Emporia im Smartphone-Zeitalter angekommen

Emporia im Smartphone-Zeitalter angekommen

Alleine Chefin: Eveline Pupeter hat nun das Sagen bei Emporia

Der oberösterreichische Senioren-Handyhersteller Emporia startet neu durch: Das Unternehmen wurde nun von der Minderheitseigentümerin Eveline Pupeter komplett übernommen. Und das Linzer Unternehmen bringt nun sein erstes Smartphone auf den Markt.

Barcelona. Eveline Pupeter, bisher vor kurzem nur Ein-Drittel-Eigentümerin des Linzer Mobiltelefonherstellers Emporia, stellt künftig alleine die Weichen des 120 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Ihr langjähriger Partner Albert Fellner, der mit der AF-Stiftung zuletzt 67 Prozent gehalten hat, ist kürzlich aus familiären Gründen ausgestiegen.

Kaufpreis? "Das bleibt geheim", sagt die 54-jährige Emporia-Chefin im Gespräch mit FORMAT. Zusammen mit Fellner, der aus familiären Gründen den Exit genommen hat, wurden zuletzt noch die Weichen für die Zukunft gestellt. Emporia bringt im April sein erstes Smartphone für Senioren auf den Markt. Die einfache, intuitive Benutzung, was Haptik und speziell mit Funktionen belegte Tastaturknöpfe anbetrifft, steht wie bei den bisherigen Produkten im Vordergrund.

Preisverfall drückt Margen

Die Zeiten sind jedoch nicht einfach. Emporia kämpft in seiner bisher lukrativen Nische mit einem Massiven Preisverfalls - trotz Produktion in China und trotz zuletzt bequemer Nische als Hersteller von Seniorenhandys. Auf dem Mobile World Congress 2015 in Barcelona hat die Emporia-Chefin auch bei der Standgröße massiv reduziert. Statt einem großen Stand begnügt sich Emporia mit einem Eckerl am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftskammer Österreich.

"Ein großer Stand, kostet viel Geld", so Pupeter. Geld, da man viel lieber in die Forschung und Entwicklung steckt. Und dennoch: In einem ganzseitigen Beitrag des Messemagazins war Emporia-Chefin Pupeter quasi omnipräsent auf dem Mobile World Congress, was auch das Interesse von größeren Telekomanbieter wie die Telefónica Móvil aus Spanien angezogen hatte.

Rund drei Millionen Euro hat sich Emporia die Forschung zum neuen Smartphone kosten lassen. An der Universität in Camebridge, an der Universität Linz und im eigenen Unternehmen wird für ein speziell für Senioren taugliches Smartphone schon seit fast drei Jahren geforscht und getestet. Unterm Strich bleibt im Geschäftsjahr daher nur noch eine Null übrig, bei rund 30 Millionen Euro Umsatz.

Neustart mit Oldie-Smartphone

Ist es nicht zu spät für ein Seniorenhandy? "Nein", erwidert Pupeter prompt. "Wir haben genau geschaut, was die Leute wollen. Und es gibt noch immer Menschen, die bisher noch kein Mobiltelefon besessen haben." Fazit der Forschung: Selbsterklärend und mit wenigen Tastaturbefehlen und einfach nutzbar muss ein Smartphone für die Personen der Generation 55+ sein. 20 neue Patente hat Emporia für sein neues Smartphone angemeldet.

Ein besonders überraschendes Ergebnis brachte die Forschung. Die Generation 55+ hat offenbar eine hohe Affinität zum Fotografieren mit dem Handy. "Und die Leute wollen unbedingt Bilder verschicken", bekräftigt die Emporia-Chefin. WhatsApp sei dafür die geeignete Funktion. "Daher haben wir das auch prominent am neuen Smartphone vorinstalliert", so Pupeter. Ebenso wie die Bildergalerie.

Auch die Konkurrenz zu den größeren Herstellern, die zuletzt alle Smartphones mit größerem Bildschirm auf den Markt brachten, was die Nutzung auch für Einsteiger vereinfacht, schreckt die Emporia-Chefin nicht. “Ältere Menschen wünschen sich ein einfach zu nutzendes Handy.” "Die Smartphones der Konkurrenz sind für unsere Zielgruppe noch immer kompliziert und mit zu vielen Funktionen ausgestattet", so Pupeter.

Das neue Emporia-Werkel besitzt daher ein aufklappbare Tastatur, wo der Nutzer die Nummer eintippen kann. Eingaben am Bildschirm können per Fingertipp oder mit dem einem beigefügten Stift erfolgen.

Zurück zu den Providern

Das Senioren-Smartphone soll im April in Österreich auf den Markt kommen. Im Business-Plan wurde ein Absatz von 25.000 Stück zum Stückpreis von 299 Euro kalkuliert. “Verkaufen wir mehr, dann bin ich zufrieden. “Alles über 50.000 Stück wäre super”, so Pupeter. Der Verkauf erfolgt zunächst nur über die Händler.

Freilich würde die Emporia-Chefin auch wieder mehr Beachtung bei den Mobilfunkbetreibern finden. Derzeit ist Emporia bei großen Providern nicht die erste Wahl.

Neben dem Senioren-Smartphone bringt Emporia noch drei weitere neue Feature-Phones auf den Markt Allerdings, räumt die Emporia-Chefin ein, sie bei diesen technisch einfacheren Geräten auch die Marge nicht so hoch - trotz Produktion in Shenzhen in China.

Oldtastic für die Zukunft

Das nächste Software-Projekt in der Form einer neuen App hat die Emporia-Chefin schon im Auge: "Ich denke daran, dass wir eine App machen nach dem Vorbild von Runtastic für Senioren."

Emporia wurde im Jahr 1991 gegründet und handelte zunächst mit Elektronik- und Telekomprodukten. Erst ab dem Jahr 2000 hat sich das Unternehmen auch auf die Produktion von Handys für Senioren und beeinträchtigte Menschen fokussiert. In den Jahren 2011 und 2012 hat das Unternehmen mehrere Designpreise gewonnen.


Die nunmehrige Alleinchefin Eveline Pupeter ist im Jahr 2003 in die Geschäftsführung des Familienunternehmens eingestiegen.

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