Einsame Herzen? Damit sollten Sie bei Online-Partnerbörsen rechnen

Einsame Herzen? Damit sollten Sie bei Online-Partnerbörsen rechnen

Am 14. Februar ist Valentinstag. Vielen Singles führt der "Tag der Liebenden" ihren Beziehungsstatus besonders plastisch vor Augen. Wenn der nach Facebook-Maßstäben "Kompliziert" oder "Single" ist, dann ist der Klick zur nächsten Online-Partnerbörse oft nicht weit.

Liebe, wahre Liebe - wer wünscht sich die nicht? Wenn im Leben keine Zeit bleibt, um in der realen Welt den idealen Partner zu finden oder Mann oder Frau von der Realität zu oft enttäuscht wurde, dann sind die Online-Partnerbörsen im Internet immer öfter die Anlaufstelle Nummer eins.

Kein Wunder, denn die Partnerbörsen werben damit, unter tausenden oder zehntausenden, ja sogar hunderttausenden den oder die richtigen Partner oder Partnerin finden zu können. Dafür seien wissenschaftliche Methoden entwickelt worden. Und ein verzweifeltes Herz klammert sich gerne an einen Strohhalm: Ja, unter diesen vielen Menschen muss es doch einen oder eine geben, der oder die wirklich zu mir passt und mich liebt so wie ich bin.

Bloß: Das Angebot an Partnervermittlungs- und Dating-Seiten ist mittlerweile fast unüberschaubar. Seriösere, die offenkundig ernsthaft versprechen, einen passenden Partner vermitteln zu können, sind von Kuppler-Portalen, die bloß den schnellen Sex zum Ziel haben, oft kaum zu unterscheiden. Abgesehen davon: Alte Jugendfotos, schmeichelhafte Umschreibungen der persönlichen Makel oder glatte Lügen in den Profilangaben sind so weit verbreitet, dass ein ehrliches und rundheraus stimmiges Profil einem Lotto-Jackpot gleich kommt.

Vor der Suche

Ehe man sich also blind oder krank vor der Sehnsucht nach Liebe in ein Online-Abenteuer stürzt sollte Mann oder Frau sich grundsätzlich zweier Dinge bewusst sein: Erstens gibt sind online keine anderen Partner zu finden wie im wirklichen Leben und zweitens gibt es nichts, das es nicht gibt. Ein entsprechender Creep-Faktor ist auf jeden Fall zu erwarten. Den makellosen Adonis gibt es online ebenso wenig wie die reine Aphrodite. Das nächste, da man bedenken sollte: Entsprechend ihrer Zielgruppen haben die Plattformen auch ganz unterschiedliche Ausrichtungen. Thematisch einfach, aber doch nicht immer eindeutig zu unterscheiden sind die Single- und Kontaktbörsen. Auch Singles suchen Kontakte, Kontakte suchen Singles - das Spiel der Liebe ist eben undurchschaubar. Ob jetzt die ewige Liebe oder ein Seitensprung gesucht sind - wer weiß das schon? Es gilt wie bei der realen Partnersuche die Faustregel: Wer seine Erwartungen nach unten schraubt kann zumindest nicht enttäuscht werden.

Single-Börsen mit wissenschaftlichem Anstrich

Viele Single-Börsen, besonders diejenigen, die auch im Fernsehen dafür werben, den idealen Partner finden zu können, versuchen sich mit pseudowissenschaftlichen oder selbst erfundenen Auszeichnungen einen besonders seriösen Anstrich zu geben.

Elite Partner etwa verspricht besonders niveauvolle Partner vermitteln zu können. "Akademiker und besonders gebildete Singles". Einem „wissenschaftlicher Persönlichkeitstest“ zufolge sollen in "Sekundenschnelle" die gemeinsamen Matching-Punkte ermittelt können, die bestimmen, welche Singles am besten zueinander passen. Über 300.000 Österreicher sind nach Angaben von Elite Partner auf der Website registriert.

Auch Konkurrent Parship setzt in seiner Werbelinie auf "Wissenschaftlichkeit". Die Seite bewirbt ihr selbst kreiertes „Parship-Prinzip“, das verspricht, mittels Online-Tests entscheidende Facetten einer Persönlichkeit zu ermitteln.

