Vom Casino ins Internet – Wie sich die Gaming-Branche verändert

Vom Casino ins Internet – Wie sich die Gaming-Branche verändert

Das Mekka zieht nicht mehr: Nach Las Vegas kommen die Touristen, um sich den Cirque du Soleil oder einen ordentlichen „Hangover“ zu geben. Immer weniger kommen, um zu spielen. An keinem anderen Platz manifestieren sich die geänderten Gewohnheiten des Homo ludens augenscheinlicher als in der Spielerstadt in der Wüste von Nevada.

Das Gambling ist heute ein Dotcom-Geschäft wie andere Branchen. Und die Veränderung der ersten Casino-Websites Mitte der 1990er Jahre bis hin zu aufwändig visualisierten Pokerzimmern der Gegenwart erzählen auch eine kleine Technologie-Geschichte. Internet mit hohen Bandbreiten und neue Programmierwerkzeuge haben ein „Ambiente“ geschaffen, sodass sich der Spieler heute ohne Bekleidungsvorschriften in jedes Casino weltweit begeben kann. Wo die Reise hingeht, haben die Berater von PriceWaterhouseCoopers vor einigen Jahren in einer umfassenden Bestandsaufnahme zusammengefasst: „Going east and going digital“. Kurz: Das Wachstum der nächsten Jahre liegt in Asien und in der richtigen Online-Strategie.

Für Glücksspieler gelten keine terrestrischen Grenzen mehr. Dass Sicherheitsstandards und nationale Regulative eingehalten werden, ist ein „Projekt“, an dem sich nationale Regierungen und EU-Behörden seit Jahren versuchen. Der Mittelweg – zwischen der Regulierung von Wild-West-Casinos und dem Austarieren protektionistischer Interessen im digitalen Zeitalter – ist eine extrem schwierige und bislang nicht befriedigend gelöste Aufgabe.

Durch die rasanten Entwicklungen allein der letzten drei Jahre hat sich die Komplexität noch einmal gesteigert. Die Verbreitung der sozialen Netzwerke wie Facebook und anderer Spieler-Gemeinschaften aus der Gaming-Industrie haben dafür gesorgt, dass sich die Wege zwischen Gamblern und Gamern öfter kreuzen.

Soziale Spiele mit Geldwerten, wie das Facebook-Spiel Farmville, wuchsen sich über kurze Zeit zu einem echten Hype aus und zeigten eindruckvsoll, dass nicht nur traditionelle Gambler bereit sind, online Geld auszugeben. Der Hype um die Farmville-Firma Zynga hat sich zwar merkbar abgekühlt, doch die Fährten hin zum Gambling sind gelegt. Immer mehr dieser „sozialen Funktionen“ werden künftig auch im Glücksspielbereich anzutreffen sein. Man sammelt gemeinsam Scores, tauscht sich aus oder will aktiver als bisher in den Spielverlauf eingreifen können. „Die Digital Natives spielen anders“, sagt Casinos- und Lotterien-Chef Karl Stoss – und sie sind anspruchsvoll bei Komfort und Freiheiten.

Spielen muss heute auf allen Plattformen möglich sein, und dem Tablet-PC kommt eine Schlüsselrolle zu. Nicht ohne Grund ist das Gros der Apps in den Appstores der Kategorie Spiel zuzuordnen. Je mehr Spielraum die Nutzer bekommen, umso mehr Funktionen sie selber einstellen können, umso attraktiver wird das ganze. Thomas Schleischitz, CEO des österreichischen Entwicklers Rabcat, erzählt: „Vor fünf Jahren konnte sich niemand vorstellen, welche Sprengkraft ein iPad haben würde und wie verrückt die Nutzer nach diesem ‚Spielzeug‘ sein würden“. Für die Spieleentwickler, egal ob sie im Gambling oder Gaming-Bereich angesiedelt sind, ist die Herausforderung so simpel wie komplex. Sie müssen das Spielvergnügen in sich ständig wandelnde Umgebungen neu „übersetzen“.

Die nächsten Evolutionsschritte und Experimentierfelder zeichnen sich bereits ab. Mit prototypischen Geräten wie einer Google-Glass-Brille oder Gestensteuerung, wie sie bei Spielkonsolen und Smartphones bereits verwendet wird, lassen sich physische Barrieren noch intuitiver und eleganter aufheben - darauf kann man wetten.

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