Facebook: Der Kampf um die Jugendlichen ist längst verloren

 Facebook: Der Kampf um die Jugendlichen ist längst verloren

In drei Monaten feiert Mark Zuckerberg seinen 30. Geburtstag. Das Medienunternehmen, das ihn zum Milliardär machte, kommt ebenfalls in die Jahre. Zum zehnten Jubiläum von Facebook wendet sich die junge Generation vom sozialen Netzwerk ab. Schuld sind auch die neuen, alten Nutzer.

In Österreich ist Facebook die am zweithäufigsten besuchte Internetseite überhaupt, noch vor Youtube und Wikipedia. Einzig und allein Googles Suchmaschine hat noch mehr Aufrufe zu verzeichnen. Laut Social Media Radar Austria sind derzeit 3,2 Millionen Österreicher auf der Plattform angemeldet, das ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Noch immer bildet die Gruppe der 13- bis 29-Jährigen die Mehrheit unter den Facebook-Nutzern. Der Anteil älterer Benutzer hat in den vergangenen Jahren jedoch rasant zugenommen.

Insbesondere die Altersgruppe der über 60-Jährigen erobert die online-Foren. Diese Generation nutzt mittlerweile zu einem guten Viertel die Angebote der Internet-Netzwerke im Web. „Das Internet ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, klassische Generationenunterschiede verschwimmen. Die Großelterngeneration entdeckt vermehrt die Vorzüge der sozialen Netzwerke und nutzt diese auch“, so Paul Unterhuber vom Marktforschungsinstitut GfK, das vor Kurzem eine Studie über das hiesige Social Media-Verhalten veröffentlichte.

Bei den ganz Jungen geht der Trend zu mehreren Anbietern gleichzeitig. Vor allem unter 20-Jährige sind seit 2012 deutlich häufiger in mehr als nur einem sozialen Netzwerk aktiv. Diese Altersgruppe ist auch am häufigsten in sozialen Netzwerken online: 44 Prozent von ihnen chatten, posten oder teilen Statusmeldungen „mehrmals täglich“.

Jugendliche verabschieden sich

Der Zuspruch zu Facebook wiederum, scheint in der jüngeren Zielgruppe zu schwinden. "Wir beobachten, dass Jugendliche zusehends rausgehen", meint Axel Maireder von der Uni Wien. "Das Medium ist in den vergangenen Jahren mit den Nutzern mitgewachsen. Derzeit sind es entsprechend junge Erwachsene, die es nutzen, aber auch hier wird es weniger intensiv." Neue Angebote wie WhatsApp oder Snapchat würden dem Platzhirschen in dieser Zielgruppe bei interpersoneller Kommunikation zusehends den Rang ablaufen.

Geht es nach Wissenschaftern an der Universität Princeton, steht dem IT-Giganten mit heute rund 5.000 Mitarbeitern überhaupt der baldige Niedergang bevor. In einer aktuellen Studie gehen sie davon aus, dass Facebook in den kommenden drei Jahren 80 Prozent seiner Nutzer verlieren wird. Ihre Erhebungsmethode mittels Analyse von Suchbegriffen bei Google bringt ein wohl deutlich überzogenes Urteil: Wie die Beulenpest habe sich das soziale Netzwerk ausgebreitet und werde auch so aussterben. Ein aus jetziger Sicht beinahe unvorstellbares Szenario. Aber schon der Vorgänger MySpace hat gezeigt, dass man innerhalb weniger Jahre einfach von der Bildfläche verschwinden kann.

Newsfeed-Ausbau ist Hoffnungsträger

Im Wettbewerb mit neuen Social Media-Konzepten will Facebook seine dominante Marktposition alles andere als kampflos aufgeben. Die verfolgte Strategie bedeutet jedoch eine bewusste Abwendung von der ganz jungen Zielgruppe, hin zu älteren, zahlungskräftigeren Bevölkerungsteilen. Innovationen werden vor allem beim Thema News Feed gesucht. Das Unternehmen selbst längst erkannt, dass ihr Produkt nicht mehr vorwiegend zur persönlichen Kommunikation genutzt wird, sondern primär als Informationsmedium. Die Zukunft liegt in der flexiblen Content-Bereitstellung. Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg gab angesichts des "Teenager-Problems" bereits an, dass das Portal "nicht cool aber nützlich sein soll". Schon bald will Facebook etwa eine neue Nachrichten-App präsentieren, die Nutzern verstärkt anzeigen soll, welche Neuigkeiten für sie relevant sind. Erstmals sollen dabei nicht nur aufwendige Computer-Algorithmen zur Anwendung kommen, sondern die News-Auswahl von eigenen Redakteuren übernommen werden. Das Produkt soll verschiedenste Quellen miteinander verbinden, von klassischen Nachrichtenseiten über Statusmeldungen bei Facebook bis hin zu Beiträgen von der zu Facebook gehörenden Foto-Plattform Instagram.

Der neue News-Aggregator soll angeblich den Namen „Paper“ tragen. Insider berichten, dass Facebook in den letzten Monaten eifrig nach Mitarbeitern für die redaktionelle Bestückung der Newsfeed-Anwendung gesucht haben soll. Offiziell hat das Unternehmen sich jedoch noch nicht zu dem Projekt geäußert.

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