-Business, wo sich nicht nur der Handel und die Apples und Googles ein kräftiges Stück abschneiden wollen.

Neue Chancen

Hier setzen die ADL-Berater an, die für die Telekom-Branche ein neues Betätigungsfeld sehen. Telekom-Anbieter sollten demnach ihren Kunden Finanz-Produkte anbieten. Der Vorteil für die Telkos: Sie haben im Regelfall mehr Kunden als Banken. Und den besseren, noch direkteren Zugang. Und nach der Finanzkrise haben die Banken im Vergleich zu Telekom-Unternehmen ein „Image-Problem“. ADL schlägt Banken daher eine „co-opetition“ – also eine Mischungsform von Kooperation und Wettbewerb, um letzten Endes gemeinsam sich gegen die Konkurrenz zu stemmen.

Afrika spielt dabei eine Vorreiterrolle. Safaricom hat beispielsweise mit M-Pesa im Jahr 2007 in Kenia Finanzdienste eingeführt. In der tiefsten Provinz, wo Banken nie eine Filiale eröffnen würden, können via Agents klassische Bankgeschäfte per Mobilfunk abgewickelt werden. So können Geldtransfers unbar via Mobilfunk erledigt werden. Als Agent fungieren Lebensmittelhändler, Tankstellen oder selbst Inhaber von kleinen Kiosken. Wesentlicher Vorteil: Kunden brauch selbst kein Konto. Seit 2012 werden auch Kredite über das System des Providers vergeben.

Aber auch in Europa haben bereits Telekom-Unternehmen das Finanzgeschäft entdeckt. In Polen bieten seit kurzem drei der vier Mobilfunker Finanzservices an – in Kooperation mit Banken oder über eigene Finanz-Plattformen.

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