Österreichs TV-Sender wappnen sich gegen Netflix

Österreichs TV-Sender wappnen sich gegen Netflix

Österreich wartet gespannt auf den Start der Online-Videothek Netflix. Indes bauen die Platzhirsche ihr Angebot weiter aus: US-Serien gibt es bei Sky, heimische Produktionen bei Maxdome und ATV.

Filme und Serien schauen – wann, wo und wie man will. Das bietet die Online-Videothek Netflix, die noch heuer auch in Deutschland und Österreich starten möchte. Laut Pressemitteilung werden dafür lediglich „günstige Monatspreise“ verlangt; in den USA zahlen Kunden für das Abo 8,99 Dollar monatlich. Die Euphorie war zu Beginn groß, doch nun stellt sich Ernüchterung ein: Denn die Rechte für die Kult-Politserie „House of Cards“, die von Netflix selbst produziert wird und viele Fans zu einem Abo bewegen könnte, liegen hierzulande beim Bezahlsender Sky – Netflix darf seine eigene Serie daher erst sechs Monate nach dem Konkurrenten zeigen. Die Rechte hat Sky Deutschland sich für die gesamte Laufzeit gesichert – es wird sich also auch in Zukunft an dieser skurrilen Situation nichts ändern.

Doch auch abseits davon rüsten sich die hiesigen TV-Sender bereits gegen die Konkurrenz aus Übersee.

Sky: Exklusiver Content

Für den Bezahlsender Sky steht vor allem exklusiver Content im Vordergrund; neben den Rechten für „House of Cards“ hat man sich daher alle wesentlichen Rechte der von HBO produzierten Fantasyserie „Game of Thrones“ gesichert. „Inhalte sind das Kerngeschäft von Pay-TV“, heißt es von Sky Österreich gegenüber Format.at: Denn durch Exklusivität kann man Abonnements verkaufen. Über den Service „Sky Go“ können Bestandskunden gratis auch auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-PCs relativ aktuelle Filme und Serien, sowie Sport-Events wie die Champions League verfolgen.

Ergänzend dazu bietet Sky das Angebot „Snap“, das für Bestandskunden 4,90 €, für Neukunden 9,90 € kostet. Im Gegensatz zu „Sky Go“ finden sich hier eher ältere Filme und Serien, sowie ein ausgedehntes Kinderprogramm. Anfang April gab sich Kai Mitterlechner, Geschäftsführer Sky Österreich, sehr gelassen gegenüber dem Markteintritt von Netflix: „In einem noch unterentwickelten Markt sind wir lieber der beste Anbieter als der einzige.“

ProSiebenSat.1 PULS 4: Das Maxdome-Angebot

Vergleichbar mit Netflix ist Maxdome.at, das von der ProSiebenSat.1-PULS 4-Gruppe seit dem dritten Quartal 2013 in Österreich angeboten wird. Das Besondere: Neben einem Abo-Modell (7,99 € im Monat) ist es auch möglich, einzelne Filme selektiv zu bezahlen.

Eigens produzierten Content – so wie bei Netflix – gibt es auch hier. Dazu zählen etwa Inhalte, die von den TV-Sendern selbst produziert wurden, sowie deutschsprachige Eigenproduktionen wie „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“. Auch von Puls4 produzierten österreichischen Content gibt es, der auf klingende Namen wie „Die verbotene Frau“, „Die Frau in mir“, oder „Unter Umständen verliebt“ hört.

ATV: Reality mit Werbung

A propos eigenproduzierter, österreichischer Content: Auf der Website von ATV können die User sich an Doku-Soaps wie „Bauer sucht Frau“, „Pfusch am Bau“ oder „Geschäft mit der Liebe“ laben. Im April verzeichnete der Privatsender 1,4 Millionen Video-Views auf seiner Website, mit einer durchschnittlichen Verweilzeit von 24 Minuten. Auch „Saturday Night Fever“ läuft laut Martin Gastinger, CEO Programmdirektion und Entwicklung bei ATV, noch immer gut. Die Inhalte sind gratis abrufbar, finanziert wird das Geschäft über Werbung. „Österreichischer Content ist bei uns stärker gefragt als US-Serien“, sagt Gastinger zu Format.at: Auch durch einen Start von Netflix werde man daher am bestehenden Modell „sicher nichts ändern“.

ORF: Wenig Durchdringung

Die große Frage lautet freilich: Was macht das Leitmedium ORF? Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte im September vor dem Publikumsrat gemeint, ein Download-Angebot - "etwas Netflix-artiges" - sei unumgänglich, am besten in Kooperation und mit deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Inhalten.

Nun gibt sich der ORF allerdings eher zurückhaltend: Man gehe davon aus, dass Streaming-Dienste das Nutzerverhalten zwar verändern werden – dies sei aber eine langsame Entwicklung, heißt es gegenüber Format.at: „Denn aktuell sind zum einen internetfähige Fernsehgeräte in Österreich noch nicht sehr weit verbreitet; und zum anderen wird die technische Möglichkeit, Internetinhalte an diesen TV-Geräten nutzen können, im Alltag kaum verwendet.“

In Hinblick auf die TVthek zeige sich zudem, dass derartige Dienste vom Publikum eher als Zusatzangebot konsumiert werden. Außerdem sei das tatsächliche Angebot, das Anbieter wie Netflix beim Start in Deutschland und Österreich präsentieren können, noch nicht bekannt.

Amazon: Nicht verfügbar

Für Ärger sorgte nämlich im Frühjahr der Online-Händler Amazon, der mit „Amazon Prime Instant Video“ einen direkten Netflix-Mitbewerber bietet. Auf Amazon.de wurde im März der Start dieses Dienstes groß angepriesen – doch nachdem sich Österreicher angemeldet hatten, mussten sie zu ihrer Enttäuschung feststellen, dass Amazon die Rechte nur für Deutschland erworben hatte und das Video-Angebot folglich in Österreich nicht verfügbar ist.

Mit Tricks in die USA ziehen

Wem all diese Angebote nicht zusagen, der muss dennoch nicht zwingend auf den offiziellen Netflix-Start warten. Denn über spezielle Browser-Plugins wie „Mediahint“ oder „Hola“ für Firefox und Chrome kann das Herkunftsland des Internetsurfers verschleiert werden – es wird also vorgegaukelt, dass man sich in New York statt in Linz befindet.
Oder aber man spart sich den ganzen Ärger und setzt weiterhin auf das klassische Free-TV. Immerhin hat auch der ORF die erste Staffel von „House of Cards“ im November vergangenen Jahres ausgestrahlt – wenn auch bloß zu später Stunde, in der Nacht von Sonntag auf Montag.

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