Revolution: McCartney & Co krempeln das Musikbusiness um

Revolution: McCartney & Co krempeln das Musikbusiness um
Revolution: McCartney & Co krempeln das Musikbusiness um

"You say you want a revolution" sangen die Beatles schon 1968 - nun rebelliert Paul McCartney gegen Event-Agenturen.

Neue Online-Dienste ermöglichen es Musikern, die Organisation von Konzerten, Tourneen, den Ticketverkauf und das Merchandising selbst in die Hand zu nehmen. Auch Stars wie Paul McCartney machen bereits davon Gebrauch. Die nächste digitale Revolution im Showbusiness hat eben begonnen.

Live-Konzerte sind für Musiker nicht bloß der beste Weg, um direkt mit ihren Fans zu interagieren – sie sind auch jene Umsatzquelle der Musikbranche, die noch nicht durch das Internet und Raubkopien in Mitleidenschaft gezogen wurde: Tonträger können kopiert werden und Streaming wirft weniger Umsatz ab als der klassische CD-Verkauf; doch das Erlebnis eines Live-Konzerts ist für Fans durch nichts zu ersetzen. Die Ironie dabei ist allerdings, dass das Geld der Fans nicht zur Gänze bei den Musikern ankommt, sondern teils durch Marketing-Agenturen, Konzert-Promoter und Ticket-Verkauf aufgezehrt wird. Verschiedene Angebote im Web versuchen nun, den Mittelmann zwischen Musiker und Fan zu eliminieren – und so mehr Geld ins Börserl der Kreativen zu bringen.

„Kauf mich!“ – Crowdsurge.com für den Ticketverkauf

Einer dieser Dienste ist Crowdsurge.com, das im Jahr 2008 gegründet wurde und über 300 Interpreten zu seinen Kunden zählt – darunter klingende Namen wie Paul McCartney, Arcade Fire und Lenny Kravitz. Das Angebot von Crowdsurge: Musiker verkaufen Konzerttickets nicht mehr über einen externen Ticketverkäufer, sondern über ihre eigene Website – und verdienen somit deutlich mehr Geld. „Unsere Zielgruppe sind die Künstler selbst, während unsere Konkurrenten stets die Promoter oder Veranstaltungsorte im Kopf haben“, sagt Matt Jones, Gründer von Crowdsurge, im Gespräch mit dem Online-Wirtschaftsmedium Business Insider: „Immerhin geht man doch auf ein Coldplay-Konzert im Madison Square Garden nicht, weil man den Madison Square Garden sehen will – sondern wegen der Band.“

Freilich gibt es auch andere Systeme, mit denen Jedermann Tickets für Veranstaltungen verkaufen kann – der Dienst Eventbrite erfreut sich auch in Österreich großer Beliebtheit. Doch Crowdsurge bietet außerdem Lösungen, die eine innovative Interaktion zwischen Musikern und Fans ermöglichen: Nicht nur, dass die Band das System direkt in ihre Website einbinden können – sie können außerdem Tickets zu heiß begehrten Konzerten verlosen und so Emailadressen ihrer Fans sammeln, oder Gruppeneinkäufe ermöglichen und so eine soziale Interaktion zwischen ihren Fans schaffen.

Das Promoten der Tour: Soundcloud, Songkick, Bandpage

Doch wie erfahren Fans vom Konzert einer Band, wenn dieses nicht durch die Marketing-Maßnahmen des etablierten Ticket-Verkaufs beworben wird? Freilich kann ein Musiker darauf vertrauen, dass der Fan sich eigenständig über die Tournee seiner Idole informiert – aber auch hier ist es besser, auf neue Technologien zu setzen. Hilfreich ist der Online-Service Songkick.com: Er scannt die Musik-Bibliothek auf dem Smartphone des Nutzers und informiert ihn anschließend über bevorstehende Konzerte der Lieblingsinterpreten, die in der Nähe des eigenen Wohnorts stattfinden.

Ebenfalls unverzichtbar für Musiker im 21. Jahrhundert ist das Verwenden diverser sozialer Medien, namentlich Facebook, Twitter, YouTube, Instagram und Pinterest. Speziell für Musiker hat sich auch das Social Network Soundcloud.com etabliert: Auf der Website, beziehungsweise in der App, werden Lieder online gratis zur Verfügung gestellt – so können unbekanntere Künstler ihre Lieder bewerben. In einem kostenpflichtigen Account für Musiker (ab 4 Euro/Monat) sehen diese, in welchen Ländern ihre Lieder am häufigsten gespielt werden – und können basierend auf diesen Daten ihre Tour planen.

