Konsequenzen der NSA-Spähaffäre: T-Online, GMX und web.de verschlüsseln E-Mails

Konsequenzen der NSA-Spähaffäre: T-Online, GMX und web.de verschlüsseln E-Mails

Ab sofort werde die komplette elektronische Post von Kunden des Branchenführers Deutsche Telekom und von United Internet verschlüsselt, sagten deren Vorstandschefs Rene Obermann und Ralph Dommermuth am Freitag in Berlin. Bei den Unternehmen und ihren Internetdiensten T-Online, GMX und web.de liegen etwa zwei Drittel der rund 60 Millionen elektronischen Postfächer der Deutschen. Unterdessen stellte ein vermutlich auch vom Ex-Geheimdienstler Edward Snowden genutzter verschlüsselter E-Mail-Service seinen Dienst abrupt ein.

Anlass dafür sind möglicherweise ein Rechtsstreit und Versuche der US-Behörden, Zugriff auf die Kundendaten des Dienstes Lavabit zu erlangen.

Die Telekom nannte ihr Verschlüsselungssystem "nach allem menschlichen Ermessen" sicher. Experten warnen dagegen, dass es eine absolut sichere Verschlüsselung nicht gibt. Innenminister Hans-Peter Friedrich und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) begrüßten die Initiative der Unternehmen. "In Verbindung mit einem sicheren PC ist dieses neue E-Mail-Angebot ein wesentlicher Beitrag zu mehr Sicherheit im Cyberraum", sagte der Leiter des BSI-Referats Internetsicherheit, Lothar Eßer.

Der BND räumte unterdessen ein, er setze bereits seit 2007 das US-Programm XKeyScore ein, das der Erfassung und Analyse von Internetdaten diene. "Der BND nutzt das Programm an einer Außenstelle und ausschließlich für die Aufklärung ausländischer Satellitenkommunikation", erklärte der Geheimdienst und spielte dabei möglicherweise auf den Lauschposten im bayerischen Bad Aibling an. XKeyScore sei besonders für die Aufklärung der Lage in Krisengebieten wichtig, im Kampf gegen den Terrorismus und zur Rettung entführter Bürger.

"Mit XKeyScore kann der BND weder auf NSA-Datenbanken zugreifen, noch hat die NSA Zugriff auf das beim BND eingesetzte System", betonte der Geheimdienst. Der Einsatz des Programms sei rechtmäßig, da es nicht auf das genutzte System ankomme, sondern darauf, dass die rechtlichen Vorgaben beim Erfassen der Daten beachtet würden. Durch die bloße Nutzung des Programms werde der BND auch nicht Teil eines NSA-Netzwerkes. Der Verfassungsschutz hatte bereits vor einiger Zeit erklärt, er teste XKeyScore.

Nach Snowdens Angaben ermöglicht XKeyScore eine fast allumfassende Überwachung von Internetnutzern. Das Programm könne nahezu alles erfassen, was ein typischer Internetnutzer tue. Die NSA bezeichnet das Programm als Bestandteil eines gesetzlich geregelten Systems der Auslandsüberwachung.

Steinmeier zu Aussage vor Geheimdienstausschuss bereit

Der in der Späh-Affäre unter Beschuss geratene SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte sich bereit, von dem Geheimdienstausschuss auszusagen. Er gehe allerdings davon aus, dass auch Kanzlerin Angela Merkel sich dort äußern wolle, sagte der frühere Kanzleramtschef. Am Montag wird der amtierende Kanzleramtschef Ronald Pofalla den Abgeordneten des Geheimdienstausschusses erneut Rede und Antwort zur NSA-Affäre stehen. Steinmeier steht in der Kritik, weil er als Geheimdienst-Koordinator der rot-grünen Bundesregierung 2002 eine Grundsatzvereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem US-Geheimdienst NSA getroffen hatte. Die FDP hatte seine Aussage gefordert.

Die NSA will als Konsequenz aus Snowdens Enthüllungen fast alle System-Administratoren loswerden und ihre Computer-Systeme stattdessen stärker automatisieren. "Was wir gerade machen - nicht schnell genug - ist die Reduzierung unserer System-Administratoren um rund 90 Prozent", sagte NSA-Chef Keith Alexander am Donnerstag auf einer Konferenz über Cyber-Sicherheit in New York. Snowden war einer von rund 1000 System-Administratoren der NSA. Er hatte zahlreiche geheime Dokumente über die Arbeit der NSA veröffentlicht und damit deutlich gemacht, dass der Geheimdienst fast den gesamten Internet- und E-Mail-Verkehr der Welt überwacht und die Daten der Nutzer speichert.

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