Wiener Diabetes-Startup mySugr bekommt neue Kapitalspritze

Wiener Diabetes-Startup mySugr bekommt neue Kapitalspritze

Diabetes als Volkskrankheit: mySugr will mit Apps dagegen steuern. Und bekommt eine neue Finanzspritze.

Die Wiener Startup-Company bekommt in einer neuen Finanzierungsrunde über 4,2 Millionen Euro nachgeschossen. Mit an Bord sind nun auch der Schweizer Pharmariese Roche und ein neuer Startup-Finanzierer aus Übersee. Vom Break-even scheint mySugr allerdings noch weit entfernt zu sein.

Wien. Im Jahr 2012 von Diabetikern gegründet hat sich die Wiener Startup-Company mySugr auf IT-Dienste für Diabetiker spezialisiert, die über das Internet, Smartphones oder Tablet-Computer abrufbar sind. Nun steht die nächste Kapitalrunde bevor. Die Risiko-Kapitalgesellschaft des Schweizer Pharmariesen Roche und der amerikanisch-chinesische Startup-Finanzierer iSeed Venutures steigen ein. 4,2 Millionen Euro bringen sie zusammen als Morgengabe ein. Gleichzeitig wird auch der bisherige deutsche Kapitalgeber XL Health aus Berlin einen Betrag nachschießen, dessen Höhe jedoch nicht genannt wurde. „Um seinen Kapitalanteil nicht zu verwässern“, sagt mySugr-CEO Frank Westermann dazu kurz und knapp.

Wenig Transparenz

Das frische Geld scheint notwendiger denn je zu sein. mySugr hat im Geschäftsjahr 2013 einen Bilanzverlust von 1,2 Millionen Euro eingefahren – um rund 800.000 Euro mehr als noch Ende 2012. Zahlen zum Geschäftsjahr 2014 will mySugr-Co-Geschäftsführer und Mitgründer Westermann auf FORMAT-Nachfrage nicht nennen: „Die Zahlen geben wir nicht raus.“ Auch wann der „Break Even“ erreicht werden soll, will Westermann nicht sagen.

Die Intransparenz ist ein besonderes Kennzeichen der Startup-Companys, die in den ersten Geschäftsjahren mit Startup-Finanzierungen zunächst einmal nur Geld verbrennen. Ein Umstand, der in der Internetbranche kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase in den Jahren 2000 und 2001 bereits im großen Stil üblich war. „Im Moment ist die Profitabilität nicht das primäre Ziel, sondern das Userwachstum“, verteidigt Westermann die roten mySugr-Zahlen.

Konsumenten (sogenannte User), Klicks, kostenlose Downloads von Apps aus Apples iTunes oder Google Play sind die Währung der Startup-Branche und wichtiger als kaufmännische Ziffern wie Umsatz und vor allem Gewinn (ungeachtet ob EBIT oder EBITDA).

Große Pläne

Das neu eingesammelte Geld „wird in erster Linie in den Aufbau des US Geschäftes und Marketing investiert“, sagt mySugr-CEO-Westermann. Als „stark wachsendes Unternehmen“ soll das Geld „massiv in den Aufbau neuer Mitarbeiter, das Produkt und Marketing“ gesteckt werden.

Das Geschäftsmodell stützt sich auf die Entwicklung von Apps und dazu gelieferten Content samt Tagebuch für Diabetiker. Laut Angaben des Unternehmens sind heute bereits über 387 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Tendenz steigend. Und nicht von ungefähr kommt die fast zeitgleich zu Apple Watch angekündigte Geldspritze. mySugr-Chef Westermann verspricht sich vor allem mit dem von Apple präsentierten "Research Kit" für klinisch relevante Gesundheitsanwendungen neues Geschäft: "Wir werden wo immer es Sinn für uns macht die mySugr Apps mit den neuen Apple Angeboten integrieren."

Aus dem Verkauf von Apps (2,99€ pro Monat oder 27,99€ pro Jahr) für Diabetiker und dem Zugang zu Diabetiker-Informationen in der sogenannten „Academy Education“ werden die Haupterlöse generiert, deren Höhe die mySugr-Chefs nicht nennen will. Die zweite Umsatzsäule betrifft die Lizenzierung der Apps und Academy-Inhalte an Krankenkassen oder Industriepartnern wie renommierte Pharmakonzerne. 200.000 Apps seien laut mySugr bereits auf Smartphone geladen worden.

Die Kapitalverschiebung

Wie viel Geschäftsanteile die neuen Kapitalgeber künftig an mySugr halten werden, wollen die mySugr-Gründer nicht sagen. Die bisherigen zwölf Gesellschafter (siehe Kopie Firmenbuchauszug) bleiben jedenfalls alle an Bord. „Niemand macht cash out“, heißt es bei mySugr. Im Firmenbuch ist die Hereinnahme der beiden neuen Geldgeber noch nicht verbrieft.

Laut Firmenbuch halten die vier Gründer Frank Westermann (20,6 Prozent), Carl-Fredrik Debong (16,5 Prozent), Gerald Stangl (16,4 Prozent) und Michael Florisch (6,5 Prozent) rund 60 Prozent der Anteile. Mit Johann Hansmann ist ein prominenter sogenannter Business Angel an Bord, der 21,2 Prozent der Anteile hält. Der deutsche Startup-Finanzierer XL Health AG, der ebenso im Gesundheitssektor investiert, ist mit derzeit 5,0 Prozent beteiligt. Der Anteil der Deutschen, die in der jüngsten Finanzierungsrunde mitziehen und ebenso Geld nachschießen, bleibt unverändert.

Der 63-jährige Hansmann ist als ehemaliger Pharma-Manager in weit über einem Dutzend Internet-Startups vor allem der Pharma- und Gesundheitsbranche investiert, darunter noch bei der Fitness-App-Firma Runtastic (6 Prozent) sowie Yousure Tarifvergleich (16,6 Prozent) oder Watchado (26 Prozent). Auch bei XL Health erscheint Hansmann als einer der Mentoren auf.

Der Berliner Startup-Finanzierer XL Health ist eine nicht börsennotierte AG und investiert üblicherweise zwischen 500.000 Euro und fünf Millionen Euro in IT-Startups des Gesundheitssektors. Die Verbindungen zur Berliner Charité aber auch zum Ex-SAP Vorstand und nunmehrigen SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner sollen nicht die schlechtesten sein.

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