Und schließlich gehört eine eigene Website zum Standard-Repertoire – nicht nur zum Bewerben der kommenden Konzerte, sondern auch für Ankündigungen von Neuerscheinungen, sowie für Merchandising. Lösungen zum Einbinden eines Webshops in die eigene Website gibt es wie Sand am Meer – eine von ihnen ist zum Beispiel sellaround.net.

Eine zentrale Anlaufstelle für Musiker und ihre Fans möchte auch die Website bandpage.com sein. Hier können Musiker ebenfalls ihre Lieder und Musikvideos veröffentlichen, sowie Merchandising-Artikel verkaufen. Das Besondere daran: Wenn das Profil auf Bandpage.com geändert wird, dann gibt es auch automatisch Updates auf anderen Kanälen, wie etwa Facebook, Twitter oder auf Wordpress basierenden Websites. Diese Zeitersparnis hat dem im Jahr 2009 gegründeten Dienst einige prominente Kunden eingebracht – darunter Rihanna, Justin Timberlake und Bruce Springsteen.

Musik verkaufen: Tunecore, Reverbnation und Rebeat

Deutlich einfacher als das Planen einer Tournee ist für Musiker schon das Veröffentlichen der eigenen Musik – denn zwar ist die CD nach wie vor der Platzhirsch im österreichischen Musikvertrieb, MP3-Verkauf und Streaming über Dienste wie Spotify oder Deezer sind aber stark im Kommen. Dieser Siegeszug des Online-Geschäfts hat für Musiker Vorteile; denn sie müssen ihre Songs nicht mehr auf CDs brennen und über Geschäfte vertreiben, sondern können sie mit wenigen Klicks in aller Welt verkaufen.

Dabei helfen Online-Dienste wie Tunecore.com, Reverbnation.com und das österreichische Rebeat. Hier lädt man seine Musik auf einen Server, von wo sie automatisch an Plattformen in aller Welt verteilt wird – von Apples iTunes über Amazon Music bis zu Spotify und Deezer. Tunecore bietet sogar einen Service an, bei dem Gebühren eingehoben und an den Musiker ausbezahlt werden, wenn ohne sein Wissen seine Musik auf der Video-Plattform YouTube verwendet wird.

Die Gebührenmodelle der Anbieter variieren: Bei TuneCore und Reverbnation zahlen Musiker eine jährliche Pauschale für den Vertrieb der Musik und erhalten dafür die gesamten Erlöse (abzüglich der Kosten, die z.B. Apple iTunes sich einbehält); bei Rebeat muss eine Software gekauft werden, man zahlt pro Upload und die Anbieter behalten sich pro verkauftem Song eine Gebühr – dafür entstehen aber keine laufenden Kosten.

Fazit: Gute Tools – aber das ist nicht alles

Das Internet gibt Musikern ein großes Maß an Freiheit zurück. Sie können nun auch ohne Mittelmänner agieren, beziehungsweise manche Leistungen deutlich günstiger in Anspruch nehmen als noch vor weniger Jahren. Der Musikvertrieb lässt sich mit wenigen Klicks erledigen, ebenso wie der Verkauf von Merchandising-Artikeln und Konzertkarten. Daten über das Nutzerverhalten geben Aufschluss darüber, wo sich die meisten Fans befinden; Feedback über Social Media hilft, auf die Bedürfnisse der Klientel einzugehen.

Doch vor falschen Illusionen muss gewarnt werden – ein Hobbymusiker wird nicht plötzlich Fußballstadien füllen, nur weil er ein paar aufregende Tweets verfasst hat. Ganz im Gegenteil: Die strahlenden Referenzkunden für Services wie Crowdsurge oder Tunecore hören auf Namen wie Paul McCartney und Bruce Springsteen – und die waren schon bekannt, lange bevor es Facebook gab. Es ist also eine gewisse Grundbekanntheit nötig, um von den Fans wahrgenommen zu werden. Oder – und davon dürfte wohl so manche Garagenband träumen – ein Riesenbatzen Glück.

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