Auf Grundlage von 74 indirekten Fragen sollen dabei für eine Partnerschaft relevante Merkmale erstellt werden. Charakterzüge, Lebensgewohnheiten und Interessen spielen hier eine große Rolle. Danach - so die Werbung - wird ein passender Partner oder eben eine Partnerin gesucht. Parship ist die größte Online-Partnervermittlung, derzeit sind rund 500.000 Mitglieder in Österreich registriert.

Ein weiterer Mitbewerber ist eDarling . Wieder wird etwas Ähnliches versprochen. Mithilfe eines „wissenschaftlich fundierten Fragebogens“ verheißt die Website, genau jene Singles vorzuschlagen, „die perfekt zu Ihnen passen“. 200.000 Österreicher probierten es bereits, hier einen Partner zu finden.

Der Reality-Check kann den Wahrheitsgehalt der Werbeversprechen freilich nicht definitiv bestätigen. Eine im Fachblatt „Psychological Science in the Public Interest“ veröffentlichte Studie zweier US-Psychologen kam zum Schluss, dass die angewandten mathematischen Algorithmen der Online-Partnerbörsen nicht hinreichend geeignet sind, um die Qualität oder gar die Beständigkeit einer potenziellen Beziehung vorherzusagen. Aber Hand aufs Herz - hatten das nicht alle ohne die Studie gewusst?

Kontaktbörsen für den schnellen Sex

Ehrlicher, wenn auch inhaltlich in andere Kerbe schlagen dagegen die online geradezu inflationär vorhandenen Kontaktbörsen. Seiten wie Friendscout24 , Neu.at oder Singles.at versprechen erst gar keine langfristigen Beziehungen. Lockere Flirts, flottes Kennenlernen, Daten, Poppen oder gleich Swingen. Zumindest kann man hier eher weniger enttäuscht werden. Selbst wenn Mann oder Frau sich Hoffnungen machen sollte: es wird gekuppelt, was das Zeug hält. Die Wahrscheinlichkeit auf eine dauerhafte Liaison geht gegen Null.

Ob Flirten, Daten, erotische Beziehung oder die Suche nach Lebenspartnern, Friendscout sieht sich als Full-Service-Anbieter für alle Beziehungsbedürfnisse. Gerade das sollte aber für alle, die mehr als nur Sex suchen, die Alarmglocken läuten lassen. Auch wenn sich seit dem Start der Website im Jahr 2004 schon rund 900.000 Österreicher auf der Plattform registriert haben und jedes Monat rund 150.000 davon aktiv sind.

Einige weitere Anbieter werben ganz direkt mit schnellem Sex oder setzen auf das gezielte Vermitteln von Seitensprüngen. Zu den einschlägigsten führen direkte Links von ebenso einschlägigen Websites - die größten sind diejenigen, die eine der beiden Wortsilben von "YouTube" mit "Porn" ersetzen.

"Hat Ihre Beziehung die knisternde Spannung verloren? Dann kann Casual Dating auch für Paare eine interessante Option sein. Ein Abenteuer belebt Ihre Partnerschaft in einer ganz neuen Art und Weise und ermöglicht so Ihre bisherige Beziehung zu bereichern" ist etwa auf der Website von C-Date zu lesen.

Manche Anbieter von Flirt- oder Sex-Vermittlung arbeiten allerdings auch mit unseriösen Methoden. Neben problematischen Konstruktionen wie Probe-Abos, die nach Ablauf in kostspielige Jahres-Abonnements übergehen - siehe unsern Artikel "Auf der Suche nach Liebe? Die miesen Tricks der Online-Partnerbörsen" , setzen einige Portale auch auf Lockangebote mit falschen Profilen.

Am Ende bleibt auch im digitalen Zeitalter ein Vorteil des klassischen Gesprächs oder Flirts an der Bar: Die Gewissheit, dass hinter dem freundlichen Gesicht gegenüber mit Sicherheit ein echter Mensch mit einem kommuniziert. Jemand, den man tatsächlich interessant findet. Ob daraus Liebe wird steht ohnehin in den Sternen.

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