Der Walkman ist zurück

Simpel und intuitiv: Android dient als Software-Basis.

Von außen betrachtet ist der neue Walkman von einem Smartphone kaum zu unterscheiden.

Wenn es ein Markenname einmal geschafft hat, als Synonym für eine ganze Gerätegattung zu stehen, kann man das durchaus als Erfolg bezeichnen. Dem japanischen Unterhaltungs-Riesen Sony ist dies mit den Marken Playstation und Walkman gleich zweimal gelungen.

Während die Playstation nach wie vor eine unumstößliche Größe in der Videospiel-Welt darstellt, ist es um den Walkman ruhiger geworden. Bis jetzt: Der neue Media-Player NWZ-F886, der vor allem mit besserem Sound punkten möchte, soll iPod und Co kräftig ins Schwitzen bringen.

Edel verarbeitet

Von außen betrachtet ist der neue Walkman von einem Smartphone kaum zu unterscheiden. Gerade einmal die etwas geringere Größe lässt drauf schließen, dass es sich um etwas anderes handeln könnte – und freilich die hochwertige und makellose Hardware-Verarbeitung aus Glasfront und Metall-Korpus, die heutzutage maximal High-End-Telefonen vorbehalten bleibt.

"Das Telefon ist nun eingerichtet"

Wirklich abschütteln lässt sich die Smartphone-DNA aber auch durch das Einschalten des Geräts nicht. Nach dem erstmaligen Einrichten der Android-Oberfläche (Version 4.1) erhält man buchstäblich die skurrile Nachricht: "Das Telefon ist nun eingerichtet". Was nicht nur lieblos klingt, sondern auch falsch ist, weil man mit dem Walkman eben nicht telefonieren kann, hat aber auch seine Vorteile. Die volle Vernetzung via WLAN, Bluetooth und NFC ermöglicht es nicht nur, sich mit diversen Docks und kabellosen Headsets zu verbinden, sondern sich auch Apps und Games aus dem Google Play Store runterzuladen. Oder spontan mal was im Internet nachzuschauen, wenn ein Hotspot verfügbar ist.

Simpel und intuitiv

Android dient als Software-Basis. Im Betriebssystem findet sich jeder zurecht, der ein Smartphone sein Eigen nennt. Die Oberfläche wurde beim NWZ-F886 aufs Wesentliche reduziert, dank hervorragendem OptiContrast-Touchscreen (854x480 Pixel) flutscht die Bedienung nur so dahin. Auch bei widrigen Lichtverhältnissen wie direkter Sonneneinstrahlung. Erfreulich auch die Akkuleistung, mit der man sich angenehm von Smartphone-Sphären abheben kann: Über 25 Stunden kommt man mit einer Ladung aus.

Klangwunder

Um den neuen Walkman klar von anderen tragbaren Geräten, also auch Smartphones bzw. Handys, hervorzuheben, hat sich Sony auf die Verbesserung der Klangeigenschaften fokussiert. Und die sind erheblich ausgefallen: Unter dem Label "Hi-Res Audio" wurde dem Gerät der eigens konzipierte S-Master HX Digital Verstärker verpasst, der Störungen und/oder Verzerrungen im kompletten Frequenzbereich erheblich reduzieren soll.

Ein weiterer Vorteil von "Hi-Res Audio" ist die Flexibilität hochwertiger Audio-Formate: FLAC (Free Lossless), ALAC (Apple Lossless), WAV, AIFF oder DSD - all diese Formate sind neben MP3 keine Hürde und lassen sich sehr simpel via Drag&Drop auf den Player ziehen. Die Sache hat aber leider auch ein paar Haken.

Die Haken

Wirklichen Hammer-Sound gibts nur mit "Hi-Res Audio" Kopfhörern, wie zB. den MDR-10 RBT

So beeindruckend die Musik-Samples, die Sony auf dem Walkman vorinstalliert hat, auch klingen, sind solch hochauflösende Audio-Formate nicht selbstverständlich, schon gar nicht verbreitet und, wenn man sie (nach)kaufen muss, meist teurer als normale MP3s. Und selbst wenn nur die eigene MP3-Bibliothek besser klingen soll, ist es leider absolut unverständlich, dass Sony zwar hochwertige In-Ear-Kopfhörer beilegt, diese aber nicht dem "Hi-Res Audio"-Standard des Geräts entsprechen.

Um also den Klangunterschied - und letztlich die Rechtfertigung für den Player - wahrzunehmen, muss man zu den rund 300 Euro für den Player eigentlich noch den Preis für "Hi-Res Audio"-taugliche Kopfhörer miteinkalkulieren.

Auch nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass die nicht erweiterbaren 32 GB Speicher des Geräts für hochauflösende Formate recht knapp bemessen sein können. Ein einziges FLAC-File kann locker auf 100 bis 200 MB kommen, selbst eine qualitativ hochwertige MP3-Datei mit 320kbps kann in den dreistelligen MB-Bereich vorstoßen. Da kann der Speicherplatz schnell dahinschwinden.

Fazit

Wer großen Wert auf hohe Sound-Qualität und -Flexibilität für unterwegs legt, bekommt mit dem Walkman NWZ-F886 ein ideales Gadget aufgetischt. Gepaart mit "Hi-Res Audio"-Kopfhörern und entsprechendem Audio-Material kann sich der Walkman mit beeindruckenden Klangeigenschaften von der Konkurrenz abheben. Und vom Output-schwachen Musikhören auf Smartphones sowieso. Rein technisch betrachtet kann man das Comeback des Walkman also bejahen. Aus der Perspektive der Massentauglichkeit, wie es dem "Ur-Vater" seinerzeit gelungen war, ist dies eher anzuzweifeln.

Der Sony Walkman NWZ-F886 ist ab sofort in Österreich erhältlich und kostet rund 300 Euro.

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