Google-Manager Gingras fordert Umdenken der Zeitungs-Branche

Google-Manager Gingras fordert Umdenken der Zeitungs-Branche

Smartphones stellen mittlerweile einen wesentlichen Zugang zu Medien und Nachrichten dar, wie Google-News-Chef Richard Gingras beim "European Newspaper Congress" erläuterte. Nicht nur deshalb forderte er ein Umdenken der Medienbranche.

"Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, die ich als Renaissance der journalistischen Kreativität bezeichnen würde", so Gingras zum Auftakt der Veranstaltung am Montagvormittag im Wiener Rathaus. "Mit dem Aufkommen des Internet hat sich die Medienlandschaft radikal verändert. Heute dominieren Medien unser Leben, wir konsumieren sie nicht nur, sondern leben darin." Die Rolle von Google definierte er relativ klar: "Wie organisiere ich die Informationen der Welt und mache sie einfach zugänglich?"

Dass das US-Unternehmen indes nicht nur von heimischen Verlegern gerne als zentraler Widersacher punkto Werbeerlöse und Aufmerksamkeit identifiziert wird, konnte Gingras nicht unbedingt nachvollziehen. Aus seiner Sicht befindet sich Google mit den Verlegern vielmehr in einer "symbiotischen Beziehung": "Wenn das mediale Ökosystem nicht vielfältig ist, dann braucht es kein Google." Für Medienunternehmen gelte es, in dem sich verändernden Umfeld die richtigen Fragen zu stellen, um neuen Herausforderungen begegnen zu können.

Die "unglaublich gewachsene Menge an zugänglichen Daten", egal ob von privaten oder öffentlichen Institutionen, spiele dabei eine zentrale Rolle. "In den richtigen Händen hilft es uns zu verstehen, wie unsere Gesellschaft funktioniert." Gleichzeitig bedeute der Datenjournalismus aber auch eine Verantwortung. Bis das neue, mediale Ökosystem eine passende Form gefunden hat, brauche es jedenfalls noch Zeit, glaubt Gingras. "Der Wandel ist alles andere als vorbei. Vielleicht ist er das auch nie."

Den Medienunternehmen riet er unter anderem, sich auf Geschichten zu konzentrieren. Mittlerweile würden die Konsumenten im digitalen Bereich nicht mehr primär über die "Eingangstür", also die Frontpage, ein Angebot besuchen. "Sie kommen stattdessen über ein Fenster oder einen Seiteneingang direkt ins Wohnzimmer, ins Badezimmer", formulierte es Gingras überspitzt. Nicht geschnürte Pakete, sondern die Story selbst stehe im Mittelpunkt - verbreitet über Search Engines, die Blogosphäre oder Social Networks. Gerade deshalb müsse man jeden Aspekt des eigenen Unternehmens, Angebots und Geschäftsmodells überdenken. "Was nicht heißt, dass man alles ändern muss."

Dennoch sollte man sich darüber klar sein, dass neue Anbieter in den Startlöchern stehen. "Und diese sind nicht mit einem traditionellen Geschäftsmodell belastet. Die Architektur von News Content hat sich verändert. An einem Tag erscheint ein Artikel, am nächsten Tag verschwindet er im Archiv. Muss das so sein?" Gingras sprach sich für die Nutzung dieser Ressourcen aus und die Anpassung der Inhalte an den "digitalen Container". Der wichtigste Bestandteil sind dabei die Journalisten. Sie müsse man mit den richtigen Tools unterstützen. "Es braucht eine Arbeitskultur der ständigen Innovation." Einen einfachen Weg oder eine simple Antwort dürfe man sich nicht erwarten.

Beim Newspaper Congress, der zum zehnten Mal in Wien stattfindet und sich heute sowie am morgigen Dienstag auch ausführlich mit dem Thema "Roboterjournalismus" auseinandersetzen wird, präsentierte NZZ-CEO Veit Dengler ebenfalls seine Ansichten zum technologischen Wandel. Der österreichische Medienmanager strich neuerlich die Bedeutung von Medien zur "Einordnung, Analyse und dem Hinterfragen" hervor. Bezüglich neuer Geschäftsmodelle plädierte er für Experimente: "Man muss viele Ideen an die Wand werfen und schauen, welche halten."

Ob die NZZ, die für den Jahreswechsel den Launch eines voraussichtlich digitalen Medienprodukts in Österreich unter der Leitung von Ex-"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker plant, auch den Schritt nach Deutschland wagen wird, wollte Dengler nicht sagen. Das Kerngeschäft der NZZ bleibe in jedem Fall Qualitätsjournalismus. Man wolle aber "viele Samen säen. Einige davon werden aufgehen, andere nicht."

Gastkommentar von Horst Pirker: Google und die Angst

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein

Technik

Twitter verschärft Regeln gegen Hetze und Gewaltandrohungen

Wirtschaft

Druck auf Booking.com wegen Preisklauseln