Netflix und Co: Macht Streaming das Fernsehen obsolet?

Netflix und Co: Macht Streaming das Fernsehen obsolet?

Woody Allen produziert seine erste Serie - aber nicht für das Fernsehen, sondern für den Internet-Riesen Amazon.

Die Österreicher schauen täglich knapp drei Stunden fern, während selbst die internetaffine Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen bloß 32 Minuten pro Tag Online-Videos schaut. Dennoch werden Online-Streaming-Dienste als Totengräber des klassischen Fernsehens gesehen.

„Die Österreicher sehen durchschnittlich 170 Minuten am Tag fern“, erklärt ORF-General Alexander Wrabetz im Interview mit Format, als er auf die Bedrohung des „guten, alten linearen Fernsehens“ durch Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime Instant Video, Snap, Sky Go und Maxdome angesprochen wird. Im Vergleich zum nach wie vor intensiven Verbleib vor der Mattscheibe wirken Zahlen zum Konsum von Online-Videos eher mickrig: Einer aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie zufolge sieht sich selbst die internetaffine Altersgruppe der 14- bis 29jährigen täglich bloß 32 Minuten lang bewegte Bilder im Netz an.

Soviel zu den Daten, die von den Vertretern der öffentlich-rechtlichen TV-Sender kommen. Spricht man hingegen mit Vertretern der Internetwirtschaft, so ergibt sich ein anderes Bild: „Livestreaming und Video on Demand nehmen an Fahrt auf. Vor allem durch die Ausweitung des Netflix-Angebots auf den deutschen TV-Markt nimmt die Bedeutung enorm zu“, sagt Michael Westphal, Leiter der eco Kompetenzgruppe Streaming Media - mit 800 Mitgliedsunternehmen ist die in Deutschland angesiedelte Organisation der größte Verband der Internetwirtschaft in Europa.

Wiederholung der (Musik-)Geschichte?

Westphal zitiert eine Studie des Marktforschers Digital TV Research, laut der Netflix bis 2020 allein über 11 Millionen deutsche Streaming-Abonnenten haben wird - etwa 30 Prozent aller TV-Haushalte. Bereits bis 2018 wird sich laut Prognose der Strategieberatung Goldmedia der Umsatz mit Video-on-Demand (VoD) in Deutschland verdreifachen auf fast eine halbe Milliarde Euro. Daten zu Österreich liegen nicht vor - es ist aber davon auszugehen, dass sich das Geschäft hierzulande ähnlich entwickeln wird.

Denkbar wäre durchaus, dass sich im TV-Bereich jene Geschichte wiederholt, die seit dem Start der Musik-Streaming-Plattform Spotify 2011 in Österreich zu beobachten ist. Bei Diensten wie Spotify oder Deezer zahlen Kunden eine monatliche Pauschale und können dafür auf zig Millionen Songs unbegrenzt zugreifen – das Segment wächst rasant, im Gegensatz zum klassischen Musikvertrieb: Laut Angaben von IFPI, dem Verband der Österreichischen Musikwirtschaft, schrumpfte der hiesige Musikmarkt 2014 um drei Prozent – während die Umsätze mit Streaming-Abos um 33 Prozent zulegten.

Geändertes Nutzungsverhalten

Streaming punktet im Film- ebenso wie im Musikbereich dadurch, dass dem Nutzer mehr Flexibilität geboten wird. Er ist nicht mehr auf die linearen Programmvorgaben der TV- und Radiosender angewiesen, sondern kann selbst den gewünschten Inhalt einfach anklicken und dann konsumieren, wenn es für ihn am Besten passt – und zwar nicht nur am PC, sondern auch auf Smartphones und Tablet-PCs. Hinzu kommt, dass Video-on-Demand-Anbieter wie Amazon und Netflix durch eigene Serien in TV-Qualität punkten. Netflix machte sich etwa mit dem Polit-Drama „House of Cards“ einen Namen; Amazon konnte Kult-Regisseur Woody Allen dazu bewegen, exklusiv für den US-Anbieter eine Serie zu drehen.

Das ORF-Imperium schlägt indes zurück. Mit Flimmit hat Wrabetz eine österreichische Streaming-Plattform im Gepäck, bei der Nutzer für 7,50 Euro auf über 4000 Filme und Serien aus Österreich und ganz Europa zugreifen können. „Flimmit soll ebenso wie unsere TVthek das lineare Fernsehen ergänzen“, stellt Wrabetz klar – ein Konkurrenzverhältnis zu Netflix sei nicht geplant.

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