M-Payment: Bares ist nicht mehr Wahres

M-Payment: Bares ist nicht mehr Wahres

Dank neuer Technologien wird das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Handy immer einfacher und sicherer. Langfristig soll das Bargeld ganz aus dem Handel verschwinden. Doch obwohl in Österreich 8,6 Millionen Bankomatkarten im Umlauf sind werden 80 Prozent der Einkäufe im Handel nach wie vor mit Bargeld bezahlt.

Die Schlange vor der Supermarktkasse ist endlos, denn jeder Kunde kramt nach passenden Scheinen oder müht sich mit Karte und PIN-Code ab. Das soll bald der Vergangenheit angehören: Das kontaktlose Bezahlen mit Handy oder Kreditkarte ist technisch längst kein Problem mehr - jetzt hapert es nur noch an der Bereitschaft der Konsumenten, die neuen Möglichkeiten des M-Payment (mobiles Bezahlen) auch zu nutzen.

Neue Bankomatkarten mit NFC-Technologie (erkennbar an dem Funksymbol) brauchen nicht mehr ins Terminal gesteckt werden, Beträge bis 25 Euro können sogar ohne PIN-Eingabe bezahlt werden. NFC steht für Near Field Communication und ermöglicht die Übertragung von Daten über kurze Distanz, etwa von einer Bankomatkarte mit entsprechendem Chip zum Bezahlterminal. "Kontaktloses Bezahlen wird sich durchsetzen“, ist Roger Niederer, Geschäftsführer des Payment-Dienstleisters PayLife, sicher. Derzeit werden vermehrt Anfragen von Läden registriert, die ihre Terminals umrüsten wollen. Von den rund 67.000 Bankomatkassen in Österreich sind 13.000 bereits mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet; in zwei bis drei Jahren soll die komplette Umstellung erfolgt sein.

Erst der Anfang der Entwicklung

Die Österreicher, traditionell Anhänger von Bargeld, sollen auch kleine Beträge kontaktlos mit Karte oder Smartphone bezahlen. Die Vorteile für Kunden und Handel: Der Bezahlvorgang wird rascher, die Verbindung mit Loyalty- und Aktionsprogrammen wird vereinfacht, zudem können weitere Anwendungen wie ortsbezogene Datenübermittlung verbunden werden. Unser Smartphone könnte uns zur Mittagszeit mit Meldungen wie diesen erfreuen: "Der nächste Würstelstand ist 500 Meter entfernt, bezahlen Sie bargeldlos mit dem Handy.“ Mahlzeit!

Die Route scheint vorgegeben: Von der einfachen Bankomat- und Kreditkarte zur NFC-Karte, weiter zum Smartphone und schließlich der totale Verzicht aufs Bargeld. Doch das dauert noch, unter anderem wegen der Sicherheitsbedenken der Konsumenten. Jeder zweite wollte laut Umfrage im Februar die NFC-Funktion sogar deaktiveren lassen. Sie fürchten, dass Kartendaten von Gaunern ausgelesen und missbräuchlich verwendet werden könnten. "Wenn der Kellner mit der Kreditkarte nach hinten verschwindet, ist das viel unsicherer“, sagt Kurt Schmid, Chef des M-Payment-Beraters Nexperts. Via NFC könnten nur Kartennummer und Ablaufdatum herausgelesen werden und bisher habe es keine Schadensfälle in Österreich gegeben - das bestätigt PayLife-Chef Roger Niederer, auch einer der Vortragenden beim M2M-und Mobile-Payment-Forum am 20. Mai in Wien (www.m2m-forum.at) .

Umstieg erleichtern.

Die Rechnung der involvierten Unternehmen: Je einfacher das Bezahlen mit Karte, desto eher steigen die Konsumenten auf Kartenzahlung um und sorgen für eine Umsatzsteigerung. Auch kleinere Händler sollen davon überzeugt werden, dass das bargeld- und kontaktlose Bezahlen besser ist - dazu gibt es spezielle Module für das Smartphone, mit denen Bezahlvorgänge durchgeführt werden können. Kein Wunder also, dass sich viele Anbieter um das M-Payment reißen, von Mobilfunkern über Banken bis zu App-Entwicklern.

