Filme im Internet: Österreich zwischen legal, illegal, scheißegal

Filme im Internet: Österreich zwischen legal, illegal, scheißegal

Österreich ist Albanien. So dachten dieser Tage viele Befürworter einer offenen Medienpolitik und –wirtschaft, als der US-Onlinehändler Amazon zwar zusammen mit seinem Tablet Kindle Fire HD aber erneut nicht in Österreich zugänglich sein wird.

Die Online-Videothek mit rund 50.000 Titeln ist zwar in Deutschland vertreten, nicht aber hierzulande. Amazon wird über die Tochter Lovefilm nicht nur am Heimatmarkt USA, sondern zunehmend auch in Europa zur Konkurrenz für TV-Sender.

Der österreichische Konsument hat bisweilen das Gefühl, hinter den sprichwörtlichen Bergen bei den (Medien)Zwergen zu leben. Das zeigen die Debatten um die Fesptlattenabgabe und die dafür notwendigen Änderungen im Urheberrecht, die erst nach den Wahlen im Herbst geschehen werden. Auch das so genannte Leistungsschutzrecht, ein Lieblingsthema des Zeitungsherausgeberverbands fällt in die Kategorie „Marketing vs. Fakten“. Tatsache ist: Der Konsument sucht heute nach Möglichkeiten, Inhalte wie Musik oder Filme via Internet ansehen zu können. Nicht immer werden dabei legale Wege gesucht und gefunden, zum Teil werden illegale Angebote in Anspruch genommen. Auch nach dem Ende verbotener Plattformen wie Kino.to oder Megaupload gibt es dazu ausreichend Möglichkeiten.

Umso erstaunlicher die Zurückhaltung der Industrie, was legale Angebote betrifft. Während die Musikindustrie sich gezwungenermaßen für den Internet-Vertrieb öffnete – siehe Streaming-Dienste wie Spotify - und damit durchaus richtig liegt , scheint die Filmwirtschaft sehr verhalten zu agieren. Der Wiener Rechtsanwalt Andreas Manak , der unter anderem den Verein für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche vertritt und E-Commerce an der Wirtschaftsuni Wien lehrt, sieht im Gespräch mit FORMAT dafür weniger rechtliche Hürden als Grund. „Es sind primär wirtschaftliche Überlegungen, die mehr Online-Angebote der Filmindustrie in Österreich verhindern.“ Wie kann es dann sein, dass in Deutschland die erwähnte Lovefilm schon tätig ist, in Österreich aber nicht? „Es gibt noch keine standardisierte Vertriebsschiene für Online-Streaming von Filmen, vergleichbar mit dem Vertrieb via Kinos oder den Vertrieb von DVDs“, sagt Manak. Im Klartext: Es müssen für jedes Projekt und für jedes Land extra Überlegungen angestellt werden, ob das (wirtschaftlich) Sinn macht. „Und da spielt natürlich die Größe eines Marktes eine Rolle.“

Neue Wege gesucht, aber nicht gefunden?

Vereinfacht gesagt: Die Filmwirtschaft hat erprobte Geschäftsmodelle für ihre Produkte – diese sehen unter anderem eine zeitliche und regionale Staffelung des Vertriebs über die Kanäle Kino, DVD und Fernsehen vor. Nun kommt das Online-Streaming als weiterer Kanal dazu, der nicht in diese regionalen und zeitlichen Abläufe passt, zumindest werden diese Abläufe von vielen Konsumenten nicht akzeptiert. Im Gegensatz zum DVD-Vertrieb, gegen den man ja nichts tun kann, gibt es aber im Internet eine Art Widerstandsbewegung gegen die Industrie – in Form illegaler Downloads oder Streamings. Eine Spur komplizierter wird die Sache durch die nationalen Regelungen des Urheberrechts in Europa – hier spielen die Einzelinteressen der Länder eine Rolle. Und in Österreich sind die dafür zuständigen Gremien nicht eben für überbordende Transparenz und offene Diskussionen bekannt.

Daher wird auch jedes Land einzeln bewertet. Wann beispielsweise Lovefilm auch nach Österreich kommt, ist unklar – auf Anfrage kommt aus der Deutschland-Zentrale der Amazon-Tochter nur die Standard-Antwort: “Sowohl unser postalischer Verleih als auch das digitale Angebot ist derzeit nur volljährigen Nutzern mit Wohnsitz in Deutschland vorbehalten. Die Filme unseres Video on Demand Services können auch nur von lokalen IP-Adressen aus gestreamt werden.“

Legale Angebote für Österreich

Die Filmwirtschaft weist indes auf bereits vorhandene legale Angebote im Netz hin, die auch von einer österreichischen IP-Adresse aus nutzbar sind – hier die Liste legaler Online-Film-Plattformen in Österreich laut VAP. Darauf sind auch abo-pflichtige Angebote, etwa von Sky Österreich oder von UPC enthalten. Auch die Telekom Austria hat für ihr A1 TV (vormals Aon)diverse Lizenzen von Filmstudios kaufen können. Nicht allzu bekannt ist die Warner-eigene Vide-on-Demand-Plattform Warner VOD , die ein recht ansehnliches Angebot hat. Warner ist überhaupt jenes Studie, das in Sachen VOD sehr fortschrittlich agiert.

Rechtsanwalt Andreas Manak erläutert die Sichtweise der Industrie: „In anderen Branchen wäre es undenkbar, dass sich Konsumenten einfach nicht mit den vorhandenen Vertriebswegen und Angeboten zufrieden geben.“ Die Industrie sei jedenfalls nach wie vor sehr vorsichtig mit der Vergabe von Rechten, eben weil man funktionierende Kanäle nicht kannibalisieren will.

Österreich, die Insel der Unseligen?

Diese Sichtweise der Filmindustrie scheint verständlich – indes ist die technologische Entwicklung nicht aufzuhalten und die Lust der Konsumenten auf einfache, rasche Konsumation der Filme ebenso wenig. Dass Österreich in dieser Hinsicht etwas rückständig ist, überrascht nicht. So tut sich ja auch der ORF beim Thema Livestreaming schwer, in der vielbeworbenen TVThek des ORF spielt sich das Meiste in der Vergangenheitsform ab; den Zusehern werden sozusagen gut abgelegte Häppchen hingeworfen. So wie viele Zeitungsverleger das Internet als „böses Medium“ sehen, sieht wohl auch die Filmindustrie zuweilen das Online-Geschäft zwiespältig.

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