BlackBerry will es Dell nachmachen und sich von der Börse verabschieden

BlackBerry will es Dell nachmachen und sich von der Börse verabschieden

Der deutsche Konzernchef Thorsten Heins und der BlackBerry-Verwaltungsrat könnten sich zunehmend mit der Idee nach dem Vorbild des Computerkonzerns Dell anfreunden, dem kanadischen Unternehmen durch den Schritt mehr Spielraum für die dringend benötigte Lösung seiner Probleme zu verschaffen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

"Der Ton im Verwaltungsrat hat sich geändert." BlackBerry wollte sich indes äußern. Bei Anlegern schürten die Informationen dennoch Hoffnungen auf ein lukratives Kaufangebot: Die Aktie stieg sechs Prozent auf zehn Dollar.

BlackBerry war einst ein Liebling der Börsen, hat den Anschluss an die Branchenführer aber verloren. Denn der Konzern, der sich kürzlich aus Imagegründen von Research in Motion umbenannte, befindet sich im Klammergriff der stetig wachsenden Rivalen Apple und Samsung. BlackBerry fehlt eine Antwort, wie Marktanteile schnell zurückgewonnen werden können. Zudem gab zuletzt Verzögerungen bei der Einführung des neuen Modells "BlackBerry 10", Management-Probleme, andauernde Quartalsverluste und einen Stellenbau.

Ohne Druck von der Börse dürfte es für den Ex-Siemens -Manager Hein und das übrige Management leichter sein, den Konzern einer Rosskur zu unterziehen. BlackBerry müsste sich nicht mehr vor Aktionären rechtfertigen und stünde weniger im Fokus. Das ist einer der Hauptgründe, warum auch Firmengründer Michael Dell bei seinem PC-Hersteller diesen Weg einschlagen will und eine rund 25 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte auf den Tisch gelegt hat. Gegen seine Pläne gibt es aber Widerstand, weil viele Dell-Aktionäre noch mehr Geld herausholen wollen.

Handybauer prüft Verkauf

Angesichts seiner massiven Probleme spielt BlackBerry nun auch konkret Zukunftsalternativen durch, einschließlich eines Verkaufs. Es sei ein Sonderkomitee gebildet worden, dessen Aufgabe es sei, zu untersuchen, wie sich BlackBerry künftig aufstellen könne, teilte der kanadische Konzern am Montag mit.

Nun solle der Ausschuss prüfen, ob Blackberry unter anderem mit Hilfe eines Joint-Ventures, strategischer Partnerschaften oder anderer Allianzen wieder auf die Beine kommen könne oder ob letztendlich nur ein Verkauf des Traditionsunternehmens bleibe, hieß es weiter.

Bis zuletzt dominierte die Unsicherheit

Dem Aktienkurs bekam die Unsicherheit über die Zukunft der Firma, die sich vor allem wegen ihrer sicheren Datenübertragung einen Namen gemacht hat, zuletzt nicht gut. Nach dem Rekordhoch 2008, als der Konzern noch 84 Milliarden Dollar wert war, sind es jetzt nur noch knapp fünf Milliarden. Allein in diesem Jahr hatte die Aktie ein Fünftel an Wert verloren.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Übernahmegerüchte - das kanadische Patent- und Wettbewerbsrecht macht einen Kauf durch ausländische Unternehmen jedoch schwer realisierbar. Firmenchef Heins betonte stets, BlackBerry könne es alleine schaffen und benötige einfach mehr Zeit. Partnerschaften mit anderen Unternehmen schloss er jedoch nie aus.

Insidern zufolge gibt es diesbezüglich Gespräche mit dem Finanzinvestor Silver Lake. Dieser ist kein Unbekannter. Silver Lake spielt auch eine wesentliche Rolle bei Dell, weshalb es bereits Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit beider Firmen bei mobilen Geräten gibt. Die Nummer drei der PC-Branche leidet angesichts des Booms von Tablets und Smartphones unter dem wegbrechenden Geschäft mit klassischen Computern und erhofft sich so mehr Freiheit für eine radikale Neuausrichtung. Mitte September sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Offerte von Michael Dell abstimmen - das Votum wurde aber bereits mehrfach verschoben.

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