Die A1-Tochter Paybox, die sich vor allem beim Handyparken breitmacht, litt zuletzt aber unter Netzausfällen und einer Vertragsänderung. Überhaupt werden den Banken die größeren Chancen zugestanden, im M-Payment Kasse zu machen. Der Grund: Die Konsumenten vertrauen ihnen und wollen lieber über ihr Bankkonto bezahlen. "Die Mobilfunker werden sich wohl auf eine Enabler-Rolle beschränken müssen“, sagt Kurt Schmid. Beim branchenübergreifenden M-Payment-Projekt "Austria Wallet“ sollen alle Player an einen Tisch gebracht werden, um die technischen und kommerziellen Parameter festzulegen - was gar nicht so einfach ist.

Zukunft: Smartphone statt Karte

Das Smartphone könnte langfristig dank passender Software die Karte ersetzen. Eine passende Lösung bietet das Tiroler Unternehmen Secure Payment Technologies mit seiner VeroPay-App, mit der bereits an rund 5.300 Kassen in Österreich bezahlt werden kann, darunter in Filialen von Billa, Merkur und Hartlauer. Die Möglichkeit, während des Wartens die Bezahlung vorzubereiten, soll ein Kernargument für VeroPay sein.

Die technologische Entwicklung ist nicht aufzuhalten: HCE (Host Card Emulation) als Ergänzung der NFC-Technologie ermöglicht es, mittels Software am Handy eine sichere Umgebung für Zahlungen zu simulieren, ohne dass dafür eine eigene SIM-Karte nötig wäre. Entsprechende Standards wurden von Google bei der jüngsten Version seines Android-Betriebssystems berücksichtigt. Eine weitere interessante Technologie ist Bluetooth Low Energy, das akkuschonenden Einsatz von Bluetooth ermöglicht.

Visa schätzt, dass in sechs Jahren die Hälfte aller Zahlungen via Smartphone erfolgen wird. Werden langfristig Kredit- und Bankomatkarten im Handy verschwinden? PayLife-Boss Roger Niederer ist skeptisch: "Das Smartphone wird die Karte nicht ersetzen.“ Schmid hingegen glaubt, dass das Mobiltelefon die "Evolution des kontaktlosen Bezahlens mit Kreditkarte“ darstellt, langfristig werden die Karten verschwinden. "Mit dem Handy ist das Bezahlen transparenter, weil ich alles auf einen Blick sehe.“ Ein Faktor sind dabei die Entgelte für Kartenzahlungen, die sogenannten Interchange Fees: Die EU will diese in Zukunft deckeln, wogegen die Kartenanbieter und die Banken Sturm laufen. Das würde das Kreditkartengeschäft nach Ansicht von Experten zwar kurzfristig beeinträchtigen, langfristig aber stärken, denn dann könnten Kartenzahlungen für Händler und in weiterer Folge für Kunden attraktiver werden. "Im Prinzip ist es den Konsumenten egal, ob NFC, Bluetooth oder was auch immer - Hauptsache, es funktioniert“, sagt Roger Niederer.

Apps statt Münzen


Fast Food Bei McDonald’s soll es mithilfe einer neuen Bestell-und Bezahl-App noch rascher gehen. Ab 21. Mai können über die neue "Quick Mac“-App (kostenlos für iOS und Android) Bestellungen aufgegeben und gleich via Paybox, PayPal oder Kreditkarte bezahlt werden. Die Speisen und Getränke sind bei einem eigenen Schalter abzuholen.


Schnell bezahlen. Mittels der Quick-App von PayLife und eines NFC-fähigen Android-Handys kann jederzeit der Guthabenstand der kontaktlosen Quick-Karten abgefragt werden. Das Miniprogramm ist kostenlos im Play Store von Google erhältlich.


Barcode. Mit der VeroPay-App kann u. a. bei Billa und Hartlauer bezahlt werden. Es wird ein einmaliger Strichcode erzeugt, der an den Kassa-Scanner gehalten wird. Zuvor muss vom Nutzer ein Code am Handy eingegeben werden.

Mobile

Sicher im Urlaub: Eine App informiert über Reisewarnungen

Technik

TKG-Novelle bringt Vorteile für Handykunden

Mobile

Mobile Kapitulation: Firefox OS verschwindet vom Handy