Kampf gegen Twitter: Doppelte Blamage für den VÖZ

Kampf gegen Twitter: Doppelte Blamage für den VÖZ

Mit einer Kampagne, bei der auf die "Gefahren" von Twitter hingewiesen wurde, sorgte der Zeitungsherausgeberverband VÖZ vor einiger Zeit für Häme. Die jüngsten Ereignisse in der Türkei machen die Marketingidee endgültig zum Fauxpas.

Die Proteste in der Türkei gehen unvermindert weiter, auch heute Nacht gab es in Instabul wieder heftige Demonstrationen. Eine Rolle bei den Protesten spielt die Verbreitung von Nachrichten, Bildern und Aufrufen über das Internet. Vor allem Twitter wird von den Protestierenden genutzt. Wer unter Hashtags wie #direngeziparki , #OccupyTurkey oder #direnankara nach aktuellen Informationen sucht, wird im Sekundentakt mit entsprechenden Meldungen versorgt.

Twitter ist also eine Möglichkeit, die türkische Regierung zu verunsichern - und die hat auch schon reagiert. Mindestens 25 Twitter-Nutzer wurden verhaftet, sie hatten beispielsweise Bilder einer jungen Frau weitergeleitet, die von Polizisten bedrängt wird. Das Bild ist hier zu sehen .

Die doppelte Blamage

Diese Funktion von Twitter macht eine Kampagne des österreichischen Zeitungsherausgeberverbands VÖZ, die schon Anfang Mai für Schmunzeln und Häme sorgte, nun doppelt peinlich. Damals hatte der Verband unter dem Schlagwort "Pressefreiheit" auf die Vorzüge von Zeitung hinweisen wollen. Auf einem Sujet war der Twitter-Vogel (das Symbol dieses Kurznachrichtendienstes) zu sehen, der offenbar tot auf dem Rücken liegt. Der Text darunter: 140 Zeichen reichen nicht aus! .

Wie unter anderem das Branchenmagazin Horizont und der Standard berichteten, löste die Kampagne nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland einige Wogen aus - und zwar nicht unbedingt der Begeisterung. Die weiteren Sujets der Kampagne zeigten etwa den Google-Schriftzug vor einer Szene mit einem Panzer, die frappant an die Geschehnisse am Tiananmen-Platz in Peking im Jahr 1989 erinnerte. Stellungnahme des VÖZ am 3. Mai dazu: "Die Rezeption in diversen Digitalkanälen der Kampagne zum Tag der Pressefreiheit würde (...) die Notwendigkeit der Diskussion rund um die Funktion sozialer Medien und anderer digitaler Plattformen verdeutlichen."

Die Ereignisse in der Türkei, wo viele Menschen angesichts der Obrigkeitshörigkeit der meisten (Print)Medien auf Kanäle wie Twitter oder Facebook ausweichen müssen, um Information zu erhalten, bringt das Thema nochmals aufs Tableau - der VÖZ hat sich auch vor diesem Hintergrund nicht nur einmal, sondern sogar doppelt blamiert.

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