Suchmaschinen: Es muss nicht immer Google sein

Suchmaschinen: Es muss nicht immer Google sein
Suchmaschinen: Es muss nicht immer Google sein

Online-Suche heißt in Österreich "Googeln". Doch es gibt interessante Alternativen.

In Österreich werden 95 Prozent aller Internet-Suchanfragen über den Google abgewickelt. Es gibt jedoch etliche Alternativen zu "Big G", die in anderen Ländern auch sehr erfolgreich sind. Warum Sie ihnen eine Chance geben sollten.

Ist Google zu mächtig? Das Europäische Parlament würde die Macht des Konzerns gerne begrenzen, indem das Suchmaschinen-Geschäft von anderen Angeboten des Internet-Giganten getrennt wird. Davon würden freilich auch Googles Mitbewerber profitieren, die den Eindruck haben, bei den Suchergebnissen des Marktführers benachteiligt zu werden. Einen Überblick über die tatsächliche globale Marktmacht Googles ist in der folgenden interaktiven Grafik bildhaft ersichtlich.

Die beliebtesten Suchmaschinen
Top-Suchmaschinen auf Desktop und Tablet, W48 2014

Quelle: StatCounter Global Stats - Search Engine Market Share

Demnach ist Google weltweit in jedem Land führend - mit Ausnahme Chinas, wo westliche Websites teils gesperrt werden und daher die lokale Suchmaschine Baidu das größte Kuchenstück für sich beansprucht. Interessant ist aber auch die Entwicklung im Heimatland des Internets, den USA: Denn dort hat Platzhirsch Google zwar noch einen Marktanteil von rund 78 Prozent, Microsofts vergleichsweise junges Angebot Bing bringt es aber auf stattliche 12,5 Prozent Anteil, der Internet-Pionier Yahoo immerhin auf 7,5 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich ist Google mit 95 Prozent unangefochtener Spitzenreiter, Bing und Yahoo sind hier mit insgesamt weniger als fünf Prozent Anteil definitiv auf dem Abstellgleis. Doch haben die Mitbewerber vielleicht etwas zu bieten, das Google fehlt?

Buntes Bing

Der erste sichtbare Unterschied zwischen Google und Microsofts Suchmaschine Bing ist das Erscheinungsbild. Denn Google reduziert sich bei seiner Startseite darauf, lediglich das Logo und ein Suchfeld vor weißem Hintergrund zu zeigen - während Bing genau in die entgegengesetzte Richtung geht: Hier sind Profi-Fotografien von pittoresken Orten in der Welt zu sehen; auf Wunsch gibt es eine Beschreibung (das untenstehende Bild zeigt einen Kanal in Venedig), und mit Pfeiltasten kann zu anderen Bildern gewechselt werden.

Weniger auffällig, aber dennoch präsent ist ein Link mit der Bezeichnung "Europäischer Datenschutz" in der Fußzeile von Bing. Die Diskussion rund um das "Recht auf Vergessen" hatte erst vor Kurzem wieder die Gemüter der Datenschützer erregt (mehr dazu unter diesem Link); sie fordern, dass unangemessene Suchergebnisse auf Wunsch der Bürger weltweit gelöscht werden. Auf format.at haben wir die schwere Auffindbarkeit und die Notwendigkeit eines amtlichen Lichtbildausweises beklagt (unter diesem Link). Den Ausweis braucht man bei Bing zwar auch - aber wenigstens ist die Seite zum Löschen von Bing-Ergebnissen leichter auffindbar. Außerdem verlinkt die Seite zu Anleitungen zum Löschen von Social-Media-Inhalten, etwa aus Facebook.

Gezielt nach Bildern oder Videos kann man bei Bing auch suchen - wobei in der Video-Kategorie bei Test-Suchanfragen von format.at deutlich mehr Ergebnisse von YouTube-Konkurrenten angezeigt werden als bei Google - YouTube, die größte Video-Plattform der Welt, ist ebenfalls Teil des Google-Konzerns. Als Kartendienst dient statt Google Maps Microsofts Bing Maps; eine "Nachrichten"-Kategorie gibt es ebenso wie beim Platzhirsch. Wer will, der kann sich außerdem seinen Suchverlauf mit einem einzigen Klick anzeigen lassen. Zudem kann man direkt von Bing auf den Webmail-Dienst Outlook.com und die Online-Versionen der Office-Suite zugreifen - was sich wohl ändern könnte: Denn wenn in Brüssel tatsächlich die Trennung von Suchmaschinen und restlichem Geschäft beschlossen wird, müsste auch Microsoft sein Bing von den deutlich erfolgreicheren Produkten Office und Outlook trennen.

Yahoo: Die eierlegende Wollmilchsau?

Doch die Verbindung zwischen Suchmaschine und restlichen Angeboten ist wohl bei keinem Marktteilnehmer so extrem ausgeprägt wie bei Yahoo: Hier ist das Suchfeld lediglich ein kleiner, horizontaler Balken am Anfang der Seite - der Rest der Homepage wird eingenommen von Nachrichten, Wetterinformationen, Sportergebnissen, Comics und einem Horoskop. Das wirkt auf den ersten Blick ähnlich unübersichtlich wie die deutschen Seiten www.t-mobile.de und www.gmx.de, die ebenfalls Nachrichten und - auf Basis der Google-Technologie - eine Suche anbieten; wer sich aber einmal zurecht gefunden hat, der findet bei Yahoo diverse wichtige Informationen für den Tag - darunter auch Live-Einblicke in diverse Aktien.

