Video on Demand: Österreichisches Portal Flimmit sieht enormes Potenzial

Video on Demand: Österreichisches Portal Flimmit sieht enormes Potenzial

Europa will sich nicht dem Druck der großen amerikanischen VoD-Anbieter wie Netflix beugen und die eigene Filmindustrie schützen. Die Plattform Flimmit spielt dabei aus österreichischer Sicht eine zentrale Rolle.

Man of Steel , World War Z , Monsters University : An mehr oder weniger hochklassigen Blockbustern mangelt es selten. Doch die Filmbranche ist im Umbruch wie zuvor schon die Musikindustrie und derzeit auch die Buchbranche : Neue Vertriebswege lassen das klassische Geschäftsmodell aus Kino – DVD – Fernsehen alt aussehen. Anders gesagt: Legale und weniger legale Filmangebote im Netz erfreuen sich steigender Beliebtheit, nicht nur bei jüngeren Zielgruppen. Die Palette reicht von Apples iTunes über in Österreich noch nicht verfügbare Plattformen wie den Amazon-Ableger Lovefilm bis zu den eindeutig zweideutigen Portalen á la Movie2k.to und dessen Nachfolger Movie4k.to .
Österreich, so der Eindruck vieler Filmliebhaber, hinkt beim Thema Video-on-Demand (also das Ansehen bzw. Herunterladen von Filmen bzw. TV-Sendungen via Internet ohne zeitliche Vorgaben) hinterher. Es gibt zwar eine Menge legaler Angebote , doch alleine wegen der Zurückhaltung des ORF in Sachen Livestream und Online-Videothek ist alles ein wenig zäher. Wie Experten meinen, müssen eben erstens die Rechte für das jeweilige Land extra erworben werden und zweitens ist sich die Industrie über die Folgen der Umbrüche beim Vertrieb selbst noch nicht ganz sicher.

Österreichisches Portal Flimmit

Der größte unabhängige Video-on-Demand-Anbieter in Österreich ist jedenfalls Flimmit . Dort hat man derzeit rund 1000 Filme und TV-Serien als Download oder als Stream (also zum sofortigen Ansehen ohne Herunterladen) im Angebot. Die ganz großen Hollywood-Klassiker findet man naturgemäß bei Flimmit nicht, doch es sind doch eine Menge hochklassiger Filme dabei – etwa “Fräulein Phyllis“ mit Sophie Rois oder eine Reihe guter Dokumentarfilme wie “Bock for President oder "Kronenzeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" . Flimmit wurde 2007 von Karin Haager, Ulrich Müller-Uri und Walter Huber gegründet. „Video-on-Demand war von Anfang an unser Fokus, weil Österreich bis dahin in der Hinsicht ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Haager, die heute CFO des Unternehmens ist. 2009 wurde mit 150 Filmen begonnen, nun sind es mehr als tausend. „Hollywood hat eigene Regeln“, sagt Flimmit-CEO Müller-Uri, daher gibt es keine Blockbuster von dort im Angebot. Stattdessen will sich Flimmit auf „österreichische und generell deutschsprachige Filme sowie auf Festival- und Independent-Filme“ konzentrieren. Das Einsammeln der jeweiligen Rechte ist das eigentlich Herausfordernde am Geschäft. Helfen soll da die gemeinsame Video-on-Demand-Initiative acht europäischer Länder namens EuroVoD , die mit Unterstützung der EU einen Zusammenschluss der Independent-Plattformen ermöglichen soll. „Das ist der Versuch, sich innerhalb der EU zu organisieren“, sagt Karin Haager. Der Grund ist klar: Große Anbieter wie Netflix drängen nach Europa, die EU (und die einzelnen Länder bzw. die VoD-Anbieter) versuchen ein Abfließen der Wertschöpfung zu verhindern. „Außerdem soll verhindert werden, dass europäische Inhalte auf diesen Plattformen nur eine untergeordnete Rolle spielen“, sagt Müller-Uri. Denn eigentlich wäre Video-on-Demand eine große Chance, „europäische und im Speziellen österreichische Inhalte“ zu forcieren. „Gerade für heimische Filme gäbe es da mehr Möglichkeiten, Zuseher zu erreichen als der übliche Weg, in fünf Kinosälen und dann auf DVD verbreitet zu werden“, sagt der Flimmit-CEO.

Technologische Sieben-Meilen-Schritte

Die technologische Entwicklung setzt die Verteidiger klassischer Vertriebskanäle jedenfalls unter Druck, etwa die voranschreitende Verbindung von Breitband-Internet daheim und die Verbreitung internet-fähiger Fernseher. „Diese Smart-TV sind der nächste große Schritt für Video-on-Demand“, sagt Karin Haager. Flimmit baut gerade entsprechende Kooperationen mit Herstellern wie Samsung auf. Derzeit macht die Nutzung der Flimmit-Angebote via internetfähige TV-Apparate erst fünf Prozent aus, wird aber sicher steigen. Generell wird vornehmlich via PC oder Laptop zugegriffen, rund sieben Prozent kommen via Tablets an die Filme. „Video-on-Demand wird in fünf bis zehn Jahren die DVD als wichtigstes Medium abgelöst haben“, sagt Müller-Uri.

Flimmit selbst will sich an der „Schnittstelle zwischen ganz unterschiedlichen Anbietern“ etablieren und spricht dazu unter anderem mit Kabelnetzbetreibern. „Unser Vorteil ist es, dass wir die Technologie selbst aufgebaut haben, auch die rechtlichen Grundlagen verstehen und den Markt einschätzen können“, sagt Haager. Das Ziel: „Wir wollen die Nische für den österreichischen und den europäischen Film besetzen.“

Legal oder illegal?

Illegales Herunterladen von Filmen wird die Anbieter dennoch beschäftigen. „Dieses Piraterie-Problem ist ein Zeichen, dass die Branche nicht Vollgas gibt, vor allem die Rechteinhaber“, glaubt Müller-Uri. Hochwertige, einfach zu konsumierende Angebote würde auch bezahlt werden. „Langfristig wird sich ein Subscription-Modell durchsetzen“, ergänzt Haager. Flimmit will ein solches ab dem nächsten Jahr einführen. Inzwischen wird das Angebot ausgebaut, vor kurzem wurde etwa das Angebot an TV-Serien ausgebaut.

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