Google Maps im Test: Kleine, feine Änderungen

Neues Google Maps

Mit dem neuen Google Maps, das derzeit in der Beta-Version ist, will der US-Konzern seine Marktmacht demonstrieren.

Neues Google Maps

Alle Suchergebnisse werden nun direkt auf der Karte angezeigt, nicht mehr in einer Leiste links.

Mit der neuen Version seines Kartendienstes macht Google das Suchen von Attraktionen, Restaurants und Routen noch einfacher. Für Österreich mangelt es aber noch beim Öffentlichen Verkehr und bei der Umsetzung der dreidimensionalen Bilder.

Der US-Konzern Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O neben diversen anderen Neuerungen auch Änderungen bei seinem Kartendienst präsentiert. Google Maps soll noch praktischer werden, außerdem schöner anzusehen und einfacher zu bedienen. Google will damit – vor allem angesichts der Probleme von Apple in diesem Bereich - offenbar seine dominierende Stellung bei Maps und zunehmend auch bei Navigation festigen.

Die neue Version von Google Maps ist als Beta-Version zugänglich, dazu braucht es eine "Einladung" von Google und insofern ist ein Google-Konto notwendig. Wir haben uns daher die neue Maps-Version genauer angesehen. Zunächst die Einschränkung: Der runderneuerte Kartendienst ist derzeit nur für Desktop-PC verfügbar, also nicht für Mobilgeräte wie Tablets oder Smartphones. Als Browser werden Chrome, Firefox, Safari 6 und aufwärts oder auch Internet Explorer 10 und aufwärts benötigt.

Auffälligste Änderung: Das Suchen auf der Karte ist nun einfacher. Wollen wir beispielsweise ein Restaurant in einer bestimmten Stadt oder einer bestimmten Gegend finden, werden die Suchergebnisse nun direkt auf der Karte eingeblendet, nicht mehr extra in einer Leiste. Das ist anfangs etwas ungewohnt, aber letztlich doch eine Verbesserung. Die Suche nach „Sushi, Wien“ zum Beispiel bringt in Sekundenbruchteilen eine Übersichtskarte der Stadt; mit roten Punkten sind alle Sushi-Restaurants (oder die, die sich dafür halten) markiert.

Schönheit muss nicht leiden

Erst nach einigen Testläufen fällt auf, dass Google Maps auch in punkto Design einen großen Schritte nach vorne gemacht hat. Die Karten sind nun in angenehmeren Farben gehalten; die Hauptverkehrsrouten bzw. wichtigen Straßen sind in Gelb gehalten und damit gegenüber den Nebenstraßen leichter zu identifizieren.

Zurück zu der Suche, der wichtigsten Funktion: Der Routenplaner ist nun als Symbol direkt neben den Suchergebnissen eingeblendet, ein Klick darauf führt zu der Route. Diese wird je nach Vorliebe für Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer und Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel eingeblendet. Ein Testlauf für Wien und andere österreichische Städte zeigt, dass für Radfahrer durchaus realistische Strecken und Zeiten berechnet wurde. Wie überhaupt die Berechnung von Google Maps sowohl für Autofahrer als auch für Fußgänger den kostenpflichtigen Navigations-Lösungen mindestens ebenbürtig ist.
Leider ist die Möglichkeit, die Route für den öffentlichen Verkehr anzuzeigen, in Österreich noch nicht möglich. Im Gegensatz zu Deutschland können bei uns nicht mal die Bahnrouten angezeigt werden – das wird hoffentlich rasch nachgeholt.

Erstklassige Foto-Funktionen

Auffällig ist, dass beim neuen Google Maps unten in einer Leiste passende Fotos zu der gerade gezeigten Destination eingeblendet werden. In dieser Diashow werden beispielsweise online gestellte Fotos von Usern angezeigt bzw. auch die Aufnahmen aus Google Street View – letzteres, sobald man näher an die jeweiligen Straßen heranzoomt. Fährt man mit der Maus über das angezeigte Bild, weist eine Linie auf den Platz in der Karte hin.

Ebenfalls recht brauchbar ist die Möglichkeit, bei Klick auf einen Straßennamen in der Karte weitere Informationen zu erhalten, etwa dortige Lokale oder Unternehmen bzw. Fotos aus Street View.

Atemeberaubende 3D-Ansichten mit Einschränkungen

Für eindrucksvolle Bilder hatten bei der Google-Konferenz die erneuerten 3D-Ansichten gesorgt. In der Praxis sind solche Bilder zumindest teilweise schon vorhanden: Wer beispielsweise an eine amerikanische Großstadt heranzoomt und dann rechts in das Symbol zum Kippen der Karte (unter dem Kompass-Symbol, mit dem die Karte rotiert werden kann) klickt, bekommt schöne 3D-Ansichten. Allerdings müht sich der Rechner mit der grafischen Umsetzung – wer nicht über eine aktuelle Grafikkarte und einen halbwegs starken Prozessor verfügt, bekommt eher Lego-Klötze zu sehen. Für Österreich ist das Kartenmaterial offenbar überhaupt noch nicht allzu ausgereift: Wien zum Beispiel bleibt eine eher flache Angelegenheit. Street View ist wie bisher nicht vorhanden für Österreich.

Überhaupt ist Google Maps eine Herausforderung für ältere Semester unter den Rechnern – in Kombination mit Firefox (das auch sonst nicht allzu stabil ist) hat sich unser PC einige Male verabschiedet.

Fazit: Wer braucht noch gekaufte Karten?

Wenn es einen Beweis für die Marktstärke und die (finanzielle) Innovationskraft von Google brauchte: Hier ist sie. Google Maps macht Kauf-Karten oder –Navigation teilweise überflüssig. Wenn die Umsetzung auf Mobilgeräten ebenso stark ist, ist eine neue Dimension der Kartendienste greifbar. Das könnte als Nebeneffekt auch das Geschäft mit Lokalanzeigen auf Karten kräftig ankurbeln. Die Marktdominanz von Google mag man kritisch sehen, mit Funktionen wie dem neuen Google Maps wird diese aber jedenfalls weiter ausgebaut.

Robert Prazak

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