"Hängt das nicht der Auktion um!"

"Hängt das nicht der Auktion um!"

FORMAT: Ihr Job ist es, den Mobilfunk-Anbietern auf die Finger zu schauen und manchmal deren öffentlicher Reibebaum zu sein. Trifft es Sie, dass jetzt so massiv Dampf abgelassen wird wegen der angeblich total überhöhten Preise für neue Handy-Lizenzen?

Georg Serentschy: Persönlich trifft es mich nicht, ich bin das ja gewohnt. Es ist ja auch in Ordnung, dass sie Dampf ablassen. Die Netzbetreiber haben monatelang nicht darüber sprechen können, jetzt fliegt der Deckel vom Topf.

Aber mit größerer Wucht als sonst ...

Serentschy: Ich habe auch Verständnis dafür, dass jeder Bieter seine eigene Story hat, mit der er seine Eigentümer, Investoren und Kunden bedient. Wenn aber der Vorwurf laut wird, der Regulator mache Firmen oder den Standort kaputt, werden ganz klar Grenzen überschritten. Sorry, aber das muss ich korrigieren.

Viel kritisiert wird das Design der Frequenz-Auktion. Es war ein internationales Standardverfahren, das Sie für Österreich adaptiert haben. Was denn konkret?

Serentschy: Wir haben 160 Auktionen im Vorfeld analysiert. Und wussten, dass die Gefahr von Absprachen bei drei – statt vier oder fünf – Anbietern sehr hoch ist. Da kann es dann sehr schnell zu einer ineffizienten Frequenzaufteilung kommen.

Die Betreiber kritisieren die mangelnde Transparenz im ersten Teil der Versteigerung, der verdeckten Bietphase. Zu Recht?

Serentschy: Das hat sie geärgert, dass sie nicht von Anfang an wussten, was der andere bietet. In der frühen Phase der Auktion musste die Transparenz so sein, damit Absprachen nicht möglich sind.

Hätten Sie als Herr des Verfahrens nicht eingreifen können, als Sie gesehen haben, dass die Preise offensichtlich nach oben eskalieren?

Serentschy: Genau das ist ja in der Runde 39 (von 72) passiert. Als wir gesehen haben, dass es keine Kollusionstendenzen gibt, haben wir „aufgemacht“. Dann haben die Betreiber aber kurioserweise nicht begonnen, sich auf ihren Paketen „einzuparken“, sondern haben sich gegenseitig hochlizitiert. Das war auch der Grund, warum wir am Ende dieser Phase schon einen sehr hohen Preis hatten. Die Betreiber haben sehenden Auges weiter hochaggressiv geboten.

Wie haben die Betreiber generell agiert?

Serentschy: Es war unterschiedlich. Jeder hat so seine Phasen gehabt. Aber alle drei waren viel, viel offensiver als wir dachten. Wir als Auktionator kennen ihre Bieterstrategien und Businesspläne ja nicht.

Die Betreiber haben im Sommer Trockentrainings mit der Software gemacht. Warum lief das im Echtbetrieb so anders? An der Marktlage hat sich ja nichts geändert seither. Was versteigert wird, war klar.

Serentschy: Beim Training haben sie Dummygebote abgegeben. Ob man mit 500 Euro oder 50 Millionen bietet, sollte eigentlich egal sein. Die Strategie ist entscheidend. Und da war es von vornherein klar, dass ein Nachfrageüberhang bestand. Plastisch gesprochen: Der Reflex „Ich will mehr, ich will mehr“ war sehr groß. Deswegen haben wir bei der echten Versteigerung dann auch die Preiserhöhung pro Runde von fünf auf zwei Prozent reduziert.

Hätten Sie noch mehr tun können?

Serentschy: Als Auktionator kann man fast nichts machen. Nach welchen Kriterien sollte ich eine Grenze ziehen und sagen, da ist Schluss. Diese Rolle steht mir nicht zu. Wo wir eingreifen konnten, haben wir es getan. Wir haben den Betreibern auch die Möglichkeit gegeben, schneller die Frequenzpakete zu finden, die sie brauchten. Das hat aber keinen Effekt gezeigt. Am Ende der verdeckten Bietphase wären sie durch defensiveres Verhalten wesentlich billiger weggekommen. Dann wäre deutlich weniger rausgekommen. Aber wenn einer – bildlich gesprochen – sagt, „ich will den halben Kuchen haben“, und der zweite sagt, „das lasse ich mir nicht gefallen“, dann passiert so etwas. Der Kuchen kann nicht größer werden.

Sie spielen auf die Telekom Austria an ...

Serentschy: Ich kann ja verstehen, aus welchen Überlegungen heraus sie unbedingt die Hälfte des Spektrums haben wollte. So war offensichtlich der Plan. Aber man sollte danach keine Krokodilstränen vergießen, und vor der Politik und den Investoren mit dem Taschentuch winken. Hinter diesem Verhalten stand eine strategische Absicht. Wenn ich ganz bewusst 50 Prozent des Spektrums haben will, muss ich wissen, das wird teuer.

So wie in Tschechien die Auktion abzubrechen, wäre keine Option gewesen?

Serentschy: Dieses Beispiel aus Tschechien kann ich schon nicht mehr hören. Dort gab es tatsächlich einen Fehler im Auktionsdesign. Dort hatten die Bieter das unlimitierte Recht, ihre Gebote zurückzuziehen. Das ist, wie wenn man sich an den Roulettetisch setzt, verliert, und dann seinen Jeton-Stoß wieder mitnimmt. Dass dabei nichts rauskommen kann, ist klar.

Als Folge der Versteigerung wird nun von Arbeitsplatzabbau, Investitionsproblemen und höheren Handy-Tarifen gesprochen?

Serentschy: Lassen wir die Kirche bitte im Dorf. Preissteigerungen und Mitarbeiterabbau sind im Zuge des Mergers von Orange und Drei offenbar schon lange schwebend. Warum konsolidiert die Branche? Weil man Skaleneffekte nützen muss. Tatsache ist, dass die Betreiber seit einem Jahr die Preise erhöhen. Ich kritisiere das ja alles nicht, aber bitte – hängt das nicht der Auktion um!

Ich weiß, es ist nicht Ihr Job, sich Gedanken zu machen, was mit dem Geld passiert. Wenn es aber Ihres wäre, was würden Sie tun?

Serentschy: Als Staatsbürger würde ich mir wünschen, dass es tatsächlich zur Breitbandförderung und für eine digitalen Offensive eingesetzt wird und nicht zum Stopfen von Budgetlöchern. Ich glaube, dass man die Politik daran erinnern sollte.

Hat sich die Infrastrukturministerin bei Ihnen gemeldet? Die Stimmung im Ministerium scheint ziemlich ausgelassen zu sein?

Serentschy: Ja, man hat mir ein SMS geschickt und sich bedankt für die gute Abwicklung.

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