Wenig brauchbar ist in Österreich allerdings die eigentliche Suchfunktion bei Yahoo: Standardmäßig werden hier Ergebnisse aus den USA geliefert. Das bedeutet nicht bloß, dass die klassische Textsuche keine österreichischen Ergebnisse ausspuckt - sondern auch, dass der integrierte Kartendienst noch nicht mal die Hofburg in Wien findet und dass die Video-Suche auf den Netflix-Kojnkurrenten Hulu verweist, der hierzulande noch gesperrt ist. Fazit: Als Suchmaschine taugt Yahoo in Österreich nichts - zwecks Nachrichtenüberblick wäre die Seite zwar theoretisch geeignet, aber hier liefern die europäischen Konkurrenten mehr Inhalte mit lokaler Relevanz.

Ecosia: Suchen mit gutem Gewissen

Eine Sonderstellung nimmt wiederum die Website Ecosia.org ein - die "Suchmaschine, die Bäume pflanzt" nutzt die Suchtechnologie von Google und liefert somit die gleichen verlässlichen Suchergebnisse wie der Marktführer; allerdings werden die 80 Prozent des Überschusses aus Werbeeinnahmen an ein Aufforstungsprojekt in Brasilien gespendet.

Nach Eigenangabe hat die grüne Suchmaschine derzeit 2.201.166 aktive Benutzer, die jeden Tag 720.044 Suchanfragen stellen. Pro Suchanfrage nehmen die Betreiber 0,5 Cent ein, wodurch angeblich alle 56 Sekunden ein Baum gepflanzt werden kann - insgesamt sollen durch das Projekt schon über eine Million Bäume gesetzt worden sein.

Startpage und DuckDuckGo: Endlich anonym

Googles Liste an Baustellen ist übrigens lang: Neben den aktuellen Problemen mit Brüssel gibt es noch die besagte Diskussion um das Recht auf Vergessen, sowie ein angespanntes Verhältnis zu Verlagen und Verwertungsgesellschaften - und dann wäre da noch der NSA-Skandal: Die Aufdeckung, dass US-Geheimdienste Einblick in den globalen Datenverkehr und diverse Server haben, hat einen globalen Weckruf ausgelöst - und bei vielen Menschen den Wunsch nach anonymem Surfen geweckt.

Hier kommt startpage.com - nach Eigenangabe die "diskreteste Suchmaschine der Welt" - ins Spiel: Die Website verwendet zwar die Technologie von Google, anonymisiert aber jegliche Daten des Nutzers, bevor die Suchanfrage an den Internetriesen weiter geleitet wird - ähnlich wie beim Browser-Plugin "Hola" wird hier eine alternative IP-Adresse generiert; Nutzerdaten werden nach Angabe von startpage.com nicht gespeichert.

In die gleiche Kerbe schlägt wie Startpage schlägt die Suchmaschine DuckDuckGo. Auch hier wird versprochen, dass die Identität des Suchenden verschleiert wird und dass man die Suchhistorie nicht speichert.

Wer Qualität will, geht zum Experten

Und schließlich gibt es noch die spezialisierten Suchmaschinen, die für bestimmte Segmente per se bessere Ergebnisse liefern als Google. Wer etwa günstige Produkte sucht, der sollte nicht auf Google nach "iPhone" suchen, sondern gleich Preisvergleichs-Websites wie geizhals.at oder idealo.de befragen. Auch spuckt Google zwar Flugzeiten auf Anfrage aus, aber einen direkten Überblick über aktuelle Flugreisen liefern Websites wie checkfelix.com oder kayak.com. Wer ein Hotel sucht, der wird bei hotelscombined.com fündig; jegliche andere Informationen rund um's Reisen gibt es auf Tripadvisor.com.

Newcomer in diesem Bereich spuckt die Szene der Internet-Unternehmer fast täglich aus - dazu zählt etwa auch das Wiener Start-up Zoomsquare, das bei der Suche nach Immobilien in Österreich hilft. Dazu werden diverse heimische Immo-Websites aggregiert und auf Zoomsquare grafisch ansprechend aufbereitet; angereichert durch öffentlich zugängliche Daten von Stadt und Staat: Hier erfährt der Immo-Suchende nicht nur, wie groß die Immobilie ist, sondern auch, wie weit der Weg zur nächsten Ubahn-Station, zum nächsten Park oder zum nächsten Bankomaten ist.

Solche Beispiele zeigen vor allem eines: Die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter sind im Web-Business deutlich geringer als in anderen Branchen - und so mancher Newcomer kann etablierte Riesen rasch zum Thron stoßen. Das musste auch Yahoo lernen, das einst der Riese unter den Suchmaschinen war - bevor er vom damaligen Newcomer Google verdrängt wurde. Und noch vor wenigen Jahren wurde auf Tech-Konferenzen über die massive Marktmacht des Handy-Pioniers Nokia diskutiert - heute ist die Handy-Sparte der Finnen Geschichte. Ob und wann somit die Wachablöse für Google kommt, das wird sich noch weisen - vielleicht verwenden wir ja irgendwann allesamt Baidu?

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